Letztes Update am Do, 19.07.2018 12:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Facebook-Inhalte

Holocaust-Leugner nicht sperren: Massive Kritik an Zuckerberg

Großes Unverständnis erntet der Facebook-Chef für seine Interview-Aussagen. In dem sozialen Netzwerk sollen Postings, in denen der Holocaust im Zweiten Weltkrieg geleugnet wird, nicht gelöscht werden.

© AFPMit Demo-Aktionen wird immer wieder scharfe Kritik an Fake-Accounts und Fake-News protestiert, die auf Facebook kursieren.



Menlo Park – Massive Kritik schlägt derzeit Facebook-Chef Mark Zuckerberg entgegen. In einem Interview mit dem Technikblog Recode sagte er, dass Holocaust-Leugner in dem sozialen Netzwerk nicht gesperrt werden sollen. Inhalte sollten nur verboten werden, wenn sie für Angriffe auf jemanden verwendet würden oder Schaden erzeugten, so Zuckerberg.

Neben einem Shitstorm in den sozialen Netzwerken hat auch das Wiesenthal-Zentrum mit scharfer Kritik am Facebook-Gründer reagiert. „Mark Zuckerberg hat Unrecht“, sagt Rabbi Abraham Cooper, führendes Mitglied des Zentrums, das mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt geworden ist.

„Moralische und ethische Verpflichtung“

„Holocaust-Leugung ist klassische ‚Fake News‘“, sagte Cooper laut einer Mitteilung des Zentrums. Der Holocaust sei „das am gründlichsten dokumentierte Verbrechen der Geschichte“. Eine Leugnung dieses Verbrechens, die auf einer Lüge basiere, könne nicht im Namen der Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden. Auch die Bürgerrechtsorganisation Anti-Defamation League erklärte, Facebook habe eine „moralische und ethische Verpflichtung“, Nutzern die Verbreitung der Holocaustleugnung zu verbieten.

Zuckerberg hatte in dem Interview gesagt, er selbst sei Jude und es gebe eine Reihe von Menschen, die den Völkermord an den Juden im Zweiten Weltkrieg bestritten. Das finde er sehr beleidigend. „Aber am Ende glaube ich nicht, dass unsere Plattform das herunternehmen sollte, weil ich denke, dass es Dinge gibt, bei denen verschiedene Menschen falsch liegen. Ich denke nicht, dass sie absichtlich falsch liegen.“

Nach heftiger Kritik ergänzte Zuckerberg in einem Nachtrag: „Ich persönlich finde die Leugnung des Holocausts zutiefst beleidigend und ich wollte absolut nicht die Absicht von Leuten verteidigen, die das leugnen.“ Ziel bei der Bekämpfung von Fake News sei es nicht, jemanden zu hindern, etwas Unwahres zu sagen - sondern die Ausbreitung von Falschinformationen über die Facebook-Dienste zu stoppen.

Postings mit Potenzial zu Gewalteskalation werden gelöscht

Sollte hingegen ein Post zu Gewalt oder Hass gegen einzelne Gruppen aufrufen, „würde dieser entfernt“. Facebook erklärte, dass man die Richtlinien dahingehend ändern werde. Der Schritt zielt Facebook zufolge auf Falschmeldungen, die zu Gewalt beitragen oder beitragen könnten. Dazu zählen etwa Fotos, die bearbeitet wurden, um politische oder gesellschaftliche Konflikte anzuheizen. Die Neuerung bedeutet eine Verschärfung der bisherigen Regeln. Die Verbreitung von Hass und explizite Gewaltaufrufe sind auf Facebook schon verboten. Nun werden auch solche Beiträge erfasst, die Gewalt auslösen könnten.

Das Netzwerk testete seinen neuen Ansatz, die in den kommenden Monaten weltweit greifen soll, in Sri Lanka. Das südasiatische Land erlebte zuletzt eine Welle religiöser Spannungen. Facebook war dabei zur Verbreitung von Falschinformationen genutzt worden.

Facebook wird seit längerem vorgeworfen, als Plattform für die Verbreitung irreführender Informationen genutzt zu werden. Der US-Internetgigant reagierte mit einer Reihe von Änderungen seiner Nutzerregeln. Sie sollen dabei helfen, Falschmeldungen etwa im Vorfeld von Wahlen und Gewaltaufrufe aus dem Netzwerk zu entfernen. (TT.com, APA/AFP/sda)