Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.07.2018


TT-Ombudsmann

Individualreisen: Die Reise ins Ungewisse

Selbst organisierte Individualreisen sind nach wie vor im Trend, gebucht wird meistens übers Internet. Dabei ließe sich durch Pauschalangebote viel Ärger vermeiden, warnt die AK.

© iStockphotoWer Reisen online bucht, sollte sich auch erkundigen, welche Ansprüche er bei Schwierigkeiten wie Flugverspätungen hat.Foto: iStock



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Der Flug in der letzten Minute, das noch schnell gebuchte Hotel, in dem die Zimmer gerade so günstig sind: Wer seinen Urlaub erst kurzfristig buchen will oder die Frist für die billigeren Frühbucher-Preise versäumt hat, macht sich jetzt noch – meistens auf Reiseportalen im Internet – kurzfristig auf die Suche nach einem Schnäppchen. Und manchmal lohnt sich das auch. Doch die Arbeiterkammer warnt Urlauber davor, nur auf die Preise zu achten – vor allem bei Buchungen mehrerer Leistungen, wie Flug, Mietauto und Unterkunft.

„In diesem Fall ist es viel wichtiger, nach Pauschalreiseangeboten zu suchen“, sagt Christian Schuster-Wolf von der Rechts- und Konsumentenpolitischen Abteilung bei der AK Tirol. Denn falls es Probleme gibt, ist man dann am besten abgesichert. Pauschalreisende erhalten etwa umfangreiche Informationen des Reiseunternehmers, vollständigen Insolvenzschutz und Schadenersatzansprüche für entgangene Urlaubsfreude, wenn etwa durch eine Baustelle im Hotel der Erholungseffekt wegfällt.

Wie sich in der täglichen Konsumentenberatung zeigt, können Schwierigkeiten bei einzeln gebuchten Reiseleistungen mit verschiedenen Unternehmen sehr teuer werden, etwa wenn ein Flug Verspätung hat und dadurch der Anschlussflug versäumt wird. „Gibt es getrennte Beförderungsverträge, hat man leider Pech gehabt“, sagt der Rechtsexperte. Wenn wie in diesem Fall das zweite Flugticket verfällt, muss der unterwegs gestrandete Reisende selbst für die dadurch entstehenden Kosten aufkommen und für die Weiterreise noch einmal bezahlen – im schlimmsten Fall für einen kurzfristig gebuchten Flug oder die Storno­kosten fürs Hotel sogar sehr viel mehr. „Da geht es oft um Tausende Euro!“ Die Airline des verspäteten Flugs kommt grundsätzlich nicht dafür auf.

Anders und einfacher ist der Fall bei einheitlichen Flugbuchungen, bei denen der Unternehmer laut Vertrag für alles haftet und an den man sich im Streitfall wenden kann. „Doch die Konsumenten achten leider oft nicht auf diese rechtlichen Unterschiede, auch weil sie sich häufig auf ganz andere Fragen rund um die Reiseplanung konzentrieren“, so Schuster-Wolf.

„Etwa die Hälfte der Probleme bei Onlinebuchungen resultieren alleine daraus, dass die Konsumenten nicht wissen, welche Art von Reise sie gebucht haben und welche rechtlichen Konsequenzen sich daraus ergeben.“ Wenn Konsumenten zur Beratung kommen, dann meistens im Zusammenhang mit der Durchsetzung von Ansprüchen, was bei Einzelbuchungen schwieriger ist als bei Pauschalreisen. Bei den anderen 50 Prozent geht es um Schwierigkeiten bei Umbuchungen, bei den Stornierungskosten und der Rückabwicklung.

Der Mythos, dass selbst organisierte, individuelle Buchungen billiger sind, hält sich hartnäckig, meint der Konsumentenschützer. Doch wenn einmal nicht alles wie geplant läuft – und Verspätungen gibt es häufig –, zeigen sich die Nachteile. Außerdem können Pauschalreisende Ansprüche mit dem Mindestschutz nach dem österreichischen Recht an einem österreichischen Gericht geltend machen, während individuell Buchende sonst zum Beispiel in Deutschland gegen die Airline, in Italien gegen das Hotel und in England gegen den Mietwagenbetreiber vorgehen müssen. Ansprüche sind viel umständlicher und schwerer durchzusetzen, das sei den wenigsten bewusst.

Durch das neue, am 1. Juli in Kraft getretene Pauschalreisegesetz werden Buchungen im Internet transparenter und gibt es von Seiten der Veranstalter mehr Informationspflichten als früher. Dazu wurde – neben Pauschalreisen und individuellen Buchungen – eine weitere Kategorie eingeführt, die „verbundene Reiseleistung“. Sie ist ebenfalls eine Kombination von mindestens zwei verschiedenen Leistungen für dieselbe Reise. Der Unterschied zur Pauschalreisebuchung besteht darin, dass mehrere Verträge mit verschiedenen Leistungserbringern und getrennter Zahlung abgeschlossen werden. Veranstalter und Vermittler haben umfangreiche Informationspflichten, außerdem gibt es im Unterschied zu einzeln gebuchten Flügen Insolvenzschutz.

Wer übrigens im Internet auf Bestpreisgarantien stößt, sollte sich immer auch die entsprechenden Konditionen und berücksichtigten Parameter ansehen. Sie sind im Kleingedruckten zu finden. Weil verschiedene Reiseportale auf unterschiedliche Daten zurückgreifen können, und weil die Leistungen oft unterschiedlich sind – Pauschalreise oder Einzelverträge –, ist es schwierig, Preisvergleiche zu machen.

Mehr dazu: Auf der Homepage der Arbeiterkammer finden sich unter den Stichwörtern Konsumentenschutz und Reisen 10 Urlaubstipps der Arbeiterkammer und eine Broschüre „Tipps für einen unbeschwerten Urlaub“ mit den wichtigsten Basis­informationen zu Reisen.

Der TT-Ombudsmann: Profis können es besser

Von Hansjörg Jäger

Surfen im Internet lässt uns vom Alltag in die Traumwelt des Urlaubs entfliehen. Ist der Appetit auf das Reiseziel erst geweckt, so steigern die Online-Angebote und Informationen die Vorfreude und schließlich siegt das Fernweh über die leisen Bedenken wirtschaftlicher Vernunft. Als erfahrene Schnäppchenjäger fühlen wir uns durchaus in der Lage, selbst das beste Angebot auszuwählen und zu buchen.

Glücklich, wer nicht später hart auf dem Boden der Wirklichkeit landet. Es sollte zu denken geben, dass die Hälfte aller Beschwerden über Unbill auf Reisen und im Urlaub, bei der AK Tirol sind es immerhin mehrere hundert im Jahr, Probleme mit Online-Buchungen betrifft.

So erweist sich einmal mehr, dass die Profis vom Reisebüro durch ihre Ausbildung, Erfahrung und Organisation eher der Garant für klaglose Reisen sind als der noch so ambitionierte Heimwerker. Dazu kommt noch der umfassende Schutz bei Pauschalreisen. Je komplizierter, anspruchsvoller und kostspieliger eine Reise ist, desto eher empfiehlt es sich, im Reisebüro zu buchen. Für die Beschaffung zusätzlicher und nützlicher Informationen leistet das Internet immer noch gute Dienste.