Letztes Update am Fr, 24.08.2018 09:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Schottland

Die Kugel rollt im Mekka des Golfsports

Sattgrüne Wiesen, idyllische Dörfer, Regenbogen und Golfplätze: Schottland ist ein Eldorado für das „Schöne Spiel“. Kunst und Kulturliebhaber kommen im Sommer beim „Edinburgh Festival Fringe“ auf ihre Kosten.

© Christine FröschlDas Clubhaus "Royal and Ancient Golf Club" thront am Old Course in St. Andrews.



Von Christine Fröschl

Der erste Weg der meis­ten Golfer führt nach St. Andrew. In der ältes­ten Universitätsstadt Schottlands schlängeln sich vier Plätze auf wogender Dünenlandschaft entlang der Nordsee. Vor allem der Old Course ist einen Besuch wert. Dieser Platz zählt mit 600 Jahren zu den ältesten der Welt. Das über 250 Jahre alte Clubhaus „Royal and Ancient Golf Club“ thront direkt am Platz.

Während das alte Clubhaus nur Mitgliedern offen steht, sind im neuen alle willkommen. Auch das „Himalaya-Grün“ steht Golfern und Nichtgolfern zur Verfügung. Auf diesem welligen Grün probieren sie ihre Künste im „kurzen Spiel“. Zuschauer spazieren über die Brücke am 18. Fairway des Old Course, lassen sich fotografieren oder machen Selfies. Sonntags wird nicht gegolft. Da ist der berühmte Platz traditionellerweise für Spaziergänger reserviert.

Der Sonntag eignet sich dafür für Ausflüge ins Hochland. Neben der malerischen Landschaft laden Whiskybrennereien, schmucke Dörfer sowie Burgen und Schlösser zum Schauen und Staunen ein. Zum Beispiel Glamis Castle. Dort verbrachte „Queen Mum“, Eliza­beth Bowes-Lyon, ihre Kindheit. Zu den Außenanlagen des imposanten Schlosses zählen Blumengärten genauso wie ausgedehnte Parks mit seltenen Baumarten. Von ihnen sind viele einige hundert Jahre alt.

Auf dem Weg zur Whiskybrennerei Glenturret bei Crieff regnet es. Nach dem Schauer bricht die Sonne durch die Wolken und lässt wie ein goldener Scheinwerfer Felder, Häuser und Kirchen erstrahlen. Die Brennerei soll die älteste noch produzierende Destillerie Schottlands sein. Bereits 1717 soll illegal Whisky gebrannt worden sein. Die heutige Single-Malt-Destillerie stammt aus dem Jahre 1775. Glenturret ist auch bekannt wegen des Katers Towser. Dieser jagte jahrelang die Mäuse in den Produktionsräumen und Lagern der Brennerei. Angeblich erbeutete er 28.899 Nager. Towser schaffte damit den Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde.

Ein malerischer Blick von Castle Course auf die alte Stadt St. Andrews.
- Christine Fröschl

Zurück aufs Grün: Wer im Sommer golfen möchte, sollte vor der Abreise Startzeiten reservieren. Vor allem der Old Course ist ausgebucht. Der Starter sagt: „Es fallen immer wieder Gäste aus. Wer ihre Abschlagzeit bekommt, entscheidet das Los.“ Also Namen aufschreiben, Samstag ist Ziehtag.

Glück gehabt, es wird eine Abschlagzeit zu je 170 Pfund für Montag ergattert. Zwei Amerikaner – Mutter mit Sohn – golfen mit den Österreichern. Am Abschlag sagt der Sohn zum Starter: „Ich bin nervös.“ Dieser antwortet: „Machen Sie sich nichts daraus. Hier haben schon so viele berühmte Leute abgeschlagen. Also atmen Sie tief durch und denken Sie sich nichts dabei!“ Er lächelt. Die Anspannung wird kaum weniger. Die Flightpartnerin hat einen Caddy gebucht. Er trägt die Golftasche und gibt Tipps zum Spielen. Auf dem Old Course stellen mannshohe Bunker das Können auf die Probe. Von den Abschlägen sind sie oft nicht einzusehen. Da hilft nur der Caddy. Generell sagt er: Auf den ersten sieben Bahnen vom Abschlag eher links bleiben – rechts gibt es Gefahren. Da sind Bunker und dornige Büsche. Zum Schluss sind alle beeindruckt: „Ein wirklich schöner Platz, auf dem man gespielt haben sollte.“ In und um St. Andrews befinden sich viele weitere Golfplätze. Der Jubilee Course wurde zum Beispiel 1897 als Frauen-Golfplatz gebaut. Über 550 Plätze, darunter Meisterschaftsplätze wie Kingsbarns Golf Links und versteckte Kleinode wie zum Beispiel Lundin Links Golf Club, gibt es.

Die Gegend hat mehr zu bieten. Für Kunst- und Kulturinteressierte lohnt sich eine Fahrt in Schottlands Hauptstadt Edinburgh.

Jedes Jahr im August findet hier das „Edinburgh Festival Fringe“ statt. Dieses Festival ist fast ausschließlich auf die darstellenden Künste wie Theater und Komödie ausgerichtet. Die Bandbreite reicht von Shakespeare bis zu Experimentellem. Zudem begeistern Kunstformen wie Tanz, Zirkus, Musik, Musicals und Opern das Publikum. Unkonventionelle Inszenierungen haben auf dem „Fringe“ gute Karten. „Jeder, der etwas vorführen möchte, kann bei uns auftreten. Wir sind für alles offen. Zudem gibt es keine Jury, die eine Vorauswahl trifft“, heißt es von Seiten der Organisatoren.

Auf der Hauptstraße, der Royal Mile, ist am meisten los. Weitere Schauplätze sind Theater, Garagen und Kirchen. Manche Artisten bitten ihr Publikum um Mithilfe bei ihrem Auftritt. Kinder machen das sehr gerne. Sie werfen zum Beispiel Kegel und Messer zu, während die Artisten auf dem Einrad fahren, auf einem Seil oder auf Stelzen balancieren. Nach der Vorstellung sammeln die Kinder die freiwilligen Spenden des Publikums ein.

So wie die Artisten lassen sich auch die Schauspieler und Kabarettisten etwas einfallen, um aufzufallen. „Blablablablabla. Take that. Blablabla“, sagt ein Mann. Er drückt den Besuchern einen Programmzettel in die Hand. Erstaunt nehmen diese den Zettel und schmunzeln über den originellen Einfall.

Das Edinburgh Castle hat man fast immer gut im Blick. 

- Christine Fröschl

Theatergruppen zeigen kurze Stücke. Schnell sind sie von Schaulustigen umringt. Eine Mutter steht mit ihrem Baby an einer Ecke und verteilt Programmzettel. Sie er-zählt: „Wir kommen aus Deutschland und sind eine Woche hier. Jeden Abend spielen wir unser Stück.“ Um den Saal in einem der Theater benützen zu dürfen, bezahlt die Gruppe rund 1000 Pfund. Ab einer bestimmten Besuchermenge erhält die Truppe die Eintrittspreise. „Wenn wir Glück haben, bekommen wir einen Teil unseres Aufwandes zurück“, sagt sie. Viel wichtiger sei ihr aber, dass internationale Agenten auf ihre Gruppe aufmerksam werden und sie engagieren.

Abends treten die Künstler in Theatern, Bars und Pubs auf. Jugendliche unter 18 Jahren dürfen ab 20 Uhr diese nicht mehr betreten. Auch wenn sie mit ihren Eltern unterwegs sind, wird ihnen der Eintritt freundlich verwehrt. Für sie gibt es abends in den romantischen Gassen und Plätzen einiges zu sehen und zu hören. Besucher und Künstler unterhalten sich, wandern von Auftrittsort zu Auftrittsort. In dieser Atmosphäre erzählen ein Schauspieler und sein Regisseur begeistert: „Wir haben heute Abend ein Engagement in New York fixiert!“

Zurück in St. Andrews laden die vielen gemütlichen Pubs zum Ras­ten, Essen und Trinken ein. Natürlich darf da ein frisch gezapftes Guinness nicht fehlen. Die besten Burger in Town werden angeblich im Ziggy’s (6 Murray Place) serviert. Hier könnten auch der britische Prinz William und seine Frau Kate einen Burger gegessen haben. Beide haben an der Eliteuniversität in St. Andrews studiert. Zudem könnten die beiden im „Royal and Ancient Golf Club“ ihre Golfschläger geschwungen haben. In diesem Club sitzt übrigens die oberste Behörde für internationale Golfregeln.

Während St. Andrews im Sommer vor allem den Touristen vorbehalten ist, wird die Stadt in den übrigen Jahreszeiten von Studenten aus aller Welt bevölkert. Sie golfen das ganze Jahr. Der milde Golfstrom macht es vor allem an der Ostküste Schottlands möglich. Das Klima ist windig und frisch. Eine begeisterte Schottin meint: „Im Winter ist der Old Course um vieles leichter, weil das Gras überall kurz ist.“

Informationen Schottland

Edinburgh Festival Fringe: 3. bis 27.8.2018; www.edfringe.com

Reisezeit für St. Andrews: September bis Juni – weniger Touristen als im Sommer. Das Wetter ist relativ mild. Die Plätze sind das ganze Jahr bespielbar.




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