Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.08.2013


Ötzi-Dorf begrüßt Tirols erstes Wildpferd-Fohlen

Der archäologische Freiluftpark in Umhausen hat Nachwuchs: Ein Hengstfohlen aus der Rasse der Przewalski-Urpferde wurde geboren.

© PloderHektor wenige Tage nach seiner Geburt.



Von Thomas Ploder

Umhausen – Hektor, nach elfmonatiger Tragzeit in den frühen Morgenstunden des 8. August geboren, wurde vorerst von der Öffentlichkeit abgeschirmt, gründlich untersucht und beobachtet. Gestern wurde er von Karl Holzknecht, dem Präsidenten des Vereins für historische Bauten und Heimatkunde, den Medien und den Besuchern erstmals präsentiert. Mit dem Hengstfohlen aus der Rasse der Przewalski-Pferde wurde erstmals nach Jahrhunderten in Tirol wieder ein echtes Wildpferd geboren. Möglich wurde dies durch die Bestrebungen des Ötzi-Dorfes, seinen Besuchern möglichst eng verwandte Nachfahren jener Urrassen näherzubringen, die bereits in den Steinzeit-Dörfern zu finden waren.

Hieronymus, der sechsjährige Hengst und Vater des ersten Tiroler Wildpferd-Fohlens, kam im September 2010 aus dem Münchner Tierpark Hellabrunn nach Umhausen. Die Mutter, die achtjährige Stute Roxane, gelangte bereits im April 2007 über den Salzburger Zoo Hellbrunn ins Ötztal. Obwohl von Experten als „ideal füreinander geeignet“ eingestuft, dauerte es doch rund zwei Jahre, bis Anfang Oktober 2012 eine erfolgreiche Paarung stattfand.

Dank der Patronanz des Alpenzoos gelang es 2005, die letzten überlebenden Wildpferde im archäologischen Freilichtpark in Umhausen im Ötztal halten zu dürfen. Das Ötzi-Dorf ist damit die einzige vom Weltverband autorisierte Einrichtung in Tirol mit Przewalski-Pferden.

Die Weltnaturschutzunion IUCN führt diese Tiere in der Roten Liste gefährdeter Arten. Der Status wird als „stark gefährdet“ klassifiziert. In den 1960er-Jahren starb es in freier Wildbahn aus. Zuvor waren jedoch einige Tiere in zoologische Gärten gebracht worden, wo sie sich erfolgreich vermehrt hatten. Nachfahren dieser Tiere konnten bereits wieder in Reservaten in den Steppen der Mongolei ausgewildert werden.

Manche Pferderassen werden umgangssprachlich ebenfalls als „Wildpferde“ bezeichnet, sind aber – wie etwa der amerikanische Mustang oder das Dülmener Pferd in Deutschland als halbwild lebende Rassen – aus wissenschaftlich-zoologischer Sicht keine Wildpferde, sondern verwilderte Hauspferde.

Das Fohlen Hektor, das zwischenzeitlich gemeinsam mit seinen Eltern das Freigehege im Ötzi-Dorfes durchstreift, kann auch persönlich, täglich von 9.30 bis 17.30 Uhr, während der Öffnungszeiten des Freilichtparks beobachtet werden.




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