Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.06.2019


Tourentipp

Viel zu entdecken: Von Wildermieming auf die Alphütte

Eine gemütliche Wanderung führt von Wildermieming aus auf die Alplhütte im Mieminger Gebirge. Gut machbar auch mit Kindern und vor allem beliebig erweiterbar.

Zunächst geht es zur Wendelinkapelle und zum Ochsenbründl.

© RAPPZunächst geht es zur Wendelinkapelle und zum Ochsenbründl.



Von Irene Rapp

Wildermieming – Anfang Jun­i und noch immer lässt der Schnee auf den Bergen viele Touren nicht zu. Auch so manche Hütte hat noch nicht geöffnet. Das Alplhaus in der Mieminger Kette hingegen wartet bereits auf Gäste. Zu erreichen ist die Einkehr auf rund 1500 Metern auf mehreren Wegen – wir sind von Wildermieming aus gestartet, auf dessen Gemeindegebiet die Alplhütte liegt. Eine schöne, abwechslungsreiche Wanderung, die man gut auch mit Kindern machen kann.

So kommt man hin: In Wildermieming durch den Ort fahren und einen Parkplatz am unteren Waldrand ansteuern. Zunächst quert man den Parkplatz in westlicher Richtung und gelangt durch ein Gatter auf einen Steig. Wer lieber mit dem Mountainbike unterwegs ist, kann die Alplhütte von hier aus in einem langgezogenen Rechtsbogen erreichen, wenn er die in östlicher Richtung liegende Forststraße nimmt.

Wir allerdings bleiben auf dem Steig und bewegen uns nun in lichtem Föhrenwald leicht ansteigend in nördlicher Richtung. An fraglichen Stellen finden sich immer Wegweiser, verfehlen kann man das Ziel also nicht.

Eine kleine Krippe.
Eine kleine Krippe.
- RAPP

Bald kommt man an einer Kreuzwegstation vorbei, dann geht es über eine kleine Holzbrücke, die über einen Graben führt. Mitunter tut sich der Wald auf und man hat tolle Ausblicke auf das Sonnenplateau bzw. das Inntal.

Eine erste Pause kann man einlegen, wenn man die Wendelinkapelle mit dem Ochsenbründl erreicht. Kinder können sich hier auf die Suche nach einer kleinen Krippe machen, die unter einer Wurzel aufgestellt worden ist – auf dem Weiterweg finden sich übrigens noch zweimal Stellen, wo es Ähnliches zu entdecken gibt.

Die Szenerie rund um die Alplhütte ist traumhaft.
Die Szenerie rund um die Alplhütte ist traumhaft.
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Auf dem Steig geht es weiter, einmal kreuzt man den Forstweg. Wenn man eine kleine Holzhütte erreicht – dahinter zieht sich majestätisch die Hohe Munde in die Höhe –, biegt man quas­i ums Eck nach links ab. Und dann steht man vor den steil hinaufziehenden Wänden der Mieminger Kette – von Hochwand, Karkopf bis Munde – und wundert sich, wie viel Schnee noch liegt. Auf einem gemütlichen Weg geht es nun dahin und dann kann man auch schon das Ziel, die Alplhütte, erkennen.

Vor 40 Jahren haben hier die Großeltern von Daniel Thurnbichler ein Häuschen gebaut. Zum Glück: denn die an einem wunderschönen Platz gelegene Einkehr zieht vor allem an den Wochenenden viele Einheimische an.

Das Besondere dabei: „Wir haben auch im Winter an den Wochenenden durchgehend geöffnet gehabt. Nur an einem Wochenende war aufgrund der Lawinengefahr geschlossen“, erzählt Daniel Thurnbichler, dessen Mutter Doris die „Chefin“ auf der Hütte ist. Für ihn ist der Weg über das Ochsenbründl einer der schönsten herauf. „Aber auch der Hintereggensteig vom Strassberghaus aus lohnt sich“, erzählt der 37-Jährige. Letzterer werde derzeit allerdings wegen abgegangener Lawinen in diesem besonderen Winter noch geräumt und hergerichtet.

Links sieht man die Judenköpfe,  hinter der Einkehr ziehen Hochwand und Karkopf in die Höhe.
Links sieht man die Judenköpfe, hinter der Einkehr ziehen Hochwand und Karkopf in die Höhe.
- RAPP

Apropos Strassberghaus: Auch über diese weiter östlich gelegene Einkehr (zu erreichen auch von Telfs aus) gelangt man zur Alplhütte. Dabei geht es u. a. durch das „Steinerne Meer“, das eigentlich in Salzburg liegt, seit 2012 jedoch auch in Tirol: In diesem Jahr brachen nämlich 100.000 Kubikmeter Fels in der Hochwand oberhalb der Alplhütte aus. Verletzt wurde zum Glück niemand, dafür verlegten unvorstellbare Mengen Felsen und Gestein das Gelände entlang des Alpl- baches. Eine Tafel erinnert daran – und dass Hansjörg Randl den Bachsteig im Sommer 2015 „in mühevoller Handarbeit“ wiederhergestellt hat.

Wer will, kann also auf dem Rückweg den Weg über das Strassberghaus wählen und dann auf dem Forstweg wieder zum Ausgangspunkt wandern. Wir allerdings müssen zunächst noch besagten Alplbach queren, der sich wohl aufgrund der Schneeschmelze an einigen Stellen auf den Weg ausgedehnt hat. Also wasserfestes Schuhwerk anziehen! Nicht zu vergessen: Zweimal müssen auch auf den Weg gestürzte Bäume „bewältigt“ werden. Der schneereiche Winter ist nicht ohne Folgen geblieben.

Hat man den Bach gequert, muss dann nur noch der letzte, kurze Anstieg zur Hütte bewältigt werden. Dort kocht dann Daniel Thurnbichler auf – „vor allem Vegetarisches ist gefragt. Wir haben zwar Schweinsbraten auf der Karte, der allerdings geht kaum“, weiß er zu berichten. Im August wird dann das 40-Jahr-Jubiläum der Alplhütte gefeiert – hoffentlich bei schönerem Wetter als im zu Ende gegangenen grauslichen Mai.

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