Letztes Update am So, 28.07.2019 07:21

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Der Zauberwald von Broceliande: Reise in die mystische Bretagne

König Artus, Merlin und Excalibur sind nicht nur auf den Britischen Inseln zuhause, sondern auch in der keltisch geprägten Bretagne. Dort breitet sich der Zauberwald Broceliande aus. Hier sollen bis heute unglaubliche Dinge geschehen.

Die Nachbildung vom Schwert Excalibur steckt in einem Stein beim Trémelin-See in der Nähe von Saint-Gonlay in der Bretagne.

© APA (dpa/gms/BRTC)Die Nachbildung vom Schwert Excalibur steckt in einem Stein beim Trémelin-See in der Nähe von Saint-Gonlay in der Bretagne.



Dieser Zauberwald gilt seit Menschengedenken als magischer Ort. Hier erstreckt sich das Tal ohne Wiederkehr, in dem die Fee Morgana ihre untreuen Liebhaber für alle Zeiten gefangen hält. Hier liegt der See von Comper, in dem Ritter Lanzelot in einem Unterwasserschloss aufwuchs und aus dem König Artus das Schwert Excalibur empfing. Hier liegt das Grab des Zauberers Merlin, dessen Mutter eine Heilige und dessen Vater der Teufel gewesen sein soll.

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Die meisten dürften diesen Wald irgendwo in Britannien vermuten. Doch die Artus-Sage ist keltischen Ursprungs und damit auch in der Bretagne zuhause. Und eben hier, in der Hochbretagne westlich von Rennes, befindet er sich: La Foret de Broceliande. Ein Wald, der früher weite Teile der bretonischen Halbinsel bedeckte und jetzt noch etwa 7000 Hektar umfasst. Ein Wald, von dem man sagt, dass man aus ihm herauskomme wie aus einem Traum. Der Zauberwald von Broceliande ist so real, dass man ihn sogar ins Navi eingeben kann. „Paimpont, Frankreich“ ist die Adresse.Die meisten Besucher dürften den verwunschenen Wald von einem der Ferienorte an der bretonischen Küste aus ansteuern. Es ist eine leicht hügelige Landschaft mit Feldern, kleinen Wäldchen und eingestreuten Ortschaften. Lange ist nichts ausgeschildert, so dass man meinen könnte, einem Mythos aufgesessen zu sein.

Junge Leute werden staunen

Doch dann plötzlich erreicht man eine Anhöhe und blickt auf einen ausgedehnten Wald herab. Ein Startpunkt ist das effektvoll gestaltete Themenzentrum La Porte des Secrets in den Nebengebäuden einer alten Abtei im verträumten Dorf Paimpont. Dort werden vor allem junge Besucher in den Sagenkreis von Broceliande eingeführt. Nach einer Stärkung in der Boulangerie fährt man am besten in den noch viel kleineren Ort Trehorenteuc am Waldrand. Mit etwas Glück ist hier gerade Markt. Aber natürlich keiner mit Obst und Gemüse. Hier werden Gemälde von Elfen und Einhörnern angeboten, Hexenfiguren, Hippie-Kleidung und Tassen mit König-Artus- oder Feenmotiv.

Die Besucher des Marktes sind Kenner: Neo-Druiden, Grals-Sucher, Esoteriker, zum Teil von weither angereist. Einige tragen wallende Gewänder und Blumenkränze. Bei anderen baumeln keltische Sonnenzeichen um den Hals, sie sind Mitglieder der Église Celtique Restaurée, der „Wiedererrichteten Keltischen Kirche“.

Die kleine Dorfkirche heißt überall nur L‘église du Graal – die Gralskirche. Sie ist eine kleine Sensation, denn in all ihren bunten Glasfenstern und Gemälden wird der christliche Glaube mit der Artus-Sage vermischt. Am bemerkenswertesten ist vielleicht eine Kreuzwegstation, die Jesus zusammen mit der nur leicht bekleideten und sehr aufreizenden Fee Morgana zeigt.

Bis nach Trehorenteuc kommt man mit dem Auto, aber das Tal ohne Wiederkehr mit seinem Feenspiegel, einem grünäugigen Gewässer, ist nur zu Fuß zu erreichen. „Zwei Stunden dauert das schon“, verrät ein junger Franzose, der mit seiner Freundin dort gewesen ist. Was der Legende zufolge nur eines bedeuten kann: Er ist seiner Partnerin treu. Andernfalls nämlich hätte die Fee Morgana ihn nie wieder gehen lassen.

Nächste Station: das Schloss von Comper. Aus rotbraunem Stein erbaut wacht es über jenem See, der Zugang in die Anderswelt sein soll. Den Legenden zufolge ist es gar kein richtiger See, sondern nur eine Illusion. Heraufbeschworen vom Zauberer Merlin, um das auf dem Grunde stehende Kristallschloss für seine Geliebte Morgana neugierigen Blicken zu entziehen. Ein junger Mann mit Vollbart, Zopf und weißem Leinenhemd klärt die Besucher über die Hintergründe der Artus-Legende auf. „Im 5. Jahrhundert wurden die Römer in Britannien immer härter von den Angelsachsen bedrängt. Doch einem keltischen Heerführer gelang es noch einmal, die anstürmenden Massen zurückzuschlagen.“ Er soll das Vorbild für Artus gewesen sein. Später wanderten viele Kelten von der Insel in die Bretagne aus, die Artus-Sage im Gepäck.

Mystisch liegt das Schloss von Comper zwischen Wald und Wasser.
Mystisch liegt das Schloss von Comper zwischen Wald und Wasser.
- APA (dpa/gms/BRTC)

Immer wieder stößt man im Wald auf große Besuchergruppen, die dort andächtig stehen und einem Guide zuhören, der ihnen von den Legenden erzählt. Viel zu sehen gibt es nicht, man muss den Wald mit seiner Fantasie selbst beleben. Wer das nicht kann, ist hier falsch.

Zu Besuch beim Jungbrunnen

Die Franzosen reisen busweise an. Der Parkplatz, von dem aus ein schmaler Pfad zur geheimnisumwitterten Quelle von Barenton führt, ist an diesem sonnigen Samstag im Sommer völlig überfüllt. Nach einem strammen halbstündigen Fußmarsch stellt sich die Quelle als winziger Bach heraus. Dennoch sitzen hier jede Menge Besucher und halten ihre Hände in das klare, kalte Wasser. Die ältesten Berichte über die Quelle stammen aus dem 12. Jahrhundert. Zahlreiche Legenden umspinnen sie. So sollen sich hier die Fee Morgana – die Hüterin der Quelle – und der Zauberer Merlin verliebt haben. Später ließ ihn die Fee in ewigen Schlaf fallen. Merlins Grab besteht aus den Resten einiger zerschlagener Megalithen, jener Dolmen oder auch Hinkelsteine, die überall in der Bretagne zu finden sind.

Ganz in der Nähe befindet sich die Fontaine de Jouvence, der Jungbrunnen. Das Wasser sieht einigermaßen abgestanden aus, daher stehen mehrere Besucher trotz schweißtreibender Temperaturen unschlüssig um das Steinbecken herum. Da schießt plötzlich ein weißer Hund durchs Gestrüpp und springt hinein. Gebannt starren die Umstehenden auf das planschende Tier. Als er wieder herauskommt, ist keine unmittelbare Veränderung feststellbar. „Ein Welpe ist er nicht geworden“, scherzt jemand. Worauf die Besitzerin entgegnet: „Er ist aber auch noch sehr jung!“ Man darf also weiter glauben. (APA/dpa)




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