Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.01.2018


Reise

Mit dem Auto um die Welt: Ein eingespieltes Team auf Tour

Mit dem Auto um die ganze Welt: Erika und Fritz Huemer erfüllen sich ihren Traum von der Reise durch die Kontinente. Zuletzt fuhren sie über Russland bis nach Japan.

© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage



Von Julia Baumgartl

Innsbruck – Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Das gilt auch für Fritz Huemer und seine Frau Erika, die mit ihrem Auto in der Welt schon viel herumgekommen sind. Ausgangspunkt der gemeinsamen Reisen ist ihre Wohnung in Innsbruck, die mit zahlreichen Bildern von afrikanischen Dorfbewohnern, wilden Tieren und außergewöhnlichen Landschaften liebevoll dekoriert ist.

Mit einem Lachen im Gesicht sitzt der 71-jährige Pensionist auf der Eckbank in der Küche und schwelgt in Erinnerungen. In einem nicht enden wollenden Redefluss erzählt er von fernen Ländern und Menschen, denen sie auf dem Weg begegnet sind: „Wenn man einmal mit dem Reisen beginnt, will man immer mehr, immer weiter und immer etwas anderes.“

Seine Frau hält sich im Hintergrund und nickt hin und wieder beipflichtend. Wenn die beiden unterwegs sind, ist das aber ganz anders: Dann nimmt die 64-Jährige das Navigationsgerät in die Hand und zeigt ihrem Mann, wo es langgeht. Erika lacht: „Ich bin dann meistens schuld, wenn die Straßen schlecht sind und manchmal fragt er mich auch, ob ich jetzt wirklich das richtige Links oder das falsche Links meine.“

Das Auto ist ihr Zuhause und ständiger Begleiter.
- Huemer

Den gemeinsamen Traum, mit dem Auto die Welt zu bereisen, erfüllt sich das Paar seit Beginn der Pension. Ihr Toyota Land Cruiser brachte sie 2009 von Innsbruck nach Afrika. In vier Etappen durchquerten sie den gesamten Kontinent. Nach einem einjährigen Zwischenstopp in der Heimat zog es die beiden 2013 nach Amerika.

Von Kanada aus fuhren sie über Nord- und Mittelamerika bis ganz in den Süden. Ende 2016 ging es wieder von Innsbruck aus durch die Mongolei und Russland nach Wladiwostok, Südkorea und Japan. Dort wartet der Land Cruiser auf einem der Dauerparkplätze am Flughafen seit Monaten auf seinen nächsten Einsatz, für den er voraussichtlich von Japan nach Australien verschifft wird.

Auf ihren Reisen verstehen sich die beiden als Selbstversorger. Sie schlafen im Auto und kochen selbst. Für Fritz Huemer ist ganz klar: „Wenn man mit dem Auto verreist, sieht man einfach mehr und ist auf den Kontakt mit den Einheimischen und anderen Reisenden angewiesen.“

So haben sich entlang des Weges auch schon Freundschaften und Bekanntschaften gebildet. Ein Erlebnis ist ihm dabei in besonderer Erinnerung geblieben: Eines Abends in Mosambik, als es sich das Ehepaar an einem geeigneten Stellplatz bereits gemütlich gemacht hatte, trafen sie auf eine Gruppe von Straßenarbeitern. Die Männer leuchteten neugierig mit ihren Taschenlampen, trauten sich in der Dunkelheit aber nicht, näher heranzukommen. Am nächsten Tag staunten die Huemers nicht schlecht, als die Arbeiter samt deren Familien auf einen Besuch bei ihnen vorbeischauten.

Das Auto ist ihr Zuhause und ständiger Begleiter auf dem Weg von afrikanischen Wüsten (l. und Mitte) bis zu Gletschern in Alaska (r.).Fotos: Huemer
- Huemer

Ihre eigene Familie ist es mittlerweile schon gewöhnt, dass Oma und Opa eben öfter mal nicht da sind. „Anfangs haben unsere Enkel schon immer gejammert und geweint“, erinnert sich Fritz Huemer. Enkelin Julia, die heute 20 Jahre alt ist, wurde dann einfach kurzerhand eingepackt und durfte vor ihrem Schuleintritt einmal mit nach Afrika. Der ehemalige Bankangestellte strahlt: „Es war für sie so ein tolles Erlebnis, dass sie heute, also 14 Jahre später, noch davon erzählt.“

Wirklich schlechte Erfahrungen haben Erika und Fritz Huemer auf ihren Reisen noch nie gemacht. Einmal gab es im südamerikanischen Kolumbien Probleme mit dem Getriebe des Autos. „Durch die Verständigung mit Englisch, Händen und Füßen sowie Übersetzungs-Apps hat aber immer alles problemlos funktioniert“, erklärt der reisewütige Pensionist.

Und während er weiter über spannende Abenteuer und skurrile Erlebnisse berichtet, trägt seine Frau Erika die Erinnerungen nicht nur im Herzen, sondern auch in Form eines goldenen Afrika-Anhängers auf ihrer Brust.

Gletscher in Alaska.
- Huemer



Kommentieren


Schlagworte