Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.03.2018


Europa

Uhren gehen um sechs Minuten nach: Keine Mehrkosten

Die Tiroler werden die Schwankungen im EU-Versorgungsnetz nicht auf der Rechnung wiederfinden, versprechen die Netzbetreiber.

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Von Brigitte Warenski

Innsbruck – Die jüngsten Schwankungen im europäischen Stromnetz haben die Uhren bis zu sechs Minuten aus dem Takt gebracht. Grund dafür ist, wie berichtet, der Dauerkonflikt zwischen Serbien und dem Kosovo, der laut europäischem Verband der Übertragungsnetzbetreiber, ENTSO-E, seit Mitte Jänner zu einer Versorgungslücke am Strommarkt geführt hat.

„Um die Netzqualität aufrechtzuerhalten, muss die Netzfrequenz bei 50 Hertz liegen. Diesen Idealfall punktgenau zu gewährleisten, gelingt natürlich nicht durchgehend. Es kommt immer wieder zu Schwankungen“, erklärt Ronald Stärz, Lektor am Management Center Innsbruck (MCI). Die Netzschwankungen waren diesmal aber nicht kurzfristig, sondern über einen langen Zeitraum und hatten erstmals in Europa politische Gründe. Auch wenn die Versorgungssicherheit nie in Gefahr war, gibt es doch kleine Auswirkungen, die der Konsument eigentlich nicht wahrnimmt. „Wenn die Netzfrequenz zu niedrig ist, nehmen induktive Verbraucher wie z. B. der Motor einer Bohrmaschine oder einer elektrischen Saftpresse mehr Leistung auf als bei Nennfrequenz, was zu einer höheren Stromrechnung führen kann. Diese würde zwar nur im Promillebereich liegen, in Summe für ganz Europa ist das aber doch viel Geld“, so Stärz. Thomas Rieder, Geschäftsführer des Netzbetreibers Tinetz, der 235.000 Stromkunden versorgt, beruhigt Tirols Konsumenten: „Diese Netzschwankungen sind im Minimalbereich und wirken sich daher in keinster Weise auf die Kunden aus.“ Auch die Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB), die 80.000 Stromkunden haben, versprechen, dass es zu „keinen Mehrkosten auf der Stromrechnung kommen wird“, heißt es seitens der Öffentlichkeitsarbeit der IKB.

Die ENTSO-E hat am Donnerstag bestätigt, dass die Abweichung vom 50-Hertz-Mittelwert inzwischen gestoppt ist. Laut ENTSO-E „wird nun ein Plan ausgearbeitet, wie die fehlende Energie wieder zurück ins System gespeist und damit auch die Netzzeit wieder ausgeglichen werden kann“. Könnte damit passieren, dass jene Uhren, die jetzt manuell nachgestellt wurden, als Folge dann vorgehen? Das schließe­n die IKB aus: „Die Zeit wird laufend korrigiert. Sie sollte bis Ende März wieder korrekt auf den elektronischen Uhren angegeben werden.“