Letztes Update am Do, 05.07.2018 08:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

„My Green Trip“: Schöne, saubere, neue Welt

Wie aus einem erschreckenden Urlaubserlebnis eine Gemeinschaft von Tausenden Reisenden gegen den Müll wurde.

© The Green TripEgal ob allein im Wald oder wie die Gruppe am Strand von Barcelona: Bei "My Green Trip" können Jung und Alt etwas gegen die Vermüllung beitragen.



Von Theresa Mair

Ein Affe sitzt da und kaut auf einer Plastikflasche herum. Überall liegen Plas­tikfetzen, Glasscherben und andere Abfälle herum. Nicolas Gluzman und seine Frau Elisabeth Tricot aus Lausanne am Genfer See sind entsetzt von dem Bild, das sich ihnen in einem Nationalpark in Malaysia bietet.

Bereits eine Woche zuvor, als sie abseits der ausgetrampelten Touristenpfade zu einem Wasserfall wanderten, standen sie plötzlich in einem Meer aus Müll. Die Gefühle übermannten sie. „Wir waren wütend und beschämt. Wir fühlten uns nutzlos, weil wir in dem Moment nichts tun konnten“, erinnert sich der 36-jährige Schweizer. Im Nationalpark geben sie dann ihrer Ohnmacht nicht mehr klein bei. Die beiden gehen zum Eingang und bitten um Säcke, um damit den Dreck einklauben zu können. „Die Leute kamen heran und fragten, was wir da tun“, erinnert sich Gluzman. Drei Jahre ist es her, dass das Paar dieses Schlüsselerlebnis hatte.

"Heute habe ich den Planet geputzt", steht auf den T-Shirts von Nicolas Gluzman und Elisabeth Tricot. Den Anfang haben sie schon gemacht.
- The Green Trip

Heute versammeln Gluzman und Tricot eine ganze Schar von Reisenden in ihrer Non-Profit-Organisation „My Green Trip“. Die Familien, Abenteurer, Rucksackttouristen und Singles, die hauptsächlich aus der Schweiz und Frankreich kommen, haben alle das gleiche Problem wie die engagierten Schweizer: Sie wollen keinen Müll in der Natur sehen. Deswegen räumen sie auf.

In 15 Ländern hat Gluzman bereits Partner wie Tauchschulen, kleine Geschäfte und Tourismusbüros gefunden, bei denen die vollen Müllsäcke abgegeben werden können und die sich darum kümmern, dass Plastik und Co. im lokalen Abfallsys­tem sortiert, recycelt oder zumindest ordnungsgemäß entsorgt werden. Bis Jahresende hofft Gluzman, auf 100 solche Partner zählen zu können und dass die Gemeinschaft der „Grün-Reisenden“ auf 5000 anwächst.

Die Touristen scheinen begeistert von der Idee, einen Teil ihrer wertvollen Urlaubszeit damit zu verbringen, anderer Leute Müll einzusammeln. Für Gluzman, der seine Organisation zusammen mit zehn Freiwilligen immer noch quasi als Nebenjob aufzieht, ist das nur logisch: „Wenn du auf Reisen bist, erwartest du, auf schöne Orte zu treffen. Wenn das nicht so eintritt, dann regen sich ganz eigenartige Gefühle. Und wenn dann eine Milliarde Reisende, einfach jeder, Abfall aufsammelt, dann ist das ein super Resultat!“, sagt er. Müll gebe es überall, nicht nur in Entwicklungsländern. Im Urlaub habe man aber ein besseres Auge dafür. „Erst kürzlich haben wir bei einer Aufräumaktion 20 Säcke mit Müll aus dem Genfer See gefüllt. Dabei waren es nur kleine Stellen des Sees, die wir abgesucht haben.“

Reisebüros sei es aber zu riskant, Trips an vermüllte Orte anzubieten. Deswegen unterstützen sie „My Green Trip“. „Sie sind froh, wenn sich jemand um das Thema kümmert, auf den sie verweisen können.“ Zuletzt hat die Plattform Airbnb das Projekt mit 10.000 Euro unterstützt. Derzeit versucht der aktive Schweizer mit einem Kofferhersteller eine Zusammenarbeit auszuhandeln.

Ob er sich als Vorbild sieht? Gluzman hält es mit Gandhi. „Der hat gesagt: Etwas vorzuleben, ist nicht der beste Weg, andere zu überzeugen – es ist der einzige.“ Deswegen hält er sich nicht lange damit auf, Unbelehrbare zu überzeugen. Er freut sich viel mehr über umweltbewusste Reisende und Einheimische, die sich von „My Green Trip“ motivieren lassen.

Grüne Urlaubstipps

Nimm wiederverwendbares Geschirr und Stofftaschen mit.

Kauf auf lokalen Märkten ein und meide abgepackte Snacks.

Sag „Nein“, wenn dir jemand ein Plastiksackerl anbietet.

Sonnencreme schadet Korallen. Deshalb: Versuche, die Creme zu reduzieren, geh in den Schatten und zieh dir etwas an. Für Reisende, die ihren „Green Trip“ planen, hat Nicolas Gluzman ein Kit zum Müllsammeln entwickelt. Online: www.mygreentrip.com




Kommentieren


Schlagworte