Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.07.2015


Seefelder Plateau

Erinnerung an Todesmarsch vor über siebzig Jahren

Im April 1945 wurden KZ-Häftlinge aus Dachau über das Seefelder Plateau getrieben. Eine Gedenktafel nennt bis heute ein falsches Datum.

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© Breit



Absam, Seefeld, Telfs – Im Gemeindemuseum Absam erinnern drei Vorträge – heute um 20 Uhr, morgen und am Sonntag jeweils um 16 Uhr – an den Todesmarsch am Seefelder Plateau 1945. Heute Abend wird Museumsleiter Matthias Breit auch mit Albert Knoll, Archivar der KZ-Gedenkstätte Dachau, über die erschütternden Ereignisse von damals sprechen.

Ende April 1945 zwang die SS Tausende ausgemergelte, geschwächte Gefangene dazu, das Lager Dachau Richtung Tirol zu verlassen. Mindestens einer dieser „Evakuierungstransporte“ (wie es die NS-Behörden verharmlosend nannten), mit denen die Häftlinge vor den anrückenden US-Truppen fortgeschafft werden sollten, erreichte laut Gendarmeriechronik von Seefeld am 28. April den Seefelder Bahnhof.

Schon während der dreitägigen Bahnfahrt starben viele der rund 1700 jüdischen Häftlinge. „Ziel des Transports war offenbar die Gegend um das Ötztal“, erklärt Breit. Da jedoch die Zugverbindung Seefeld – Innsbruck nach alliierten Luftangriffen unterbrochen war, sollten die KZ-Häftlinge zu Fuß über Mösern und Telfs Richtung Oberland getrieben werden. Aber Gauleiter Hofer gab dem Gendarmerieposten Seefeld den Befehl, den Zug wieder zu sammeln und nach Bayern zurückzutransportieren – wohl aus taktischen Überlegungen kurz vor Kriegsende. Trotzdem begann die Wachmannschaft, die völlig entkräfteten Häftlinge noch am Abend des 28. April von Seefeld nach Mösern zu treiben. Mehrere von ihnen starben auf dem wenige Kilometer langen Marsch.

Die Kolonne wurde schließlich doch, Hofers Befehl folgend, von der SS-Wachmannschaft zurück nach Seefeld gezwungen, um sie nach Bayern zurückzubringen. Auch auf dem Rückweg starben zahlreiche Gefangene. Die genaue Zahl der Toten sei „nicht mehr rekonstruierbar“, so Breit. Eine Gedenktafel am Seefelder Waldfriedhof, der nach dem Krieg errichtet wurde, spricht von 63 KZ-Opfern aus Dachau, „beerdigt am 24. 4. 1945“. Dieses Datum sei definitiv unrichtig, betont Breit, „zu diesem Zeitpunkt hatte der Marsch noch gar nicht begonnen“. Eine Korrektur des Datums wäre „überfällig“, betont Breit, „und wichtig wäre auch, den historischen Kontext zu thematisieren. Es gibt seit Jahren ausreichend Forschungsmaterial.“

Hermann Hotter, Landesgeschäftsführer des Schwarzen Kreuzes, zuständig für die Kriegsgräberfürsorge, sagte im Gespräch mit der TT zu, sich näher mit der Angelegenheit beschäftigen zu wollen. (md)

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- Breit