Letztes Update am Mi, 21.10.2015 21:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spottpreis

„Goldenes Brett vorm Kopf“ für Viren-Leugner Stefan Lanka

Impfgegner Stefan Lanka leugnet die Übertragung von Krankheiten wie Aids oder Masern durch Viren. Er versprach jener Person, die ihm dies bewies, 100.000 Euro. Als ein Mediziner ihm mehrere Studien schickte, weigerte sich Lanka zu zahlen – und wurde per Gericht dazu verurteilt. Während die Berufung darüber noch läuft, kann er sich immerhin über einen wenig ehrenhaften Preis freuen.

Symbolfoto.

© TT/BöhmSymbolfoto.



Wien – Der deutsche Biologe Stefan Lanka erhält heuer das „Goldene Brett vorm Kopf“ für den „größten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres“. Lanka glaube, dass Infektionskrankheiten wie Aids, Ebola oder Masern nicht von Viren übertragen werden und lasse sich weder von Studien noch Gerichtsurteilen erschüttern, so die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP).

Das „Goldene Brett fürs Lebenswerk“ geht an den Arzt und Wunderheiler Matthias Rath für die Vermarktung seiner „Zellularmedizin“ - auch zur Bekämpfung von Krankheiten wie Aids oder Krebs. Mit ihren am Mittwochabend in Wien verliehenen Spottpreisen „ehrt“ die GWUP alljährlich Personen oder Institutionen, „die esoterische oder unwissenschaftliche Behauptungen verbreiten und sich durch eine ganz besondere Resistenz gegenüber wissenschaftlichen Fakten ausgezeichnet haben“.

Neben Lanka waren auch FPÖ-Umweltsprecherin Susanne Winter und der Wundermittel-Verkäufer Jim Humble für die Haupt-Auszeichnung nominiert. Lanka verdiente sich diese unter anderem für Bücher wie „Der Masern-Betrug“ oder „Impfen und Aids: Der neue Holocaust“. Er bestreitet, dass Viren Krankheiten auslösen und spricht sich konsequenterweise gegen Impfungen aus. „Mit der Virologie erklärt er ein ganzes Teilgebiet der Medizin für obsolet, das seit Jahrhunderten große Triumphe feiert und bereits unzählige Menschenleben gerettet hat“, begründet die GWUP.

International bekannt wurde Lanka durch die Auslobung von 100.000 Euro für jene Person, die ihm Existenz und Größe von Masernviren mit wissenschaftlichen Methoden belegen kann. Nachdem ihm ein Mediziner mehrere Studien sowie seine Kontonummer geschickt hatte, verweigerte Lanka allerdings die Zahlung - und wurde heuer von einem Gericht dazu verdonnert. Derzeit läuft noch seine Berufung. „Diese Hartnäckigkeit macht Stefan Lanka zu einem überaus würdigen Gewinner des diesjährigen ‚Goldenen Bretts‘“, sagte die GWUP.

In den Vorjahren wurden etwa die Organisation „Homöopathen ohne Grenzen“ für den Einsatz von Homöopathie in Krisengebieten oder der Sänger Xavier Naidoo für sein Engagement für die „Reichsbürgerbewegung“ „ausgezeichnet“. Bei der Preisvergabe spielen unter anderem der „Grad der Abwegigkeit“ der vertretenen Theorien, die Kritikresistenz der Personen bzw. Organisationen und deren kommerzielles Interesse eine Rolle. Außerdem wird bewertet, inwieweit para- oder pseudowissenschaftliche Theorien ausdrücklich als Wissenschaft ausgegeben und inwieweit Gesundheit oder das politisch-gesellschaftliche Gefüge gefährdet werden. (APA)