Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.10.2015


Nachfrage steigt

Privater Waffenkauf explodiert in Tirol

Die Tiroler Waffenhändler registrieren seit einigen Wochen eine enorm gestiegene Nachfrage. Die Kunden hätten auf Grund der sozialen Veränderungen Ängste. Für Soziologen ist das kein neues Phänomen.

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Von Marco Witting

Innsbruck – Über Nachfrage könne man sich nicht beklagen, sagt Stefan Mair, Waffenhändler aus Fulpmes und Berufsgruppensprecher in der Wirtschaftskammer. Und seit „drei Wochen brennt die Sache“. Diese riesige Nachfrage, das würden die Kunden auch klar so benennen, liege an der „Angst“ durch die sozialen Veränderungen. „Die Menschen wollen sich schützen“, sagt Mair. Die, die sich schützen wollen, seien „keine Hobby-Rambos“, sondern Menschen aus allen Schichten, „darunter viele Frauen“.

„Wanderbewegungen in der Menschheitsgeschichte, waren schon vor Jahrhunderten mit zahlreichen Ängsten verbunden“, sagt der Wiener Soziologe Roland Girtler. Manche Menschen würden im Fremden eben eine Gefahr sehen. „Das liegt dem Menschen schon auch im Blut.“ Selbst wenn ein derartiges Handeln oder Denken unbegründet sein mag. Girtler erklärt aber auch, dass man solche Bewegungen „nie verallgemeinern“ dürfe und dass „etwas Neues für manche Menschen etwas Positives, für andere eben etwas Negatives“ bringe.

Tatsächlich ist es nur ein kleiner Teil, der eine Waffenbesitzkarte beantragt oder eine legal erworbene Flinte der Kategorie D kauft. Aber nach Jahren, in denen die Waffenbesitzer zurückgingen, zeigt die Tendenz jetzt wieder nach oben.

„Pfeffersprays sind bei Frauen eigentlich an der Tagesordnung“, sagt Mair, der auch Waffenführerscheine abnimmt. Auch hier erkennt der Fachmann eine „riesige Nachfrage“ und „so viele Interessenten wie nie zuvor“. Bisher seien Sportschützen die Hauptkunden im Waffenhandel gewesen. Jetzt würden auch Menschen kommen, die verschiedenste Sicherheitsbedenken haben, aber noch nie etwas mit einer Waffe zu tun hatten. 300 Waffenbesitzkarten wurden im ersten Halbjahr 2015 ausgestellt. Eine genaue Zahl, wie viele Langwaffen in diesem Zeitraum registriert wurden, kann man laut Ingo Gstrein von der Bezirkshauptmannschaft Schwaz schon deshalb nicht nennen, weil im Vorjahr durch das neue Zentrale Waffenregister (ZWR) eine komplette Registrierung notwendig wurde. Und das Arsenal in den Tiroler Eigenheimen ist gewaltig, die Dunkelziffer auch österreichweit wohl noch wesentlich höher.

In der Statistik sind natürlich auch jene Menschen inkludiert, die eine Waffe beruflich tragen, Sportschützen oder über die Schützen registriert sind. Nichtsdestotrotz sind gewisse legal zu erwerbende Waffen (vor allem Schrotflinten) derzeit österreichweit ausverkauft.

Im Innenministerium verweist man unterdessen darauf, dass man für eine Waffenbesitzkarte eine entsprechende Rechtfertigung anführen muss. Dem steht allerdings gegenüber, dass es auf einschlägigen Internetseiten Tipps dafür gibt, was man als solche Rechtfertigung angeben muss.

Schusswaffen der Kategorie C und D, im Wesentlichen also Büchsen und Flinten, kann jeder erwachsene Österreicher kaufen, sofern er eine Begründung dafür hat (Jäger, Sportschütze, zur Selbstverteidigung in den eigenen vier Wänden bereithalten) und kein Waffenverbot gegen ihn besteht.