Letztes Update am Sa, 14.07.2018 11:55

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland für Angeber

Sitten und Bräuche: In Russland werden Traditionen gepflegt

In Russland gehören Riten und Bräuche seit jeher zum Alltagsleben dazu. Die russische Kultur ist ein bunter Mix aus kirchlichen, völkischen und heidnischen Gebräuchen.

© AFP(Symbolfoto)



Moskau — In Russland werden seit jeher alte Bräuche und Riten gepflegt. Religiöse Feste in Russland sind zum Beispiel Koljada (Theophanie), Pasha (Osterfeiertage) oder orthodoxe Hochzeits- und Taufzeremonien. Bräuche sind dagegen eher weltlich und etwas weiter verbreitet, wie die traditionelle Banja (russische Sauna) oder das Feiern von Altneujahr und Neujahr. Ein Überblick:

(Symbolfoto)
- istock

Taufe: Der wohl größte Unterschied zu unseren westlichen Taufe ist, dass die Eltern des Täuflings in Russland nicht an der Zeremonie teilnehmen. Vielmehr sind es die Paten, die an diesem Tag mit dem Täufling im Mittelpunkt stehen. Die Taufe (Kreschtschenije) ist der wohl älteste christliche Ritus in Russland, der sowohl bei der orthodoxen Kirche als auch bei der katholischen Kirche im Kreis der Familie zelebriert wird. Am Ende wird dem Täufling das Taufhemd oder Taufkleid angezogen. An der Feierlichkeit nehmen in der Regel enge Familienmitglieder und Freunde teil. Alle machen an diesem Tag dem Täufling Geschenke, davon die Paten traditionell die teuersten.

Hochzeit: Früher wurden Hochzeiten in Russland traditionell im Herbst oder Winter gefeiert, meistens in der Zeit zwischen Weihnachten und der Fastnachtswoche (Maslennitsa). Heute heiraten junge Russen lieber im Frühjahr, am Ende des Sommers oder im Herbst. Nach der Tradition kauft der Bräutigam die Eheringe, das Brautkleid und die Schuhe für seine Braut , während die Familie der Braut das Brautpaar mit der Pridanoje (Mitgift) ausstattet. Kommt das frisch gebackene Ehepaar nach Haus, wird es in der Regel von der Mutter des Bräutigams mit Brot und Salz empfangen. Beide brechen dann ein Stück ab und verspeisen es vor den Augen der Gäste. Wer das größte Stück hat soll demnach auch der Chef in der Familie sein. Brot und Salz wird traditionell auch Gästen bei Besuchen gereicht, es steht für Verbundenheit und Freundschaft. Eine moderne Hochzeit dauert in der Regel zwei bis drei Tage. Eine Scheidung ist in der Orthodoxie übrigens offiziell verboten.


Weihnachten: Weihnachten wird in Russland am 7. Januar gefeiert. Es wurde zur Zeit der Sowjetunion kaum bis gar nicht gefeiert, seit dem Zerfall der Sowjetunion erlebt Weihnachten in Russland aber ein Revival. Der Tradition nach kommt „Väterchen Frost" an Weihnachten und wird von seiner Enkelin „Snegurotschka" (Schneemädchen, Schneeflöckchen) begleitet. Er fährt in einem Schlitten durchs Land und bringt den Kindern Geschenke. Geschenke werden übrigens traditionellerweise an Weihnachten zwischen Paten und Patenkindern ausgetauscht. Kekse gibt es auch — allerdings werden diese nicht wie bei uns mit Weihnachten assoziiert. Die Russen backen einfach gerne, Kekse gibt es dort das ganze Jahr über.

(Symbolfoto)
- AFP

Altneujahr und Neujahr: Den Jahreswechsel feiern die Russen gleich zwei Mal. Begründet wird das dadurch, dass bis ins Jahr 2918 noch der julianische Kalender galt, der gegenüber dem westeuropäischen gregorianischen Kalender um 13 Tage nachgeht. So feiern die Russen also den 1. Jänner als Neujahr. Sie verbringen den Tag in der Regel mit der Familie, der Weihnachtsbaum bleibt noch stehen bis zum Altneujahr am 13. Jänner. Bei dieser Feier werden Freunde und Verwandte eingeladen und die Feiern sind ausgelassener und lockerer als zu Silvester.


Ostern: Ostern ist eines der wichtigsten Feierlichkeiten in Russland, viele sagen dazu auch „Fest der Feste". Ostern mit verschiedenen Riten und Bräuchen gefeiert: Nachtwachen, Prozessionen rund um die Kirchen, Christosowanije, oder dem Färben von Eiern und dem Backen von runden Broten (Kulitsch). Besonders üblich ist es, anderen zu diesem Fest zu gratulieren. Dieses „Christosowanije" besteht aus einem Kusswechsel mit der Begrüßungs- und Gratulationsformel „Christos woskres!" („Christi ist auferstanden!") und der Antwort „Woistinu woskres!" („Wahrhaftig auferstanden!") und einem Austausch von (rot) gefärbten Eiern.

(Symbolfoto)
- iStock

Banja: Früher war die Banja (Russische Sauna, Dampfbad) das wichtigste Bedürfnis im häuslichen Leben. Die Russen gingen regelmäßig dorthin. Heutzutage ist die Banja eher zur Freizeitaktivität oder zum Fitnesstrend geworden. Viele Russen gehen immer regelmäßig dorthin, nicht selten wird die Banja als Gelegenheit genutzt, sich dort mit Freunden oder Geschäftspartnern auszutauschen. Zu der russischen Banja gehören Dampf, ein Bündel aus Birken- oder Eichenzweigen sowie Kräutertee oder Bier. In der russischen Sauna gelten außerdem bestimmte Verhaltensweisen, dazu zählt, dass man nicht laut spricht oder flucht.