Letztes Update am Fr, 25.01.2019 11:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sydney

Bondi Beach: Der Strand, den einst die Queen beehrte

Bondi Beach in Sydney ist als Surfer-Strand weltbekannt. Doch das mehr als 100 Fußballfelder große Areal mit weißem Sandstrand lockt auch die Schönen und Reichen an.

© APA, dpa



Die Wellen sind nicht gut zu reiten, sie brechen schnell. Trotzdem reicht die Anziehungskraft vom Bondi Beach in Sydney weit über die Landesgrenzen hinaus. Ein Mann hat seinen Teil zur Legendenbildung beigetragen. Als Head Life Guard ist Bruce „Hoppo“ Hopkins das Gesicht der Fernsehserie „Bondi Rescue“, ein „Baywatch“ in echt. Mittlerweile 13 Staffeln zeigen die Arbeit der Rettungsschwimmer. Hopkins – 50 Jahre, schlank, Dreitagebart – macht den Job seit 27 Jahren.

„Es ist gut, hier draußen zu sein und Leuten zu helfen.“ In der Tat gibt es viel zu tun. An belebten Tagen kommen 30.000 bis 40.000 Besucher an den Strand am Pazifischen Ozean. Bondi Beach ist ein Wahrzeichen, offizielles Nationalerbe, eine internationale Marke.

Touristen aus aller Welt gehen hier einmal ins Meer oder stellen sich zumindest für ein Foto auf der Promenade auf. Ortsfremde legen ihre zumeist eher bleichen Körper etwas zu lange in die Sonne. Manche melden sich bei der Surfschule am Nordende des Strandes für einen Crashkurs an, um einmal, für zwei oder drei Sekunden, auf dem Brett zu stehen. Am Bondi Beach bekommt man den Eindruck: Hier geht es nicht in erster Linie ums Surfen. Bondi ist aber auch kein klassischer Badestrand, es gibt gefährliche Strömungen im Meer. Offenbar geht es um etwas anderes.

Das sieht man nicht auf den Instagram-Fotos. Manchmal drängen sich 30.000 bis 40.000 Besucher am Strand.
Das sieht man nicht auf den Instagram-Fotos. Manchmal drängen sich 30.000 bis 40.000 Besucher am Strand.
- APA, dpa

Eine kilometerlange Bühne

Frühmorgens am Strand liegt das Wasser noch ruhig da unter einem dunstigen Himmel, hinter den Wolken wartet die Sonne auf ihren Auftritt. Mehrere Jogger stapfen bereits durch den Sand, den Strand auf und ab, ihre Bühne misst gut einen Kilometer. Die ersten Surfbretter liegen im Wasser, Handtücher werden ausgebreitet, Kleidungsstücke abgelegt. An öffentlichen Fitnessgeräten machen Frauen und Männer ihre Übungen. Geht es am Bondi Beach eher um Körper- als um Surferkult?

Dieser Eindruck drängt sich auf, im Vorortviertel Bondi auch in den Straßen rund um den Strand. Fitte Herren laufen barfuß mit Surfboard unter dem Arm durch die Stadt. Schönlinge auf Skateboards schieben austrainierte Waden durch die Straßen. Man könnte sie jederzeit ablichten für ein Instagram-Foto.

Die Leute bewegen sich in Bondi zwischen schicken lässigen Brunchlokalen und Bars, hochpreisigen Friseursalons, Surfshops und Designer-Modeläden. Bäckereien erheben das Brotbacken zum Kunsthandwerk, Imbisse sind wie selbstverständlich vegan.

Der Versuch, in einem Café eine Cola zu bestellen, schlägt fehl. Es gebe nur selbstgemachte Limonaden, erklärt die Bedienung mit mitleidigem Blick. „Sorry.“

Rettungsschwimmer Bruce "Hoppo" Hopkins kennt den Strand wie kaum ein anderer.
Rettungsschwimmer Bruce "Hoppo" Hopkins kennt den Strand wie kaum ein anderer.
- APA, dpa

Wer glaubt, irgendwann sei es doch zu viel der Klischees, lernt rasch dazu. Ein stämmiger Typ am Nebentisch teilt seiner Begleiterin mit, dass er sein eigenes Fitnessstudio aufmachen will. Gerade seien viele Models in der Stadt.

Bruce Hopkins kennt Bondi seit seiner Kindheit. Viele junge Leute kämen für zwei, drei Jahre zum Arbeiten her. Wer Familie hat, ziehe heute eher woanders hin. „Es ist sehr viel teurer geworden, hier zu leben.“ Eine Zwei-Zimmer-Wohnung taxiert Hopkins auf 500 bis gut 600 Euro – und zwar pro Woche.

Der Rettungsschwimmer, der die Leute berufsmäßig im Blick hat, weiß um die Veränderungen in der sozialen Struktur. Mehr Menschen als früher machten Bodybuilding und Fitness, „ein bisschen Botox hier und da“. „Was immer du machst, du wirst gesehen. Es ist eine Gegend geworden, in der es viel ums Image geht“, stellt Hopkins fest, jedoch mit dem unaufgeregten Gleichmut eines Surfers, der merkt, dass er eine Welle nicht erwischt und auf die nächste wartet.

Mindestens sechs Rettungsschwimmer sind am Bondi Beach im Einsatz, an belebten Tag sind es mehr. Der ereignisreichste Tag, an den sich Hopkins erinnern kann, bescherte seiner Crew rund 230 Einsätze. In den seltensten Fällen geht es ums Ertrinken. Viel häufiger sind Verletzungen durch Surfbretter und Sonnenstiche. „Viele Touristen sind nicht an die Hitze gewöhnt“, sagt Hopkins. Positiv wirkt sich das strikte Alkoholverbot aus.

Wer das Treiben am Bondi Beach eine Weile beobachtet, landet bei der Frage: Warum ist ausgerechnet der Strand so berühmt? Mit dem Bondi Life Saving Club wurde 1906 der erste Rettungsschwimmer-Club Australiens gegründet. Englands Königin, die Staatsoberhaupt Australiens ist, adelte den Strand 1954 mit einem Besuch. Bei den Olympischen Spielen 2000 wurden die Beachvolleyball-Turniere am Bondi Beach gespielt. Über die Jahrzehnte kamen immer mehr Touristen.

Ein symbolischer Akt

Erst im Oktober 2018 hockten sich Prinz Harry und seine Frau Meghan barfuß in den Sand und unterhielten sich mit ein paar Surfern, die sich um Menschen mit psychischen Problemen kümmern. Der Prinz nahm ein Board in die Hand und rieb es mit Wachs ein, mehr ein symbolischer Akt.

Hopkins hat eine Erklärung für die Popularität des Strandes: „Bondi Beach liegt nicht weit von der City und dem Flughafen entfernt, perfekt für Reisende. Wenn sie nach Australien kommen, kommen sie nach Bondi“, sagt er. Möglich, dass sich der Mythos dadurch verselbstständigt hat und sich heute durch einen niemals abreißenden Strom an Selfies ständig reproduziert.

Ein ikonisches Bild ist der Meerwasserpool des „Bondi Icebergs Club“ am südlichen Abschluss des Bondi Beach, umspült von den rauen Wellen des Ozeans. Der Club geht auf ein paar hartgesottene Rettungsschwimmer zurück, die auch in der kalten Jahreszeit ihre Fitness trainieren wollten. Das war 1929.

Heute Abend, eher gehobenes Ambiente, es läuft Jazz. Der Blick fällt durch die Fensterfront zum Strand. Im Halbdunkel liegen noch Surfer auf dem Wasser. Die Silhouetten verschwinden langsam, der Vorhang fällt. Morgen beginnt die nächste Aufführung. (APA, dpa)