Letztes Update am Mo, 09.11.2015 13:28

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Durchgespielt

Rise of the Tomb Raider: Lara Croft erfindet sich wieder neu

Lara Crofts neue Geschichte geht in „Rise of the Tomb Raider“ in die zweite Runde. Die Entwickler von Crystal Dynamics besinnen sich dabei auch auf alte Werte. So dürfen wir etwa wieder Gräber erkunden.

© Square EnixDas erste "Grab", das wir erkunden dürfen, ist ein im Eis eingeschlossenes Schiff. Ein optisches Highlight des Spiels.



Von Lukas Schwitzer

Innsbruck – Eine bekannte Reihe zu „rebooten“, also ganz neu aufzustellen, ist nie einfach. Egal, ob es sich um Filme, Serien oder Spiele handelt. Für die „Tomb Raider“-Reihe war das gleichnamige Spiel von 2013 in der 19-jährigen Geschichte bereits der zweite Reboot. 2006 übernahm der Entwickler Crystal Dynamics die angeschlagene Geschichte von Lara Croft und begann aufs Neue, der schlechte Ruf blieb aber bestehen. 2013 kam also der Reboot des eigenen Reboot, der eine neue Ära einläutete.

Auf den Spuren des Vaters

Das neue „Tomb Raider“ erzählte von den Anfängen einer viel jüngeren und realistischeren Lara Croft. Die als echte Person dargestellt wurde, die nicht nur wild um sich ballerte, während sich die Silikon-Übergrößen im Wind wogen. „Rise of the Tomb Raider“ führt diese Geschichte fort, setzt den Fokus aber vor allem auf den großen Abwesenden in Laras Leben: ihren Vater.

Wer aus einer dunklen Höhle tritt und einen solchen Anblick präsentiert bekommt, muss erst einmal innehalten.
- Square Enix

Zeit seines Lebens war dieser der Spur einer sagenumwobenen Stadt im tiefsten Sibirien und Gerüchten eines mächtigen Artefakts nachgegangen. Sein wissenschaftlicher Ruf wurde ruiniert, seine Arbeit entwertet. Grund genug also für Lara, die Stadt wirklich finden zu wollen, um die Reputation ihres verstorbenen Vaters wieder herzustellen. Eine geheimnisvolle Organisation namens Trinity-Orden aber hat sich dasselbe Ziel gesetzt und stellt sich ihr in den Weg.

Sammeln und Erkunden

So weit, so bekannt also. Wir haben bereits genug „Uncharted“-Titel gespielt, um zu wissen, wie diese Sache ablaufen wird. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn nach dem zu actionlastigen Vorgänger wird in „Rise“ die Erkundung der Welt sehr viel größer geschrieben. Komplett offene Welt wird uns zwar keine geboten. Stattdessen schalten wir aber immer neue Gebiete frei, in und zwischen denen wir uns größtenteils frei bewegen können. In diesen Regionen gibt es viel zu finden (zwanghafte Sammler, frohlockt!), vor allem die neuen Gräber werden Fans aber das Herz höher schlagen lassen.

Zahllose stimmungsvolle Ruinen sind das Salz in der "Rise of the Tomb Raider"-Suppe.
- Square Enix

Versteckt in der Spielwelt sind Eingänge zu völlig optionalen Gräbern, die nur darauf warten, von Lara erkundet zu werden. Das Ziel ist jeweils ein uraltes Buch, das tatsächlich nützliche Belohnungen verleiht. Der Weg dorthin ist meist von Rätseln in unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad versperrt. Die Rätsel bauen meist auf Physik auf und sind nie wirklich schwierig. Gelegentlich aber blieben wir auch im Test kurzzeitig hängen. Etwas Gehirnschmalz wird hie und da also doch verlangt. Bereits die Suche nach den Eingängen zu den Gräbern macht Spaß, da diese oft sehr gut versteckt sind. Da kommt echtes „Tomb Raider“-Feeling auf.

Fleißige Hände bauen Waffen

Lagerfeuer fungieren – neben Orten, zwischen denen das Schnellreisesystem des Spiels läuft – wie im Vorgänger wieder als Punkte, an denen neue Fahigkeiten erlernt, Gegenstände aus gesammelten Rohstoffen gefertigt oder Aufwertungen für Waffen gebastelt werden. Die meisten Fähigkeiten sind äußerst sinnvoll und lassen oft spannende neue Vorgangsweisen zu. Die Aufwertungen der eigenen Waffen hingegen machen nur selten wirklich einen Unterschied. Dafür kann aber Spezialmunition wie Feuerpfeile hergestellt werden, die sehr oft von Nutzen sein kann. Auch Granaten oder Molotow-Cocktails können wir herstellen, allerdings nur im Kampf selbst. Heben wir etwa eine Dose auf, machen wir diese durch die Kombination mit gesammelten Rohstoffen auf Knopfdruck zu einer Granate. Das funktioniert zwar gut, einen Vorrat können wir aber nicht anlegen.

Bogen und Eispickel dürfen als Grundausrüstung von Lara nicht fehlen.
- Square Enix

Die Begegnungen mit den bösen Söldnern des Trinity-Ordens sind recht abwechslungsreich. Am spannendsten sind dabei jene Gebiete, in die wir geheim vordringen. Dabei wird uns nämlich oft die Möglichkeit geboten, mit einfachem Ablenken ohne Kampf an den Gegnern vorbei zu schleichen. Dies erfordert allerdings einiges an Fingerspitzengefühl. Sich brachial durchzuballern ist meist einfacher, aber auch weniger befriedigend. Gekämpft wird klassisch durch ständiges Springen zwischen Deckungen, was hervorragend funktioniert. Die Gegner weisen gelegentlich aber geradezu übermenschliche Wahrnehmung auf, eine neue Deckung wird sofort beharkt.

Hintergrundgeschichte nicht vergessen

Die Geschichte von „Rise of the Tomb Raider“ ist durchaus spannend erzählt, aber eigentlich nur mit der dazu erschaffenen Historie wirklich faszinierend. Aus Schriftrollen, Büchern und Diktiergeräten, die in der Spielwelt verteilt sind, lernen wir mehr über die Stadt Kitezh und den geheimnisvollen Propheten, der seine Anhänger dorthin führte. Das ist oft mühsam und zeitaufwendig. Schade also, dass viele Spieler wohl nur die eher fade Hauptstory mitbekommen werden, die allerdings mit imposanten cinematischen Zwischensequenzen gespickt ist. Abgesehen von Lara selbst, die durchaus glaubwürdig dargestellt wird, haben wir es aber meist mit überzeichneten Charakteren zu tun. Der böse Ordensmann, der gute Bergbewohner, die ungestüme Jungkriegerin: Die Klischees sind wohlbekannt. Zumindest einige davon bekommen im Lauf des Spiels aber wenigstens etwas mehr Tiefe.

Grafisch hat „Rise“ einiges zu bieten. Die Umgebungen, gespickt mit alten Dörfern und noch älteren Ruinen, engen Höhlen und eiskalten Flüssen, laden das Auge immer wieder zum Verweilen ein. Wenn wir den Weg aus einer dunklen Grotte zurück ins blendende Sonnenlicht begehen, werden wir von immer neuen Ansichten begrüßt, die auch Indiana Jones begeistert hätten. Technisch arbeitet das Spiel zwar mit der gleichen Grafik-Engine wie der Vorgänger, das fällt aber kaum auf. Altbacken wirkt die Grafik nicht.

Fazit

„Rise of the Tomb Raider“ hat es geschafft, auf das bereits sehr ansprechende „Tomb Raider“ noch einen drauf zu setzen. Die allzu actionlastigen Abschnitte des Vorgängers, die zu sehr an „Uncharted“ erinnerten, wurden größtenteils weggelassen, ohne aber die Spannung zu verlieren. Im direkten Vergleich mit dem großen Konkurrenten punktet Lara Croft gegenüber Nathan Drake vor allem mit mehr Freiheit. Es ist keine völlig geradlinige Welt, durch die wir hetzen. Vielmehr können wir einfach unser eigenes Tempo gehen. In Kombination mit einer interessanten, wenn auch in ihren Grundzügen eher unmotiviert erzählten Story lässt sich über „Rise of the Tomb Raider“ vor allem eines sagen: Es macht Spaß. Was will man mehr?

- Square Enix

Entwickler: Crystal Dynamics

Publisher: Square Enix

„Rise of the Tomb Raider“ ist ab 13. November für Xbox One und 360 erhältlich. Für Windows-PCs soll es im ersten, für Playstation 4 im vierten Quartal 2016 erscheinen.

Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.