Letztes Update am Do, 29.11.2018 09:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Galapagosinseln: Im Rausch der vielen, wilden Tiere

Auf der Südroute durch den Galapagos-Archipel treffen naturverbundene Reisende auf eine atemberaubend faszinierende Tierwelt. Auf Expeditionsfahrt mit dem zum Kreuzfahrer umgebauten Hospitalschiff „Helgoland“.

© iStockEin Pelikan fliegt vor der Küste San Cristobals, im Hintergrund der Fels León Dormido.



Von Franz Michael Rohm, SRT

Wie elegante Eintänzer schweben die großen schwarzen Fregattvögel vor dem tiefblauen Himmel über der Hafenmole von Puerto Baquerizo Moreno auf der südöstlichen Archipelinsel San Cristóbal. Mit weiten Schwüngen ziehen die Wasservögel mit dem markant geteilten Schwanz ihre Figuren und wetzen ihr Gefieder im grellen Äquatorlicht. Die meis­ten ankommenden Touristen haben noch gar keine Augen für sie. Sie sind damit beschäftigt, die putzigen Seelöwen zu fotografieren. Die ruhen sich entspannt auf Felsen aus, aber auch direkt auf der kleinen Mole. Andere Meeressäuger schießen mit anmutigen Bewegungen durch das flaschengrüne Wasser und jagen Fische.

„Olas Bobas“, sagt Vladimir Gonzales, „dumme Wellen“. Die langen, ein bis zwei Meter hohen Wellen sind Auswirkungen eines Sturms, Hunderte Seemeilen von der Galapagos-Insel entfernt. Vladimir ist Pangero, Fahrer der luftgefüllten Gummibeiboote, in denen bis zu 16 Personen Platz finden. Die nächsten fünf Tage wird er die Urlauber, immer schweigsam, immer die Hand am Gashebel des Außenbordmotors, mehr als ein Dutzendmal ein- und ausbooten. Von kleinen Stegen und traumhaften Stränden geht es meist zurück an die meterbreite Luke der „Galapagos Legend“, gefährlich dicht über der Wasserlinie.

Kapitän Gonzalo Cifuentes steuert die „Galapagos Legend“.
- Franz Michael Rohm

So heißt inzwischen die ehemalige Fähre „Helgoland“. Mehrere Jahre lag sie Ende der Sechzigerjahre als Hospitalschiff vor der südvietnamesischen Küste. Später wurde sie für Butterfahrten auf der Ostsee eingesetzt, vor drei Jahren dann zum luxuriösen Kreuzschiff für bis zu 100 Passagiere umgebaut.

Weltweit einzige Tauchechsen

An Bord trifft sich eine bunte Mischung naturverbundener amerikanischer Pensionisten, junger Studenten aus New York, Ecuadorianer und Europäer. Fünf Tage sind sie auf der Fotojagd nach den einzigartigen Tieren, die auf den Vulkaninseln seit Tausenden von Jahren leben, ohne von Menschen gestört zu werden. Bisweilen haben die Galapagos-Echsen so wenig Scheu, dass sie mitten auf den Wegen liegen bleiben und die fremden Besucher um sie herumgehen müssen.

Fotografisches Muss sind die einzigartig rot und grün gefärbten Wasserechsen auf der Galapagos­insel La Española. Sie liegen am Vormittag träge auf den dunkelbraunen Lavasteinen am Strand. Nur auf Galapagos hat sich diese Echsenspezies entwickelt. Nur auf La Española tragen sie die faszinierende Farbgebung zur Schau. Auf anderen Galapagosinseln sind sie schlicht schwarz. „Warum das so ist, wissen wir nicht genau“, sagt Führerin Cornelia Beamer. Was sie weiß, ist, dass die Echsen als einzige Reptilien bis zu 20 Minuten tauchen können, und dabei ihren Herzschlagrhythmus auf ein Viertel reduzieren, um weniger Sauerstoff zu verbrauchen. Mit ihren kleinen, dreizackigen Zähnen fressen sie Algen von Unterwasserfelsen. Wieder an Land, müssen sich die kaltblütigen Reptilien stundenlang vor dem nächs­ten Fressen aufwärmen. Das ist der Moment, in dem die Fotoapparate klicken.

Rund 97 Prozent der 8000 Quadratkilometer der 13 großen und mehr als hundert kleinen Inseln stehen unter striktem Naturschutz. Nur wenige hundert Meter gehen markierte Wege von den Anlegestellen der Pangas, der Gummiboote, auf einige Inseln. Die Guides achten streng darauf, dass die Naturtouristen diese Wege nicht verlassen und nicht näher als zwei Meter an die Tiere herankommen. Trotzdem stellen die steigenden Touristenzahlen ein Problem dar. „Einige Blaufuß-Tölpelkolonien haben ihre Plätze an den Touristenpfaden verlassen. Zu viel Stress“, berichtet Beamer.

Die Seelöwen machen es sich zwischen den Menschen gemütlich.
- iStock

Mit dem Alter immer blauer

Von den Meeresechsen geht es auf Española zu einem kleinen Strand, wo eine Seelöwen-Kita zu beobachten ist. Eine Horde junger Seelöwen tobt in einem natürlichen Bassin, bewacht von zwei Muttertieren. Die zwölfköpfige Touristengruppe trifft auf blauäugige Galapagos-Tauben, auf die weltweit einzige nachtjagende Möwe – und das nächste Highlight der Safari: die Blaufuß-Tölpel. Erst mit der Geschlechtsreife färben sich die Füße dieser sich an Land lustig bewegenden Tiere. Je älter sie werden, desto blauer. Sie brüten in Kolonien auf Klippen am Meer. Fliegen sie graziöse Runden in der Luft, sind ihre blauen Füße im Gefieder versteckt.

Jeden Morgen um 6.45 Uhr werden alle Reisenden per Lautsprecher geweckt, nach Frühstück und Tagesbesprechung beginnt das Ausbooten. Spätestens um halb zwölf müssen alle Gäste wieder an Bord sein, denn die Nationalparkbehörde gönnt den Tieren auf Galapagos zweieinhalb Stunden Touristensiesta. Ab halb drei wird wieder ausgebootet. In der Regel sind alle Passagiere gegen fünf, halb sechs Uhr nachmittags wieder an Bord. Länger als zwei Stunden lässt sich bei gutem Wetter die Äquatorhitze und stechende Sonne ohnehin kaum aushalten.

Schnorcheln zur Teufelskrone

Weiterer Höhepunkt des Programms ist ein Schnorchelausflug zu den Riffen der Corona del Diabolo, auf Deutsch Teufelskrone, neben der Insel Floreana. Riesige Schwärme tropischer Fische, eine kaum zu fassende Vielfalt an Meeresbewohnern, Seesterne in unbekannten Farben und Formen, Riffhaie und mit Glück eine Meeresschildkröte begeistern die Schnorchler.

Eine der berühmten Galapagos-Schildkröten.
- iStock

Das Naturprogramm geht nach dem Abendessen weiter. Nie gesehene, strahlende Sternenhimmel, das Beobachten fliegender Fische und jagender Seelöwen sowie der Besuch einer agilen Delfinschule stehen jetzt noch auf dem Programm.

Nach fünf schwankenden Tagen in Puerto Ayora, der größten Stadt des Archipels auf der zentral gelegenen Insel Santa Cruz, geht es wieder an Land. Bei einem Ausflug auf die Ranch „El Manzanillo“ treffen die „Galapagos Legend“-Urlauber auf die nur in Galapagos vorkommenden Riesenschildkröten, die in einem recht streng riechenden Tümpel ihr Morgenbad nehmen. Noch einmal begeistert die Nähe zu ursprünglichen, einzigartigen Tieren.

Ein Blick auf Puerto Ayora, der größten Stadt des Archipels.
- iStock

Rancher Hernán Guerrero Solis, seine Frau Rosie und Enkelin Camilla führen das Gewinnen von Zuckerrohrsaft und dessen Verarbeitung zu Melasse und Schnaps vor. Ihre Kaffeebohnen bauen sie selbst an und rösten sie. Abends spielen am Hafen zwei Teams vor Dutzenden Zuschauern bei tropischen Temperaturen Volleyball. Die Zivilisation hat die Urlauber wieder. Hoch oben kreisen die Fregattvögel und verschwinden im Abendlicht des Äquators.

Informationen zu den Galapagosinseln:

Lage: Das Archipel gehört zu Ecuador und liegt etwa 1000 km westlich der südamerikanischen Küste.

Beste Reisezeit: ganzjährig, Winter mit Regenschauern. Relativ wenig Wellengang von Dezember bis Mai. Kreuzfahrer sollten seefest sein. Die Ausflüge gehen teilweise über stark zerklüftetes Gelände.

Anreise: zum Beispiel mit Air Europa nach Quito oder Guayaquil. Von dort mit der Fluglinie Tame entweder nach San Cristobal oder Baltra.

Einreise: EU-Bürger benötigen einen Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Für die Galapagosinseln muss an den Abflughäfen Quito und Guayaquil eine Migrationskarte ausgefüllt werden. Sie gilt 30 Tage und kostet 20 US-Dollar. Bei Ankunft auf den Galapagosinseln wird eine Nationalparkgebühr von 100 US-Dollar pro Person in bar fällig.

Unterkünfte: Oro Verde, Guayaquil, DZ-ÜF ab 170 Euro, www.oroverdeguayaquil.com ; Hotel Cucuve Suites, Calle Charles Binford, Puerto Ayora, DZ inkl. Frühstück ab 190 Euro, www.cucuvesuites.com-galapagos.com ; Lava-House Hostal, Calle Roberto Schiess, Puerto Ayora, einfache, saubere Zimmer ab 80 Euro, www.lavahousehostal.com

Der Autor recherchierte mit Unterstützung von Galapagos Pro und Air Europa.




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