Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 19.07.2015


Gesellschaft

NS-Widerstand: Schwaz will „würdigen“ Ort

Eine Tafel beim Friedhof erinnert an die Widerstandskämpfer Max Bär und Josef Brettauer. Künftig soll die Stadt einen würdigeren Ort der Erinnerung haben, so BM Lintner.

© arkadenDen Arkadengang am Rande des Stadtparks favorisiert Bürgermeister Hans Lintner als Erinnerungsort.Foto: Dähling



Von Brigitte Warenski

Schwaz – Der Schwazer Schriftsteller Güni Noggler hat den Stein bereits 2011 ins Rollen gebracht. In einem Brief an die Schwazer Stadtverwaltung beantragte Noggler, den Gedenktafeln für die beiden NS-Widerstandskämpfer Max Bär und Josef Brettauer einen „zentraleren Platz“ zukommen zu lassen.

Die Gedenktafeln, die derzeit an der Mauer beim alten Friedhof (bei der Pfarrkirche) angebracht sind, sollten an die Fassade der Hans-Sachs-Volksschule kommen. „Für die Bildung unserer Kinder, aber auch für alle Schwazer und Gäste erscheint es mir von größter Wichtigkeit, dass besonders an einer derart gut sichtbaren Stelle eines öffentlichen Gebäudes zuallererst an bedeutsame historische Persönlichkeiten gedacht wird und erst in weiterer Folge an Sieger von sportlichen Veranstaltungen“, heißt es im Brief von Noggler. Zurzeit sind die Siegertafeln des Altstadtkriterium-Radrennens an der Fassade der Volksschule angebracht. Weil 2011 die private Gruppe, die vor über 20 Jahren die Widerstandstafeln initiiert hatte, Nogglers Ansuchen eine Absage erteilte, startete der Schwazer Schriftsteller diese Woche einen neuerlichen Vorstoß.

Bürgermeister Hans Lintner verspricht, dass sich der Kulturausschuss mit dem Erinnerungsort beschäftigen wird. „Ich persönlich war schon 2011 der Meinung, dass man einen attraktiveren Ort für die Gedenktafeln finden sollte“, so Lintner, dessen Großvater Chef der o5-Widerstandsgruppe im Bezirk Schwaz war. Lintner schwebt damals wie heute vor allem der Arkadengang am Rand des Stadtparks als Erinnerungsort vor. „Das wäre für mich ein würdiger Gedenkplatz, den man auch künstlerisch erweitern könnte.“ Die endgültige Entscheidung über den Erinnerungsort „wird im Gemeinderat noch heuer im 70-Jahre-Kriegsende-Gedenkjahr fallen“, sagt Lintner. Der Tiroler Historiker Horst Schreiber begrüßt es generell, dass „im Sinne einer lebendigen Erinnerungskultur nicht nur Tafeln angebracht werden, sondern man sich innovativere Dinge überlegt“.