Letztes Update am So, 28.10.2018 07:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Norwegen

Nordlicht-Spektakel im dicken Thermoanzug

Magische Lichtschleier und grünes Leuchten verzaubern die Besucher: Die Jagd aufs Nordlicht ist derzeit wieder angesagt – besonders in Tromsö in Nordnorwegen.

© iStockÜber Tromsö erstrahlt das Nordlicht.



Die Leuchtziffern der Außentemperatur-Anzeige vorne im Bus ändern sich schnell: minus 12 Grad, minus 15, minus 18. Der Reisebus mit den Nordlichtjägern kurvt durch die nächtliche Einsamkeit der schneebedeckten Berge rund um Tromsö. Je weiter sich die Gruppe von der norwegischen Hafenstadt entfernt, umso kühler wird es – und dunkler. Das ist genau so gewünscht. Ohne künstliches Licht steigen die Chancen, die magischen Schleier, Flecken und Girlanden des Polarlichts zu sehen.

Das Naturereignis ist eine Art Gruß der Sonne, der auf der Erde in den kalten Polarregionen seine schönsten Formen zeigt. Die Sonne strahlt nämlich nicht nur Wärme und Licht ab, sondern auch Plasma. Die elektrisch geladenen Teilchen erreichen in der Regel nach mehreren Tagen als Sonnenwind die Erde. Dort wird die Masse der Teilchen vom Magnetfeld abgelenkt und zu den Polen umgeleitet.

Über den Polen kann der Strom besser in unsere Atmosphäre eindringen. Dann stoßen die Teilchen auf Sauerstoff- und Stickstoff­atome. Diese werden aufgeladen und geben die Energie wieder ab. In Form von Licht. Die Farbe des Nordlichts – Grün, Rot, Violett-Blau – hängt stark von der Art der betroffenen Atome ab.

Wartezeit muss man einplanen

Die Gruppe im Reisebus fährt zu einer einsamen Hütte. Dort gibt es heiße Getränke, ein Feuer zum Wärmen und für alle, die leicht frieren, dicke Thermoanzüge. Das Warten auf das Lichtspektakel kann viele Stunden dauern. An diesem Tag werden die Teilnehmer kurz vor Mitternacht belohnt: Der Himmel über den Bergkuppen beginnt zu glühen, aus grünen Bändern scheinen feine Fäden zu Boden zu rieseln. Reisende sollten aber nicht planlos auf die Nordlicht-Jagd gehen – hier die wichtigsten Fragen:

Was ist der Unterschied zwischen Nordlicht und Polarlicht?

Polarlicht ist der Oberbegriff. Auf der Nordhalbkugel heißt das Phänomen Nordlicht – oder im Fachbegriff: Aurora borealis. Auf der Südhalbkugel spricht man von Südlicht. Das Fachwort lautet Aurora australis. Der Begriff Polarlicht zeigt, dass die Naturerscheinung typisch für die Polargebiete ist. Bei großen Sonnenstürmen erscheint das Lichtspiel ausnahmsweise auch über Mitteleuropa.

Wo kann ich das Nordlicht in Europa regelmäßig erleben?

Wenn die Sonnenwinde günstig stehen, lassen sich die pulsierenden Nordlichter in arktischen Regionen sehr gut sehen. Das Phänomen läuft zwar auch tagsüber ab, geht dann aber meist in der Lichtflut unter. Ausnahme ist Spitzbergen, dort kann man mitten im Winter sogar während der dunklen Tagesstunden auf Nordlichter hoffen.

Streit um die beste Lichtshow

Schweden, Island, Norwegen, Finnland: Diese Länder streiten darum, wer die beste Lichtshow bieten kann. Weil für viele Reisende auch eine gute Erreichbarkeit des Ortes wichtig ist, hat sich Tromsö in Nordnorwegen zu einer Art Polarlicht-Hauptstadt entwickelt.

Noch beeindruckender wird es in der Umgebung, wo kein künstliches Licht die Show beeinflusst.
- APA (dpa/gms/visitnorway.com)

„Angebot und Nachfrage sind in Tromsö in den vergangenen Jahren geradezu explodiert“, sagt Hilke von Hoerschelmann von Visit Norway. Die Hafenstadt nördlich des Polarkreises besitzt einen Flugplatz, viele oft neue Hotels aller Kategorien und ein enormes touris­tisches Angebot – vom Polarmuseum bis zur Eismeerkathedrale mit Mitternachtskonzerten.

Wann ist die beste Reisezeit?

Regelmäßig sichtbar sind die Nordlichter in den Wintermonaten. Im Sommerhalbjahr sind die Nächte zu hell. Für Tromsö raten viele Experten zu Reisen zwischen Ende Oktober bis in den März hinein. Aber auch vorher, spätestens ab der Tagundnachtgleiche im September, sowie von Ende März bis Mitte April kann das Lichtschauspiel sichtbar sein. Wobei für die Planung auch die Temperaturen eine Rolle spielen können: Im Spätsommer und Herbst ist es wärmer und die Landschaft noch grüner.

Wie sicher ist es, dass ich das Phänomen wirklich erlebe?

In der dunklen Jahreszeit ist die Wahrscheinlichkeit stets hoch, aber eine Garantie gibt es nicht. Wichtig ist das Wetter. Wenn der Himmel dicht verhangen ist, kann die Show oft ausfallen. Deshalb ist es sinnvoll, mindestens drei bis vier Tage vor Ort einzuplanen, um die Chancen zu erhöhen. In Tromsö selbst empfiehlt es sich, nachts mit der Seilbahn auf den Hausberg zu gondeln und dort auf das mystische Licht zu warten. Wer eine Tour an die Hotspots weit außerhalb spontan plant und nicht von zu Hause aus bucht, kann auf aktuelle Entwicklungen gut reagieren. Außerdem helfen Apps wie „My Aurora Forecast – Aurora Alerts Northern Lights“, „Norway Lights“ und „North­ern Lights Aurora Alerts“ bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts.

Und wenn es einmal düster bleibt?

Gourmets kommen in Tromsö ebenfalls auf ihre Kosten. Nordische Küche ist angesagt, sie kann modern im Restaurant „Smak“ mit Austern und etwas traditioneller im „Emmas“ mit Fischgratin gekos­tet werden. (APA, dpa)