Letztes Update am Do, 04.07.2019 14:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Geheime Hass-Gruppe von US-Grenzschützern auf Facebook aufgeflogen

In einer geheimen Facebook-Gruppe machen aktive und ehemalige US-Grenzsschützer Witze über den Tod von Migranten und werfen mit Rassismus sowie sexistischen Äußerungen um sich. US-Heimatschutzminister Kevin McAleenan hat Ermittlungen angekündigt.

Der US-Grenzschutz macht nicht nur wegen seines Umgangs mit Migranten Schlagzeilen. Nun sorgt auch eine vor Rassismus triefende Facebook-Gruppe für Aufsehen.

© AFPDer US-Grenzschutz macht nicht nur wegen seines Umgangs mit Migranten Schlagzeilen. Nun sorgt auch eine vor Rassismus triefende Facebook-Gruppe für Aufsehen.



Washington, Menlo Park — In einer geheimen Facebook-Gruppe lassen amerikanische Grenzschützer offenbar ihrem Hass freien Lauf. In der Gruppe finden sich laut Informationen des investigativen Nachrichtenportals ProPublica Witze über den Tod von Migranten, offener Rassismus gegen Latinos und sexistische Bilder, die sich teils explizit gegen Politikerinnen richten.

Die im August 2016 gegründete Gruppe, die nach eigener Darstellung für Beamte der „US Border Patrol" in aktivem Dienst und Ruhestand ist, hat über 9500 Mitglieder. Das entspricht fast der Hälfte des aktiven Personalstandes, lässt also ausufernden Rassismus und Sexismus bei der Behörde befürchten.

Die Gruppe „I'm 10-15", deren Name eine Anspielung auf den Border-Patrol-Code für Ausländer in Gewahrsam ist, bezeichnet sich selbst als Forum für „lustige" und „ernsthafte" Diskussion rund um die Arbeit der Grenzschützer. Der Humor suggeriert aber teils menschenverachtende Gleichgültigkeit, etwa wenn es in Kommentaren zum Tod eines 16-Jährigen Migranten aus Guatemala im Mai dieses Jahres heißt „Tja" oder „Wenn er stirbt, stirbt er". Ein anderes Posting vermutet hinter dem in den vergangenen Tagen weit verbreiteten Bild eines im Rio Grande ertrunkenen Vaters aus El Salvador und seiner Tochter eine Fälschung der Demokraten und Liberalen.

Sexismus und Beschimpfungen gegen Politikerinnen

Demokraten scheinen in der Gruppe generell eher unbeliebt, insbesondere die beiden Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und Veronica Escobar. So schlägt ein Poster vor, diese bei ihrem Besuch eines Border-Patrol-Stützpunktes in Texas mit Burritos zu bewerfen.„Fickt diese Schlampen", meint ein anderer, der laut ProPublica-Recherche tatsächlich Supervisor bei der US Border Patrol zu sein scheint.

Ebenfalls in der Gruppe zu finden: Eine Fotomontage, die suggeriert, dass Donald Trump Ocasio-Cortez zum Oralsex zwingt. „Richtig, Schlampen. Die Massen haben gesprochen und heute hat die Demokratie gewonnen", so der Begleittext des Posters dazu.

Die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez.
Die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez.
- AFP

ProPublica konnte einige der an den „lustigen" Diskussionen beteiligten Poster mit realen Facebook-Profilen in Verbindung bringen, die tatsächlich — teils ranghöheren — Border-Patrol-Bediensteten zu gehören scheinen. Die Facebook-Postings dürften also tatsächlich widerspiegeln, wie manche Vertreter der der US Customs and Border Protection (CBP) unterstehenden Border Patrol wirklich ticken.

Immer wieder finden sich in der Facebook-Gruppe Beschimpfungen gegen die Abgeordnete Veronica Escobar (rechts).
Immer wieder finden sich in der Facebook-Gruppe Beschimpfungen gegen die Abgeordnete Veronica Escobar (rechts).
- AFP

„Die Kommentare und Memes sind zutiefst beunruhigend", meint Daniel Martinez, Soziologe an der University of Arizona. „Sie sind eindeutig xenophob und sexistisch." Für ihn sind sie ein Zeichen einer verbreiteten Kultur der Gewalt gegen Immigranten in der gesamten CBP. „Das sind nicht nur ein paar fehlgeleitete Beamte oder ?faule Äpfel'."

US-Heimatschutzminister kündigt Ermittlungen an

Der kommissarische US-Heimatschutzminister Kevin McAleenan hat die Kommentare in der Facebook-Gruppe verurteilt und eine Ermittlung angekündigt. Die Äußerungen seien verstörend und unverzeihlich, schrieb McAleenan am Mittwoch auf Twitter.

McAleenan erklärte, die Kommentare seien „völlig inakzeptabel". Er habe eine sofortige Untersuchung veranlasst. Jeder Mitarbeiter, der das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Aufgaben der Behörde gefährdet habe, werde zur Rechenschaft gezogen, kündigte der kommissarische Minister an. (TT.com, APA, pte)