Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.12.2017


Tourentipp

Alm-Tour mit Pulver-Charme

Eine einfache und sichere, dafür ausgedehnte Wald- und Wiesen-Tour mit rund 1000 Höhenmetern und etwa sechs Kilometern ist der Aufstieg von Zams zur Zammer Alm.

© StrasserDer Aufstieg führt mehr oder weniger durch den Wald.



Zams, Landeck – Klein, aber fein. Diese Worte beschreiben das Skigebiet des Venet in der Region Zams/Landeck wohl am besten. Aber nicht nur bei Skifahrern ist das Venetmassiv, das hoch über dem Oberinntal thront, weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Tourenziel: die Zammer Alm.
- Strasser

Im Bereich des gesamten Venetgebietes, welches sich über 15 Kilometer zwischen Landeck und dem Imsterberg erstreckt, findet man zahlreiche und lohnende Skitouren abseits jeglichen Skitourismus. Zwar oftmals ohne wirklichen Hauptgipfel als Ziel, dafür überzeugen sie landschaftlich und eignen sich für Tourengeher vor allem im Hochwinter bei heikler Lawinensituation.

Wir sind Anfang dieser Woche im Venetmassiv von Zams über die so genannte „Trams“ zur Zammer Alm dem Geheimtipp eines Einheimischen gefolgt und genossen bei frischem, fast knietiefem Pulverschnee einen grandiosen Aufstieg und eine noch grandiosere Abfahrt.

So kommt man hin: Wir starten unsere Tour beim kleinen Riefe-Übungslift in Zams, etwas südlich der Talstation der Venet-Gondelbahn gelegen. Zu Beginn geht’s noch ein ganz kurzes Stück (200 Meter) entlang der Piste hinauf. Bald aber über den Forstweg und abseits der Piste, mit der wir übrigens während des gesamten Aufstieges nicht mehr in Kontakt kommen, hinauf bis zum Tramser Weiher, einem Naherholungsgebiet der Stadt Landeck.

In regelmäßigen Abständen, bis hinauf zur „Trams“, führt unsere Route an Holztafeln vorbei, welche von den Zammer Schützen errichtet wurden. Für Inhalt und Bilder war der Zammerberger-Volksschullehrer Patric Niederbacher (44) verantwortlich. Auf diesen Tafeln wird das Leben von Andreas Hofer anlässlich der Gedenkfeier „200 Jahre Tiroler Freiheitskampf“ erzählt. Auch wir nehmen uns die Zeit, stehen zu bleiben, denn die Beiträge sind höchst interessant und lesenswert.

Ein Genuss ist die Abfahrt bei Neuschnee.
- Strasser

Die ersten Höhenmeter sind also absolviert und bis hierher ist die Aufstiegsspur auch sehr leicht zu finden. Von nun an bedarf es ein bisschen besserer Orientierung. Aber keine Angst: In 99 Prozent der Fälle ist die Tour über die „Trams“ hinauf zur Zammer Alm von einheimischen Tourengehern angespurt und man braucht sich nur an diese Spuren halten.

Vorbei am Tramser Weiher (Linkskurve) führt unser weiterer Anstieg über Wiesenhänge und schmucke Almen über die alte „Trams“-Abfahrt im Bereich von Galpeins und dem so genannten „Hengst“ hinauf in Richtung Mittelstation der Venet-Gondelbahn. Zwischendurch wird es schon mal etwas steiler.

Je höher wir nach oben gelangen, umso imposanter wird der Blick hinunter ins Oberinntal und auf seine umliegende Bergwelt, welche im lichten Wald immer wieder zum Vorschein kommen.

Die größte Hürde haben wir erledigt, die Almenwiesen hinter uns gebracht und es wird wieder flach. Noch etwa zehn Minuten trennen uns von unserem Ziel. Die letzten Meter führen über einen präparierten Ziehweg, vorbei an der Zammer Skihütte und den Schlepplift querend, bis zu unserem heutigen Ziel. Geschafft!

Die Zammer Alm, die seit dem Sommer Richard Zangerle führt, ist richtig gemütlich und lädt zum Einkehren ein. Und das tun wir auch. Nicht nur, weil wir den neuen Hüttenwirt kennen lernen wollen. Nein. Draußen ist es ziemlich kalt geworden und auch die Tour führt hauptsächlich im Schatten nach oben. Ein warmer Tee mit Zitrone bringt uns langsam, aber doch wieder auf Betriebstemperatur. „Dienstag und Freitag ist Tourengeher-Abend bei uns“, verrät uns Zangerle.

Doch viele Tourengeher kommen dabei vom Zammerberg, quasi über die Piste mit Ausgangspunkt bei der Rifenalbahn. Dieser Zustieg ist deutlich kürzer als jener, den wir gewählt haben, doch dafür führt er eben über die Piste.

Übrigens: Wem die 1000 Höhenmeter von Zams hinauf zur Zammer Alm zu wenig sind, der kann natürlich auch bis zur Bergstation (Krahberg) weitermarschieren (zusätzliche 450 Höhenmeter).

Und bei sicheren Verhältnissen steht einem Besuch der Glanderspitze (2512 Meter), dem höchsten Punkt des Venets, nichts entgegen. Beim nächsten Mal vielleicht. Heute nicht mehr.

Entlang der Aufstiegsroute geht’s zurück nach Zams. Durch fluffigen Pulverschnee, der uns teilweise bis zu den Knien reicht. Ein echter Genuss. Zurück beim Tramser Weiher nehmen wir den Forstweg, auch Andreas-Hofer-Weg genannt, und gelangen schlussendlich zurück an unseren Ausgangspunkt beim Übungslift Riefe.

Fazit: Die Tour ist auch fortgeschrittenen Anfängern zu empfehlen, die Kondition für 1000 Höhenmeter mitbringen und drei Stunden Gehzeit in Kauf nehmen. Und bei heikler Lawinensituation ist diese Tour mit Sicherheit eine sinnvolle Option. (flex)

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