Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.12.2018


Osttirol

Pionierleistung im Breitbandausbau

Fünf Jahre nach der Beschlussfassung zum Aufbau eines regionalen Glasfasernetzes im Planungsverband 36 Lienzer Talboden steht das Knotennetz vor der Fertigstellung. Die Initiative gilt als beispielgebend.

© BlassnigÜber die verlegten Lichtfaserkabel werden im Regionet auch zukünftig höchste Übertragungsraten erreicht werden.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Der Obmann des Planungsverbandes 36 Lienz und Umgebung, Josef Mair, hat in den letzten fünf Jahren eine Pionierleistung begleitet, die österreichweit Anerkennung erntet. Die Datenautobahn Regionet nimmt Formen an. „Wir mussten und wollten damals etwas tun“, sagt Mair, Mit Oskar Januschke vom Stadtmarketing in Lienz und großer Unterstützung durch Helmut Heis, den Breitband-Koordinator der Tiroler Landesregierung, ist die Initiative im Jahr 2013 gestartet. Nicht zuletzt gehe es um eine gemeinsame Anstrengung der Gemeinden, sich dank Datenautobahn einen Standortvorteil mit Zukunftssicherheit zu verschaffen. „Gerade zu Beginn war das Bewusstsein eines großen Ganzen, das über die Gemeindegrenze hinausgeht, für viele etwas Neues. Diese Hürde haben wir längst genommen“, berichtet Mair. Der Zukunftsraum Lienzer Talboden ist entstanden. Eine gleichnamige Homepage präsentiert Erreichtes und weitere Zielsetzungen. „15 Gemeinden – ein Lebens- und Wirtschaftsraum. Wir nehmen die Zukunft selbst in die Hand“, heißt es dort selbstbewusst. Das Regionet genannte Fiberglasnetz im Besitz des Planungsverbandes und damit der Gemeinden mag da als bestes Beispiel gelten.

„Inzwischen haben wir alle Verbandsmitglieder bis auf zwei erreicht und mit Backbones, also Knotenpunkten, ausgestattet“, erklärt Josef Mair. In Lavant fehle nur noch ein geeigneter Serverraum, die Leitung ist verlegt. Iselsberg ist die letzte der fünfzehn Gemeinden. Anfang nächsten Jahres wird man dort den letzten Knotenpunkt installieren. Damit ist die Aufgabe für den Verband abgeschlossen. Denn von diesen Schaltstellen aus übernehmen die Gemeinden die Verlegung bis zur Grundstücksgrenze der anzuschließenden Objekte. Ab dort sind die Besitzer selbst für die letzten Meter der Verteilung zuständig.

100 Kilometer Glasfaserkabel hat der Verband nur für die Vernetzung der Knotenpunkte verlegt. „Wobei wir einen großen Vorteil durch vorhandene Leerverrohrungen vorgefunden haben“, sagt Januschke. Über 40 Kilometer hat das Land an Tiwag-Leerrohren zur Verfügung gestellt. Das Elektrowerk Assling, die Fernwärme und der Abwasserverband haben ebenfalls für 25 Jahre Leitungsrechte an den Gemeindeverband abgetreten. Über eine Länge von insgesamt 82 Kilometern konnte also in bestehender Infrastruktur verlegt werden. „Blickt man in andere Gegenden Österreichs wie etwa Kärnten oder ins Burgenland, so befindet sich das Niederspannungsnetz der Elektroversorgung dort fast vollständig über der Erde. Allein die notwendigen Grabungsarbeiten sind in so einem Fall ein massiver Kostenfaktor“, relativiert auch Mair den Aufwand, den der Verband zu leisten hatte. Laut der österreichischen Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) können die Grabungsarbeiten 70 bis 90 Prozent der Ausbaukosten ausmachen.

Aus heutiger Sicht stehe für den Planungsverband 36 am Ende wohl ein Investitionsvolumen von 3,8 Millionen Euro fest. „Wir haben damit eine Infrastruktur geschaffen, um die uns das ganze Land in Wirklichkeit beneidet“, meint Januschke. Österreich sei im europäischen Vergleich weit ins Hintertreffen geraten. Vom Ziel, bis zum Jahr 2020 für 90 Prozent der Bevölkerung einen Breitbandzugang mit einer Downloadgeschwindigkeit von 100 Megabit (MBit) pro Sekunde zur Verfügung stellen zu können, sei man hierzulande weit entfernt.

Mit Kupferkabeln, die bisher in die Gebäude reichten, sind kaum höhere Geschwindigkeiten als 30 MBit/s zu erzielbar. Selbst die Mobilfunkanbieter haben diese Marke vor Jahren übertroffen und planen bereits den Aufstieg zum neuen Datenübertragungsstandard 5G, der das momentane LTE überflügeln wird. Kupferkabelgebundene Übertragung kann damit technisch nicht mehr mithalten. „Die Zukunft lautet mit Sicherheit Fiber To The Building bzw. Fiber To The Home (abgekürzt FTTB bzw. FTTH)“, ist Januschke überzeugt. Gemeint ist damit, dass die Glasfaserkabel bis in das Gebäude bzw. in das Heim geführt werden und keine Kupferleitungen die Übertragung ausbremsen.

In Osttirol würden die Planungsverbände 34 Matrei und Umgebung sowie 35 Sillian und Umgebung bereits dem Beispiel des PV 36 folgen, berichtet Obmann Mair. Über die Glasfaser-Netzinfrastruktur kann der Gemeindeverband künftig auch Einnahmen durch Vermietung erzielen. So plant die Kärntner Kelag, das Lesach- und das Mölltal über das Osttiroler Lichtleiternetz zu versorgen. Auch Mobilfunker müssen ihre 5G-Sendemasten flächendeckend mit Hochgeschwindigkeit an das Internet anbinden.

Von den 2400 Objekten in Lienz sind inzwischen 780 mit FFTB/H erschlossen.