Letztes Update am Mo, 07.10.2019 12:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


LGBTIQ

Studie bestätigt: LGBT-Videomacher werden von YouTube diskriminiert

Ein Unternehmen hat den YouTube-Algorithmus anhand von über 15.000 Wörtern getestet. Das Ergebnis ist erschreckend. Videos, bei denen im Titel das Wort „gay“ durch das Wort „happy“ ersetzt wurde, waren plötzlich wieder werbetauglich.

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Innsbruck — Schon lange hegen Videomacher aus der LGBTIQ-Gemeinschaft die Befürchtung, dass sie von YouTube benachteiligt werden (Anm: LGBTIQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, intersexuell und queer). Im August brachten einige Betroffene sogar eine Klage gegen die Videoplattform ein.

Eine neue Studie der Firma Ocelot AI scheint die Befürchtung der Betroffenen nun zu bestätigen: Bots von YouTube entziehen Videos, in denen Wörter wie „gay" oder „lesbian" vorkommen, demnach die Werbeeinnahmen. „Es handelt sich hier um eine sehr schwere Form von Diskriminierung, die noch viel zu wenig durchleuchtet wurde. Hier findet eine algorithmische Zensur statt, die LGBTIQ-Inhalte unterdrückt", wird Markus Ulrich, Sprecher des deutschen Lesben- und Schwulenverbandes auf pressetext.com zitiert. Es gehe nicht nur um die finanziellen Einnahmen der Videomacher, sondern auch um diejenigen, die sie sehen wollen.

Algorithmus anhand von mehr als 15.000 Wörtern getestet

Ocelot AI hat mit den Kanälen „YouTube Analyzed" und „Nerd City" den YouTube-Algorithmus anhand von über 15.000 Wörtern getestet. Die Fachleute untersuchten anhand von eigenen Videos, welche dieser Wörter YouTube-Bots automatisch als für Werbung ungeeignet erachten. Es stellte sich heraus, dass der Algorithmus beispielsweise ein Video als „inserentenfreundlich" einschätzte, wenn das Wort „gay" durch das Wort „happy" ersetzt wurde. Die Videos durften wieder Werbeeinnahmen erhalten, sobald die LGBTIQ-Terminologie entfernt war, auch wenn sich am tatsächlichen Inhalt nichts verändert hatte.

Google-Tochter YouTube leugnet die digitale Diskriminierung auf seiner Plattform vehement. Ein Sprecher führt die Ergebnisse der Studie auf einen Fehler des Algorithmus zurück. Es sei jedoch wichtig, dass User bei solchen Vorkommnissen Beschwerde einreichten. „Die Kritik stellt sicher, dass unser System aktualisiert und so immer besser wird", zitiert The Verge den Sprecher.

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Ulrich ist besorgt, dass Videos mit LGBTIQ-Sujets durch Bots im Verborgenen bleiben könnten: „Unter Umständen können Menschen, die sich über solche Themen informieren wollen, dadurch nicht die richtigen Inhalte finden." So würden sich sogenannte Filterblasen noch verstärken, denn „beispielsweise werden homophobe Menschen so nie mit einer Gegenposition konfrontiert." (TT.com/reh)

Video | "YouTube's größte Lüge":