Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 20.09.2019


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Und überall Wasser: Wanderung zur Neuen Regensburger Hütte

Die Neue Regensburger Hütte im Stubaital überrascht mit einem diesen Juni eröffneten Zubau. Gleich dahinter erstreckt sich eine zauberhafte Landschaft mit Moor und See.

Zunächst geht es zur Neuen Regensburger Hütte samt neuem und mit dem alten Gebäude durch einen Tunnel verbundenen Zubau.

© RappZunächst geht es zur Neuen Regensburger Hütte samt neuem und mit dem alten Gebäude durch einen Tunnel verbundenen Zubau.



Von Irene Rapp

Neustift – Zugegeben: Bis man die Neue Regensburger Hütte quasi am Ende des Stubaitals erreicht hat, dauert es. Die Bergtour zu der auf 2286 Metern Höhe gelegenen Unterkunft in den Stubaier Alpen rentiert sich aber auf jeden Fall. Zum einen wegen der faszinierenden Landschaft, zum anderen wegen des neuen Zubaus, den die Neue Regensburger Hütte erhalten hat.

Interessant ist die Geschichte dahinter: 1888 hatte die Sektion Regensburg des Deutschen Alpenvereins oberhalb von Gröden in Südtirol eine Hütte erbauen lassen. 1921 wurde diese von Italien beschlagnahmt, die Sektion baute daher 1930 im Stubaital eine neue. In der Neuen Regensburger Hütte sind übrigens noch bis einschließlich 28. September Nächtigungen möglich, auch danach bekommt man noch während der Aufräumarbeiten einige Tage lang etwas zum Essen und Trinken. Also: einen der schönen Herbsttage nutzen und dann nichts wie los.

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So kommt man hin: Ins Stubaital nach Neustift bis zum Ortsteil Falbeson fahren, einige Meter vor dem „Waldcafe“ gibt es kostenlose Parkplätze. Am „Waldcafe“ und der Materialseilbahn der Neuen Regensburger Hütte geht es vorbei und gleich in den Wald (Wegweiser). Ein Steig zieht sich die erste Geländestufe hinauf, immer wieder kreuzt man die Forststraße. Pilze waren hier am vergangenen Samstag viele zu finden, auch fielen zahlreiche umgestürzte Bäume auf – eine Folge eines Sturms im Vorjahr.

Nach rund einer Stunde wird der Wald lichter, der Steig mündet in die Forststraße und man erreicht eine kleine Ebene, die malerischer nicht sein könnte. Im Vordergrund liegt die Falbesoner Ochsenalm (leider schon geschlossen), im Hintergrund erhebt sich direkt an der Kante einer weiteren Geländestufe die Neue Regensburger Hütte. Links und rechts der Hütte rauschen Wasserfälle herab, ein Zeichen dafür, wie wasserreich diese Gegend hier ist.

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Das Hohe Moos, an dessen Ende noch die Hütte zu erahnen ist.
Das Hohe Moos, an dessen Ende noch die Hütte zu erahnen ist.
- Rapp

Über den Almboden geht es nun auf der rechten Talseite unterhalb einiger Felswändchen weiter: Langsam gewinnt man an Höhe, der alpine Steig zieht sich in Kehren hinauf, das stetige Wasserrauschen wirkt beruhigend. Von hier aus ist auch schon der neue Zubau, den die Hütte erhalten hat, gut erkennbar. Zwar wirkt das Gebäude noch wie ein Turm, die wahre Größe erkennt man jedoch erst, wenn man auf 2286 Metern angelangt ist. Nach rund 2,5 Stunden hat man es zur alpinen Unterkunft geschafft, die heuer bereits den vierten Sommer von der Neustifter Familie Ofer bewirtschaftet wird.

Erst im Juni wurde der Erweiterungsbau eröffnet, der durch eine Art Tunnel mit dem alten, teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäude verbunden ist. Auch die Bergstation der Materialseilbahn wurde verlegt und erhielt ein neues Äußeres. Das neue Haus hat es jedenfalls in sich: „Es besteht aus Holz und steht quasi auf Stelzen“, nennt Hüttenwirt Herbert Ofer ein Beispiel. Denn eine Auflage der Behörden war, dass der Eingriff in den Gletscherschliff-Fels nicht zu groß sein darf.

Vielen Gästen gefalle der Bau, vor allem das Innenleben mit den hellen Räumen. Sogar einen Seminarraum gibt es. Bei anderen hingegen stoße die Kombination aus Alt und Neu auf Kritik. „Das mag für manche gewöhnungsbedürftig sein“, sagt der Neustifter.

Wir sind am Samstag noch weiter gewandert, und zwar zum Falbesoner See auf 2575 Metern Seehöhe. Dazu taleinwärts und schon bald erreicht man eine große Ebene mit dem sich sanft dahinschlängelnden Falbesoner Bach und dem Hohen Moos. Dabei handelt es sich um eine wunderschöne, friedliche Moorlandschaft.

Der grüne Falbesoner See.
Der grüne Falbesoner See.
- Rapp

Auf einem gut markierten Steig geht es an der rechten Seite des Moors entlang, an manchen Stellen war es zuletzt ein wenig nass. Bald kommt man jedoch wieder in felsiges Gelände und dann geht es, einige Male den Bach querend, in einigen Stufen hinauf.

Der Weg zum See zieht sich, das Gewässer liegt schlussendlich ganz woanders, als man von unten vermuten würde. Bei einer Wegteilung (Wegweiser) hält man sich rechts und steuert einem Moränenkamm zu. In wenigen Minuten hat man diesen erklommen und dann kann man endlich – nach insgesamt rund 3,5 bis 4 Stunden Gehzeit – auf den Falbesoner See hinabblicken. Dieser überrascht nicht nur durch seine Farbe, sondern auch durch seine Größe: Eingeklemmt zwischen Moränenkamm und Felswand ist dieses Gewässer jedoch wirklich gut versteckt. An die zwölf Meter tief schätzt Hüttenwirt Ofer den See und weil am Samstag ein paar Meter weiter oberhalb noch Schnee vom letzten Schlechtwettereinbruch lag, streckten wir nicht einmal die Zehen hinein.

Das kann man jedoch, falls gewünscht, nachholen. Denn neben der Neuen Regensburger Hütte gibt es ebenfalls einen kleinen See. Und der dürfte ein wenig gnädigere Temperaturen aufweisen als der Falbesoner See.

Zurück ging es dann auf demselben Weg. Und wie gesagt: An so tollen, wetterbeständigen Herbsttagen wie jetzt ist diese traumhafte Tour für konditionsstarke Berggeher gut in einem Tag machbar.

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