Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.10.2018


Reise

Nicht hoch, dafür höchst aussichtsreich

Von Obsteig aus ging’s diese Woche mit dem Mountainbike hinauf zur Simmering Alm und von dort zu Fuß weiter auf den Simmering. Ein einfaches Tourenziel, mit grandiosem Fernblick.

© flexVom Gipfelkreuz des Simmering hat man unter anderem einen schönen Blick in Richtung Grünsteinscharte und Marienbergjoch.



Obsteig – Es gibt wesentlich höhere Berge in Tirol als den knapp über 2000 Meter hohen Simmering über Obsteig, der das Mieminger Plateau gegen das Inntal hin begrenzt. Als Aussichtsgipfel aber kann er mit jedem Dreitausender locker mithalten. Von seiner sanften, völlig freistehenden Kuppe, auf der auch das Gipfelkreuz steht, bietet sich nämlich ein Rundumblick, der besser nicht sein könnte. Nach Norden hin etwa richtet sich der Blick auf die schroffen und steilen Felsabbrüche der Mieminger Kette, im Süden öffnet sich ein atemberaubendes Panorama auf Teile der Stubaier und Ötztaler Alpen. Ganz abgesehen vom Tiefblick ins Inntal und auf das Mieminger Plateau.

Der Simmering ist, ohne Zweifel, ein Aussichtsberg, wie er im Bilderbuch steht. Und dabei nicht einmal schwierig zu erreichen bzw. zu erklimmen. Deshalb ging’s zuletzt bei herrlichem Herbstwetter hinauf auf den Simmering, von Obsteig aus. Zuerst mit dem Bike bis zur Simmering Alm, später zu Fuß weiter bis zum Gipfel.

Hinauf geht es zuerst mit dem Rad bis zur Simmering Alm.
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Und so kommt man hin: Das Auto parken wir beim kostenfreien Parkplatz Grünberglift in Obsteig und folgen dem Forstweg mit den Bikes 200 Meter in Richtung Westen – bis zu den gelben Hinweisschildern – und biegen dort scharf links auf die Mountainbikestrecke Nr. 629 ab. Zu Beginn leichten Trittes, wird es bald steiler. Die Steilheit ist aber kein Problem, denn der Weg ist wirklich in einem ausgezeichneten Zustand. In einigen Kehren und unterhalb der Hochspannungsleitung bringen wir diesen Teil hinter uns und radeln bald, fast wieder flach, nach Süden weiter. Bis zum so genannten „Zwischensimmering“.

Am „Zwischensimmering“ teilt sich der Weg. Während die Route 628 geradeaus in Richtung Grünberg führt, geht’s für uns nach rechts (Nr. 629) hinauf in Richtung Simmering Alm. Ziemlich steil und in Serpentinen. Leider ist der Weg ab der Weggabelung nicht mehr ganz so gut wie im unteren Teil und verlangt einiges an Kondition. Schieben müssen wir zwar nie, ins Schwitzen geraten wir aber kräftig.

Der Wald lichtet sich und wir erreichen das Almengelände der Simmering Alm. Noch eine letzte Kehre und 250 Meter geradeaus – wir haben es nach 800 Höhenmetern am Bike geschafft. Ein wirklich schmuckes Plätzchen und der Ausblick – einfach grandios. Die Alm wird von Familie Aschbacher aus Niederthai bewirtschaftet. Bereits den dritten Sommer ist Wirtin Maria, die man als „Lilly“ kennt, mit Gatte Günter und den beiden Söhnen auf der Simmering Alm.

Neben dem Gastronomiebetrieb muss sich Familie Aschbacher in den Sommermonaten um fast 300 Stück Weidevieh auf der Alm kümmern. Einige Kühe werden gemolken und aus der Milch werden unter anderem Graukäse und Butter hergestellt.

Unschwierig ist der Aufstieg zum Simmering dann zu Fuß, Im Hintergrund ist auch die Hohe Munde zu sehen.
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Zurück zur Tour auf den Simmering: Bevor wir bei „Lilly“ einkehren, wollen wir hinauf auf den Simmering (zusätzlich ca. 250 Höhenmeter). Direkt bei der Hütte führt der Steig in südwestlicher Richtung hinauf zum Gipfelkreuz. Über sanftes Almengelände und absolut unschwierig, wandern wir zum höchsten Punkt, zum Gipfelkreuz des Simmerings, welches eingebettet in einem Latschenfeld zu finden ist. Einfach nur schön. Und Punkt. Mehr gibt es nicht zu erzählen. Am besten ist, man macht sich selbst ein Bild.

Noch ist unsere Wanderung aber nicht zu Ende. Wir steigen vom Gipfelkreuz des Simmerings ein Stückchen ab, gehen auf den Almenwiesen querfeldein in Richtung Norden, kommen zu einem kleinen See und wandern in ein paar Schritten von dort vor bis zum Wetterkreuz. Ebenfalls ein herrlicher Aussichtspunkt, der nur etwa 20 Minuten vom Simmering und von der Simmering Alm entfernt ist.

Eine weitere Attraktion hat das Gebiet am Simmering noch zu bieten. Und zwar das Simmering Horn. Eine Aussichtsplattform, auf der man vor allem den Tiefblick in Richtung Mieminger Plateau und auf die Mieminger Kette genießen kann. Diese Aussichtsplattform erreicht man von „Lillys Alm“ nach einer Gehzeit von 25 Minuten und sie ist auch mit Kindern ein lohnenswertes Ziel.

Vom Gipfelkreuz des Simmering hat man unter anderem einen schönen Blick in Richtung Grünsteinscharte und Marienbergjoch (links oben). Hinauf geht es zuerst mit dem Rad bis zur Simmering Alm (links unten). Unschwierig ist der Aufstieg zum Simmering dann zu Fuß, im Hintergrund ist auch die Hohe Munde zu sehen (rechts). Fotos: flex
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Jetzt ist’s aber genug gewandert. Wir kehren ein. Was sagt die Speisekarte? Kiachl mit Kraut, das gibt es eher selten, also entscheiden wir uns dafür. Gestärkt und mit vollem Magen verabschieden wir uns heute von der Simmering Alm und bei Familie Aschbacher und wechseln wieder auf unser Mountainbike. Über die Kehren geht’s zunächst hinunter bis zum Zwischensimmering und weiter zurück bis zum Parkplatz. Ident also, wie wir hinauf zur Alm sind.

Übrigens, die Simmering Alm ist noch bis Ende Oktober geöffnet. Montag ist Ruhetag. Und wenn sich auch im November der Herbst von seiner goldenen Seite zeigen sollte, ist bei schönem Wetter an den Wochenenden geöffnet (Info: Telefon: 0664/23 057 45).

Wer es mit dem Bike oder zu Fuß nicht mehr in Richtung Simmering schaffen sollte, im Winter lässt es sich herrlich rodeln und auch mit Tourenskiern ist der Simmering bei heiklen Bedingungen eine mögliche Alternative. (flex)