Letztes Update am Do, 17.01.2019 11:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reise

Bunte Selfie-Träume an Dubais Küsten

Höchste Häuser und teuerste Hotels. Das war Dubai bisher. Jetzt erfindet sich das arabische Emirat gerade neu und soll zum Magneten für Instagram-Jünger und Kunsttouristen werden.

Frisch gebaut: Blick auf das junge Strandviertel La Mer, im Hintergrund Dubais berühmte Skyline.

© Dubai TourismFrisch gebaut: Blick auf das junge Strandviertel La Mer, im Hintergrund Dubais berühmte Skyline.



Von Andrea Wieser

Es kracht laut in den Mixgeräten, wenn bei Keventers die Eiswürfel zerstückelt werden. Der Geruch von frischer Minze durchzieht den Raum, gleich ist der farbenfrohe Saft fertig. „There you go, Madame“, heißt es freundlich und die Smoothie-Flaschen werden über die Bar gereicht. Die indische Saftbar wäre bis vor Kurzem ein ungewohnter Anblick für Dubai gewesen. Vor zwei Jahren begann jedoch die Umgestaltung des Jumeirah-Beach, einem Strandviertel Dubais. In dieser kurzen Zeit entstanden bunte Badehütten und ein ganzes Shoppingdorf samt Laufstrecken und Stemmbänken. Kulinarisch spielt es hier jetzt alles, was das Herz begehrt.

Der tunesische Künstler El Seed hat sich in Dubai niedergelassen.
Der tunesische Künstler El Seed hat sich in Dubai niedergelassen.
- Andrea Wieser

Im Restaurant Masti werden Fusion-Gerichte mit Elementen aus der Molekularküche gemischt, bei Salt, einem schicken Food-Truck, gibt es Burger. Der Gipfel des urbanen internationalen Lifestyles sind unzählige Instagram-Wände, an die sich die meist jungen Gäste für ein Selfie lehnen können. Das Ganze gleicht einem Fotostudio, jederzeit bereit, seine Gäste in Szene zu setzen. Das Publikum hat seine Handys griffbereit, gerade lehnen sich zwei Bikini-Girls in die Linse. Es ist wirklich schwer, zu glauben, dass man hier im letzten Winkel des Nahen Osten ist.

Bisher war das reiche Wüsten-Emirat vor allem für seine Geschichten über millionenschwere Ölscheichs und legendäre Architektur-Ikonen bekannt. In der Ferne kann man den berühmtesten Turm der Welt, den Burj Khalifa, auch sehen. Derzeit ist der von US-Architekt Adrian Smith entworfene Turm der höchste der Welt. 828 Meter misst er. Wer glaubt, damit sei endgültig der Gipfel erreicht, der hat Dubai noch nicht verstanden. Zurzeit wird nämlich am Dubai Creek Tower von Architektur-Star Santiago Calatrava gebaut. Er soll bis zur Weltausstellung, der Expo 2020, fertig sein, die mit Dubai als Austragungsort das erste Mal in einem arabischen Land stattfinden wird. Projektierte Höhe des Turms: wenn alles gut geht, 1000 Meter. Näher war man dem Himmel, zumindest architektonisch gesehen, noch nie. Damit hätte sich dann Dubai wieder einmal selbst übertroffen.

Fruchtige Drinks werden in einer indischen Saftbar gemixt.
Fruchtige Drinks werden in einer indischen Saftbar gemixt.
- Andrea Wieser

Diese gewaltigen Dimensionen gehören zu dem Emirat wie das Kamel zur Wüste. Mit einem Konzept wie La Mer will man nun die jüngere, sicher wohlhabende, aber nicht ganz so reiche Zielgruppe ansprechen, und es funktioniert. In La Mer laufen Touristen um die 30 herum, die man als Hipster bezeichnet. Mit coolen Shorts und den dazupassenden Bärten. Interessant ist die Mischung, weil hier nicht nur der finanziell potente Westen zu Gast ist. Junge Familien aus der arabischen Welt mischen sich unters urbane Völkchen, gut zu erkennen an den traditionellen Gewändern. Die Kinderwägen der Babys und die Handys der Eltern sind jedoch international. Hier wachsen Welten zusammen, die eigentlich unvereinbar scheinen.

Der Burj Khalifa ist der höchste Turm der Welt.
Der Burj Khalifa ist der höchste Turm der Welt.
- Andrea Wieser

Aber auch jenseits der konsum­orientierten Strand-Szene hat sich etwas verändert. In einem Industrieviertel am Rande von Dubai ist aus einer ehemaligen Marmorfabrik das Kunstviertel Alserkal Avenue entstanden. Dort, wo früher Steine geklopft und geschliffen wurden, sind jetzt Galerien, ein Kino und mehrere Concept Stores und Cafés untergerbacht. „Alserkal Avenue ist ein besonderer Platz. Es ist gelungen, hier eine Kunstcommunity zu etablieren“, sagt Pressesprecherin Rania Habib stolz. Sie führt ihre Gäste durch das Viertel und öffnet bei El Seed die Türe. Den französisch-tunesischen Künstler freut es. „Ich bin gerne hier“, meint er, lässig an eine Säule gelehnt. Zwei Freunde sind mit dabei, sie sprechen Französisch. El Seed macht „Calligraffiti“, eine Mixtur aus arabischer Kalligrafie und westlichen Graffiti-Elementen und ins­zeniert sie im öffentlichen Raum, wie in Kairo, wo er 50 Häuser mit Friedensbotschaften bemalte.

Architekturtouristen finden aber auch hier in der Industriezone ein Juwel. Ein wenig versteckt hat das Büro OMA des niederländischen Architekten Rem Kohlhaas einen seiner schwarzen Würfel gesetzt. Gigantische acht Meter hohe Türen gewähren Einblick ins Innere des als Veranstaltungsraum genutzten Baus. Wo, wenn nicht hier in Dubai, ist so viel Geld da, um für ein zehn Jahre junges Kunstviertel einen internationalen Architektur-Star zu engagieren. Nicht zuletzt wurde das durch den Gründer Abdelmonem bin Eisa Alserkal ermöglicht. Der Unternehmer ist Mitglied einer einflussreichen Dubaier Familie, die mit Immobilien ihr Geld gemacht hat. Er will Dubai zum Marktplatz für zeitgenössische Kunst im Nahen Osten machen.

Aber zurück ins Zentrum, ins alte Dubai, wo sich die Menschen im Gewürz- und Gold-Souk aneinanderdrängeln. Wo gefeilscht und gehandelt wird, wo vor jedem Geschäft Verkäufer auf potenzielle Kunden warten, sie anlocken wollen. Mittendrin in einer Auslage liegt der „Star of Tiaba“. Es ist der schwerste Goldring der Welt. Das kann man im Guinness-Buch nachlesen. Er wiegt 63.856 Kilogramm und lässt sich in seiner Auslage von Touristen bestaunen.

Foto-Motive wurden für Touristen an die Wände gemalt.
Foto-Motive wurden für Touristen an die Wände gemalt.
- Andrea Wieser

Durch die Mengen führt Nada Badran unbeirrt ihre Reisegruppe. Die Jordanierin schenkt den anpreisenden Verkäufern keine Beachtung. Die junge Frau ist den Weg wohl schon oft gegangen. Dann biegt sie spontan in ein Gewürzgeschäft ab, lässt die Gruppe Platz nehmen und erklärt: „Ein bekanntes arabisches Sprichwort lautet ,Iil bayt baytik‘ und bedeutet ,Fühl dich wie zu Hause‘.“ Um den Satz zu unterstreichen, werden Feigen mit Schokolade gereicht. Extrem süß ist das und unglaublich köstlich.

Inzwischen sinkt die Abendsonne in La Mer, der Abend zieht herein. Und der beginnt früh. Im Winter geht die Sonne in Dubai schon um zirka halb sechs unter. Die Mischung aus arabischer Welt und internationaler Clubkultur verschwimmt immer mehr. Lauter Sound wummert aus den Restaurants, die Gebäude sind mit Lichtinstallationen in Szene gesetzt. Man hat hier wirklich an alles gedacht. In einer Eisdiele wird Eis mit Stickstoff in Schalen gefüllt, der dank Chemie eine Nebelwolke bildet. Dieser Gag ist derzeit der letzte Schrei.

An einer Wand in einer Seitengasse in La Mer zieren riesengroße Engelsflügel die Mauer. Sie sind eine Einladung, sich wieder einmal fotografieren zu lassen. Eine arabische Frau lehnt sich dagegen, hebt die Arme wie Flügel und lächelt. Danach schaut sie auf das Handy ihrer Freundin und lächelt noch mehr. Es ist wohl ein gutes Bild geworden.

Dubai-Tipps

Anreise: Emirates fliegt 13-mal pro Woche von Wien nach Dubai. Gültiger Reisepass genügt.

Flugzeit: 5,5 Stunden.

Reisezeit: Europ. Winter.

Übernachten: Hilton al Habtoor City, das Luxushotel bietet Zimmer ab ca. 200 €.

Shopping: Bei Mirzam in der Alserkal Avenue gibt es hausgemachte Safran-Schokolade.

Besichtigen: Der Burj Khalifa ist der höchste Turm der Welt. Tickets zur Aussichtsplattform ab 30 €.

Wüstentrip: Al Maha, das Luxury Collection Desert Resort, Luxusanlage mit Suiten, mit je eigenen Pools.

Die Autorin reiste auf Einladung von Dubai Tourism: www.visitdubai.com




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