Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.07.2019


Exklusiv

Verreisen mit Kindern: Nicht ohne Erlaubnis des Ex-Partners

Viele Länder sind sehr streng, wenn es um die Einreise von Kindern mit nur einem Elternteil geht. Kindesentzug soll verhindert werden.

Mit Kindern in den Urlaub. Vor Reiseantritt sollte man sich genau über Vorgaben erkundigen.

© istockMit Kindern in den Urlaub. Vor Reiseantritt sollte man sich genau über Vorgaben erkundigen.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Sommerzeit ist Reisezeit. Dass eine Fahrt in ein anderes Land gut geplant sein will, ist den meisten klar. Eine Mutter, die sich mit dem Lebensgefährten die Obsorge für die Zwillinge teilt – der Vater nimmt die Kinder jedes zweite Wochenende –, staunte kürzlich aber nicht schlecht, als sie mit den Kindern einen Flug nach Ibiza buchen wollte und vom Reiseveranstalter eine Auflage bekam. Sie solle eine Erlaubnis des Vaters vorweisen.

Laut Anwältin Andrea Haniger-Limburg, sie ist auf Familienrecht spezialisiert, dürfte es bei Reisen innerhalb von Europa keine Probleme für jenen Elternteil geben, bei dem die Kinder überwiegend leben. Dieser Elternteil hat das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Der andere Teil, der entweder gar kein Obsorgerecht hat oder bei gemeinsamer Obsorge ein Kontaktrecht hat, soll sich bei Reisen, auch innerhalb von Europa, um eine schriftliche Einverständniserklärung des hauptbetreuenden Elternteils bemühen. „Sonst kann es zu Schwierigkeiten bei der Einreise in ein anderes Land kommen“, sagt Haniger. Empfehlenswert sei die Mitnahme einer Kopie des gerichtlichen Beschlusses zur Obsorgesituation, oder einer Amtsbestätigung des Gerichtes zur Obsorge. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass diverse Länder bei Reisen eines Elternteils mit dem Kind eine Einwilligung des anderen Elternteils verlangen, so die Anwältin. Barbara Baumgartner, Landesleiterin von Rainbows Tirol, ist oft mit derartigen Fragen konfrontiert. Der Verein kümmert sich um Kinder, deren Eltern sich trennen. „Wichtig ist, dass man dem Elternteil, der etwas bestätigen muss, klarmacht, dass das nur zum Wohl des Kindes ist“, sagt Baumgartner. Sie habe immer wieder Kinder betreut, bei denen die Lage eskaliert sei und wo die Kinder außer Landes gebracht wurden.

Bernhard Wanner, Fachgruppengeschäftsführer der Tiroler Wirtschaftskammer für Freizeit, erklärt, dass die Reiseveranstalter verpflichtet sind, die Kunden über die Bestimmungen in den Urlaubsländern zu informieren. „Aus Südafrika ist der Fall bekannt, dass eine Mutter mit Kind ohne Bestätigung nicht einreisen durfte, sondern zurückgeschickt wurde.“ Wanner weist darauf hin, dass Selbstfahrer oft nicht daran denken, dass die Bestimmungen auch am Balkan streng sind. „Je nachdem, wohin man fährt, muss man viele Dokumente beibringen, wenn nur ein Elternteil mit den Kindern unterwegs ist“, sagt der Experte. Der Hintergrund für diese Vorgaben ist ernst: Es handelt sich um eine Vorgabe der Haager Konvention, um eine Entführung von Kindern zu verhindern.

Was manche getrennt lebende Eltern als überschäumende Bürokratie sehen, hat eine Basis: Laut den zuständigen Richtern gibt es auch in Tirol einige Fälle pro Jahr, bei denen Kinder von einem Elternteil ins Ausland verbracht werden, obwohl die Obsorge beim in Tirol lebenden Berechtigten liegt.

Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser rät Eltern, dass sie sich beim Reiseveranstalter oder beim Außenamt erkundigen sollen. „Es ist ganz wichtig, dass die Bestätigungen in der Landessprache abgefasst sind.“ Sie weiß, dass es im Zuge von Obsorgestreitigkeiten zu massiven Konflikten kommen kann. „Es besteht die Gefahr, dass ein Elternteil, der aus einem anderen Land stammt, den Urlaub nützt, um das Kind nicht mehr zurückzubringen.“ Auch Wanner betont, dass gerade bei der Reise in islamische Länder Vorsicht geboten sei, da dort die Mutter weit weniger Rechte besitze als der Vater.

Bestätigung des Obsorgeberechtigten vielfach nötig

Selbstfahrer. Der ÖAMTC weist auf seiner Homepage darauf hin, dass es sinnvoll ist, eine Einverständniserklärung des Obsorgeberechtigten mitzuführen, wenn Kinder und Jugendliche mit nur einem Elternteil, den Großeltern, Tante und Onkel, Freunden oder alleine vereisen. Alle Infos www.oeamtc.at.

Problematische Länder. Die Mitnahme der Bestätigung wird vor allem für Bosnien & Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Slowenien, Serbien, aber auch Griechenland und Großbritannien empfohlen. www.bmeia.gv.at.

Flugreisen. Wer eine Fernreise antritt und nicht per Reisebüro bucht, muss sich ebenfalls über die Modalitäten in dem Land informieren. Besonders gut geht das über die Homepage des Außenministeriums. Wie Christof Grassmayr, Konsul von Südafrika, erklärt, sind dort die Einreisebestimmungen besonders streng.