Letztes Update am Fr, 17.08.2018 15:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reisen

100 Tramper liefern sich Rennen quer durch Europa

Seit 2008 findet alljährlich im August das Tramperrennen statt, bei dem etwa 100 Teilnehmer per Anhalter durch Europa reisen.

© iStockBeim Tramperrennen geht es dem Teilnehmern weniger um das Gewinnen, sondern mehr darum die eigenen Grenzen zu überwinden.



Erfurt, Graz, Zürich — Daumen hoch und los: Etwa 100 Teilnehmer reisen in diesem Jahr per Anhalter um die Wette. Gestartet wird am Samstag in Erfurt, Graz oder Zürich, das Ziel ist ein Bergsee nahe Sarajevo in Bosnien.

Dabei bekommen die Teams, die meistens aus einem Mann und einer Frau bestehen, Routen zugelost und müssen diese innerhalb von zwei Wochen und in sechs Etappen zum Ziel trampen. Die Teilnehmer werden spätestens am 31. August alle eintreffen und dann findet die Siegerehrung an einem Bergsee 60 Kilometer südwestlich von Sarajevo statt.

Das Gewinnen steht dabei aber eher weniger im Vordergrund, denn das rennen hat einen sozialen Grund. „Es geht vielen darum, eigene Grenzen zu überwinden", sagte Mitorganisator Felix Kösters. Es sei aber auch Urlaub. „Beim Trampen lernt man dann eher Einheimische kennen, und man erfährt, was die Menschen in dem jeweiligen Land bewegt."

Spendengeld geht heuer an Sea-Watch

Außerdem ist vielen Teilnehmer das mit dem Rennen verbundene Engagement wichtig. Denn die Teams suchen sich selber Sponsoren und mit dem Spendengeld werden soziale Projekte unterstützt. Dieses Jahr gehen die Mittel an den zivilen Seenotrettungsverein Sea-Watch, der sich für die Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer einsetzt.

Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Ländern. „Leute aus Rumänien und England sind mit dabei, es gingen aber auch schon Kolumbianer und Kanadier an den Start — es ist immer eine bunte Mischung", meinte Kösters. Auch Tramper aus Österreich sind heuer dabei.

„Wird als gefährlicher wahrgenommen, als es ist"

In den 10 Jahren in denen das Tramperrennen schon stattfindet, ist noch keinem Teilnehmer etwas passiert. Damit das auch so bleibt, lautet die oberste Regel: „Kümmere dich um deine Sicherheit und die deiner Teampartner!" Wichtig ist, nie bei jemandem in einem Auto mitzufahren, der einem merkwürdig vorkommt. Und natürlich immer als Team zusammenzubleiben. „Trampen wird als viel gefährlicher wahrgenommen, als es tatsächlich ist, aber das Gefährliche daran ist schlichtweg, mit einem Auto zu fahren", ist Kösters überzeugt, der selber oft per Anhalter unterwegs ist. Ein Unfall sei viel wahrscheinlicher, als dass es tatsächlich zu einem Übergriff komme. „Wir sagen unseren Teilnehmern aber auch: Hört auf euer Bauchgefühl, wenn ihr ein schlechtes Gefühl bei einem Fahrer habt, dann lehnt ruhig auch ab."

Wichtig ist auch, dass das gesamte Rennen auf Ehrlichkeit und Vertrauen basiert, Fair-Play ist eine große Komponente des Rennens. Beispielsweise gebietet es die Etikette, dass beim Aufeinandertreffen mit einem anderen Team an einem Trampspot, das bereits wartende Team die Fahrer zuerst ansprechen darf.

Dass Trampen nicht ganz aus der Zeit gefallen ist, zeigen zudem Online-Netzwerke. So können sich die Tramper organisieren und über gute Routen informieren. (tb, APA/dpa)

Mehr Informationen zu dem Tramperrennen gibt es hier.