Letztes Update am Mo, 29.01.2018 12:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Drogen in Videospielen: Zwischen Realismus und Verzerrung

In vielen Videospielen werden Drogen zum Thema gemacht. Vielfach verharmlosen diese aber Substanzen: So haben Drogen oft positive Effekte wie die Rückgewinnung von Lebenspunkten.

© Rockstar Games"Grand Theft Auto V" muss aufgrund seines gewalttätigen Inhalts einiges an Kritik einstecken.



Palm Beach – Drogen kommen gerade in Action-Games häufig vor, doch haben sie dort oft unwahrscheinliche Positiveffekte, wie ein Auffüllen von Lebenspunkten oder zusätzliche Stärke. Das zeigt eine Studie der Organisation Archstone, die 100 Bestseller pro Plattform erfasst hat. Die Organisation mahnt daher Eltern dazu, im Auge zu behalten, was ihre Kinder spielen und was sie daraus vermeintlich lernen. So nützlich wie in Games sind Rauschmittel im realen Leben schließlich oft nicht.

Schon die „Super MarioBros.“ haben sich mit Pilzen gestärkt, was in der realen Welt nur zu Halluzinationen führt. Inzwischen sind Drogen aus Games kaum wegzudenken. Sie kommen laut „Game Overdose“ in mehr als der Hälfte der Action-Spiele und 22 Prozent der Rollenspiele vor. 61 Prozent der Games, in denen Rauschmittel eine Rolle spielen, nutzen dabei reale Namen wie Kokain, Marihuana oder Heroin. Dazu kommen erfundene Drogen mit wohl realen Vorbildern wie Skooma in „Skyrim“. „Das ist ein Kristall. Man raucht in ihn der Glaspfeife und hat nachher Entzugserscheinungen“, meint Studienleiter Logan Freedman gegenüber der „BBC“. Das erinnere doch stark an Crack.

Die Darstellung der Auswirkungen des Drogenkonsums ist jedoch oft weniger realistisch. Denn in 32 Prozent der Games sind Drogen ein Power-Up, wie Pilze bei Mario, in 28 Prozent der Fälle bringen sie Lebenspunkte wieder, wie die Schmerzmittel beim tablettensüchtigen „Max Payne 3“. In 40 Prozent der Spiele führt Drogenkonsum aber auch dazu, dass der Nutzer in irgendeiner Form die Orientierung verliert. Zudem betont Archstone, dass manche Games sehr wohl versuchen, Drogen und ihre Auswirkungen realistisch darzustellen. Das umfasst beispielsweise Steroide in „Duke Nukem 3D“ oder die zwar zunächst vorteilhaften, aber suchtgefährlichen fiktiven Drogen der „Fallout“-Reihe.

Die Studienautoren verlangen allerdings nicht, dass Drogen aus Games verschwinden. Das wäre bei Titeln, die im Unterwelt-Milieu der Gegenwart spielen, wie der „Grand Theft Auto“-Reihe, auch noch unrealistischer als beschönigende Darstellungen der Folgen von Koks, Gras oder Heroin. „Es kommt eher auf die Eltern an und darauf, was ihre Kinder spielen“, meint Freedman. Er betont, dass Games mit starkem Drogenbezug in der Regel für Erwachsene gedacht sind. Sie haben auch entsprechende Altersfreigaben und Warnhinweise auf der Verpackung. (pte)