Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 12.06.2019


Tirol

Per App in die Zeit von Kaiser Max eintauchen

„1519“ heißt eine aufwändig entwickelte Anwendung für Smartphones, die seit gestern eine digitale Ausstellungsstraße in zehn Tiroler Gemeinden aufspannt.

Bewusst modern gehaltene „Visuals“ sollen die Nutzer in die neue Anwendung – und damit in die Ära Maximilians I. – „hineinziehen“.

© DomanigBewusst modern gehaltene „Visuals“ sollen die Nutzer in die neue Anwendung – und damit in die Ära Maximilians I. – „hineinziehen“.



Hall – Dass vom laufenden Maximilian-Jubiläumsjahr mit seinem dichten Programm ein Mehrwert bleibt, zählt zu den Hauptzielen der Initiatoren. Dazu beitragen soll nun auch die neue, aufwändig entwickelte App „1519“ (benannt nach dem Todesjahr des Kaisers), die gestern in Hall erstmals vorgestellt wurde.

„Entscheidend ist der spielerische Zugang, es soll eine App für jedermann sein, nicht nur für Spezialisten und Kulturliebhaber“, meint Manuel Lampe von der Agentur „fundus“, die als Projektträgerin fungiert. Stadt Innsbruck und Land Tirol haben das Projekt zu je 50 % gefördert.

Die Idee einer „digitalen Ausstellungsstraße“ mit Angeboten in ganz Tirol sei schon 2017 geboren worden, erklärt Robert Gander vom Büro Rath & Winkler, das auf Ausstellungskonzeption und Museumsberatung spezialisiert ist. Die Ausarbeitung und Programmierung dauerte dann rund zwei Jahre – an die 70 Personen arbeiteten mit.

Ergebnis all der Mühen ist eine „progressive Web-App“, die Geschichte vor Ort erlebbar machen soll – an insgesamt 54 Stationen in Innsbruck, Hall, Schwaz, Kufstein, Rattenberg, Kitzbühel, Imst, Landeck, Reutte und Lienz. Je nach Standort dauern die Touren ein bis zwei Stunden.

Drei Historiker erstellten vorab für jeden Standort historische Dossiers, auf die ein Drehbuchautor aufbaute. Die App bietet ca. sechs Stunden an Audioerzählungen und Hörspielen – verfasst vom bekannten Autor Christoph W. Bauer, eingesprochen von vier Schauspielern – dazu Musik und visuelle Impulse: Künstler Daniel Pfurtscheller setzte historische Begebenheiten in Street-Art um, Eva Müller und ihr Team schufen Tanzchoreographien – etwa eine Neuinterpretation der Moriskentänze, die am Goldenen Dachl dargestellt sind. Hinzu kommen Bild- und Kartenmaterial, diverse Links und mehr.

Die Stationen reihen sich am Smartphone automatisch nach der Geoposition des Nutzers. Bei der Haller Burg Hasegg erfährt man z. B. Wissenswertes über Maximilians unglückliche zweite Ehe mit Bianca Maria Sforza. Thema ist aber auch das gesellschaftliche Umfeld um 1500, eine Zeit massiver Umbrüche in Politik, Wissenschaft und Kultur.

Die App „1519“ steht im Google-Play- und Apple-Store gratis zum Download bereit, alle Inhalte findet man auch unter www.1519.tirol. Bis August soll eine italienische Version fertig sein. Laut Lampe ist die App bis Ende 2020 ausfinanziert, zudem laufen Gespräche über eine „Übernahme durch einen öffentlichen Träger“ nach 2020. (md)