Letztes Update am Fr, 11.10.2019 12:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU-Parlament

„Signal“-Verbot im EU-Parlament: Politiker sollen WhatsApp verwenden

Die IT-Techniker im EU-Parlament haben sich geweigert, auf den Rechnern von Abgeordneten den verschlüsselten Nachrichtendienst „Signal“ als Desktop-Version zu installieren. Sie rieten den Politikern zu „WhatsApp Web“.

Das EU-Parlament in Straßburg.

© APA/EPA/PATRICK SEEGERDas EU-Parlament in Straßburg.



Straßburg — Kurioses Schmankerl aus der EU-Politik: Die IT-Abteilung des EU-Parlaments hat Abgeordneten verboten, den verschlüsselten Nachrichtendienst "Signal" als Desktop-Version zu installieren — aus Sicherheitsgründen. Das berichtete die Plattform netzpolitik.org. Eine dementsprechende Bitte von Mitarbeitern der Linksfraktion wurde abgeschmettert. Den Abgeordneten wurde vorgeschlagen, stattdessen doch lieber die Webversion von WhatsApp zu verwenden.

Das ist deswegen kurios, weil gerade "Signal" einen Ruf als sicherer Nachrichtendienst hat. Sogar Whistleblower Edward Snowden hat die App empfohlen. Bei WhatsApp hingegen ist das mit der Sicherheit so eine Sache. Die App wirbt zwar mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Metadaten fließen aber dennoch an den WhatsApp-Eigentümer Facebook, wo möglicherweise Geheimdienste darauf zugreifen können.

Das wussten auch Martin Schirdewan von der deutschen Linken und Manon Aubry von La France insoumise, weswegen sie die IT-Abteilung per E-Mail um die Installation der Signal-Desktop-App baten. Wie eingangs erwähnt, wurde die Bitte abgelehnt. „Signal ist keine Standardsoftware im Europäischen Parlament und kann nicht installiert werden, ohne dass es vom Sicherheitsdienst und dem Standardkonfigurationsteam getestet und zugelassen wird", schrieb der IT-Support des Parlaments laut netzpolitik.org in einer E-Mail. „Wir empfehlen Ihnen, WhatsApp zu verwenden, das ebenfalls Ende-zu-Ende-sichere Kommunikation mit Leuten innerhalb und außerhalb des EP [Europäisches Parlament] erlaubt."

Abgeordneter verärgert

Den Linken-Abgeordneten Schirdewan ärgert diese Vorgehensweise in Zeiten von Snowden und Co.: „Dass wir sechs Jahre nach den mutigen Enthüllungen Edward Snowdens noch immer keine Möglichkeit haben, unsere Kommunikation im Parlament by default sicher zu gestalten und auf den EP-Geräten nicht einmal Apps wie Signal oder Wire installieren können, ist fahrlässig und unverantwortlich."

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Eineinhalb Jahre nach dem Cambridge-Analytica-Skandal auf WhatsApp zu verweisen, sei blauäugig und aus der Zeit gefallen. (TT.com/reh)