Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.04.2018


Osttirol

Neue Hightech-Brille aus Osttirol soll vor Pollen schützen

Die Oberlienzer Firma Micado arbeitet an einer Schutzbrille für Allergiker. Luftzirkulation und Design sind besonders herausfordernd.

© OblasserProjektmitarbeiter Simon Mair (l.) und Micado-Geschäftsführer Edwin Meindl beschäftigen sich mit der Entwicklung einer Pollenschutzbrille.Foto: Oblasser



Von Catharina Oblasser

Oberlienz – Es wäre ein Traum für jeden Menschen, der unter Heuschnupfen leidet: Vor dem Gang ins Freie einfach eine Brille aufsetzen und tränende Augen, ständiges Niesen und Jucken wären kein Thema mehr.

An genau dieser Lösung wird im Oberlienzer Hightech-Unternehmen Micado derzeit geforscht. Passend zum Thema Pollenallergie trägt die Brille den Namen „APollO“, schildern Projektmitarbeiter Simon Mair und Micado-Geschäftsführer Edwin Meindl. Der Impuls zur Pollenschutzbrille kam über das italienische Institut Certottica, das für die internationale Zertifizierung von Schutzbrillen und optischen Produkten zuständig ist. Inzwischen ist Micado über das Interregprojekt CLLD Dolomiti Live mit dem italienischen Institut verbunden.

„Ursprünglich war das Projekt auf eine Schutzbrille gegen Feinstaub ausgerichtet“, erklärt Simon Mair. „Dazu gibt es schon eine Machbarkeitsstudie und viele Daten.“ Doch in europäischen Breiten erschien den Osttirolern der Schutz vor Pollen vielversprechender. „Das ist bei uns viel brisanter als Feinstaub“, meint Mair. „Es gibt viele Allergiker oder Menschen, die erst mit fortschreitendem Alter eine Pollenallergie entwickeln.“ Zusätzlich überlegen die Produktentwickler das Entwerfen einer Maske, die auch Nase und Mund pollenfrei hält.

Bei „APollO“ gibt es zwei große Herausforderungen. „Das Schwierigste an der Konstruktion ist es, ein Beschlagen durch die Körperwärme zu verhindern, aber die Brille trotzdem dicht zu machen“, erläutert Simon Mair. Schließlich sind Pollen überaus winzig, sie sind viel kleiner als der Durchmesser eines menschlichen Haares.

Außerdem muss das Ganze auch gut aussehen. „Ohne entsprechendes Design wird niemand die Brille aufsetzen wollen“, führt Edwin Meindl aus. „Eine Brille ist ein Lifestyle-Produkt, sie muss den Leuten auch gefallen.“ Deshalb betreiben die Micado-Männer „Feldforschung“ im Familien- und Bekanntenkreis. Personen werden gefragt, ob sie sich das Tragen von diesem oder jenem Modell vorstellen können und wie viel sie dafür zu zahlen bereit wären.

Bevor die Firma sich an den Entwurf machte, waren grundlegende Erhebungen nötig: zum Beispiel, ob sich Anbieter finden, die eine solche Brille bereits verkaufen. „Die beste Idee ist umsonst, wenn es das Produkt auf dem Markt schon gibt“, begründet Meindl. Mair ist Spezialist für Patent-Recherche. Sogar für kleinste Details eines Produkts können Patente existieren, die man nicht verletzen darf. Wenn alle Probleme gelöst sind, wird der Protoyp über einen 3D-Drucker ausgedruckt und eine Vertriebsfirma für „APollO“ gesucht.

Micado wurde 1998 mit drei Mitarbeitern gegründet, heute sind es 40. Ein Zubau für 20 weitere Ingenieure soll im Sommer fertig sein. Die Firma ist in den Sparten Automatisierungstechnik, Werkzeug- und Vorrichtungsbau sowie Produktentwicklung tätig. 2017 wurde ein Umsatz von 6,5 Millionen erwirtschaftet. Tendenz: steigend.