Letztes Update am Di, 27.10.2015 06:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Nationalfeiertag: Flieger bestaunen und Politik zum Anfassen

30.000 Besucher stürmten gestern das Innsbrucker Flughafenfest, um spektakuläre Flugzeuge und Hubschrauber in der Luft und am Boden zu inspizieren. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit und brachten im Landhaus den Politikern ihre persönlichen Anliegen vor.

Das Bundesheer lockte mit der Hercules C-130, einem gewaltigen Transportflugzeug mit 20 Tonnen Frachtkapazität, ganztägig Besucherscharen an.

© Vanessa Weingartner / TTDas Bundesheer lockte mit der Hercules C-130, einem gewaltigen Transportflugzeug mit 20 Tonnen Frachtkapazität, ganztägig Besucherscharen an.



Von Michael Domanig und Gabriele Starck

Innsbruck – Der gestrige Nationalfeiertag war in Tirol auch ein Festtag für Flugzeugfans jeden Alters: Rund 30.000 Besucher strömten zum Flughafenfest in Innsbruck, das in dieser Form bereits seine zehnte Auflage erlebte. Zum gewaltigen Andrang trug natürlich auch das traumhafte Herbstwetter bei. Schon um halb neun, eineinhalb Stunden vor Einlass, seien die Besucher „scharenweise gekommen“, berichtet Patrick Dierich, Flughafen-Prokurist und Veranstaltungsleiter, der sich über ein „großes Familienfest“ freute.

Besonders dicht waren die Menschentrauben am Vorfeld, wo diverse Organisationen, Vereine und Firmen Luftfahrzeuge aller Art ausstellten: Das Bundesheer war nicht nur mit „Black Hawk“-Hubschraubern vertreten, sondern auch mit dem gewaltigen Transportflugzeug Hercules C-130, das sich einmal mehr als Publikumsmagnet Nummer eins erwies: Die Besucher stellten sich den ganzen Tag über an, um einen Blick ins Innere der 30 Meter langen Maschine mit 41 Metern Spannweite und 18.000 PS Gesamtleistung zu erhaschen.

Ein weiterer Blickfang waren die silbrig-blau schimmernde DC-6B und der B-25 „Mitchell“-Bomber, mit dem die Flying Bulls aus Salzburg zu Rundflügen starteten.

Für große Augen und offene Münder sorgten auch die Segelkunstflug-Vorführungen der Innsbrucker Segelflieger Vereinigung (ISV), die heuer ihr 65-jähriges Bestehen feiert. Pilot Siegfried Mayr zauberte mit bis zu 300 km/h atemberaubende Figuren in den tiefblauen Himmel.

Auf der „Landseite“, also auf den Parkplätzen vor dem Flughafengebäude, vergnügten sich die Kinder derweil auf Hüpfburg und Rutschen. Das Einsatzkommando Cobra demonstrierte am Tower unter anderem verschiedene Abseiltechniken. Diese durchaus gefährlichen Übungen erfolgen ohne Netz und doppelten Boden – das zeigte sich, als sich ein Beamter verletzte und die Übung kurzzeitig unterbrochen werden musste. Der reguläre Flugbetrieb blieb während des Fests aufrecht.

Fliegende Maschinen waren es auch, die auf dem Landhausplatz zuallererst die Blicke der Kinder auf sich zogen. Zwei gelbe ÖAMTC-Hubschrauber – einer davon aufblasbar, dafür aber größer als das Original – streckten ihre Rotoren über die Köpfe der Menschen hinweg und konnten so selbst inmitten der Besuchermassen von niemandem übersehen werden. Ein paar Meter weiter zeigte der sechsjährige Fabio aus Sautens den Feuerwehrmännern, wie zielgenau er bereits mit einem Wasserschlauch umgehen kann. „Es ist wirklich viel los heute“, meinte Dietmar Nagele von der Verkehrsabteilung der Polizei, die ein paar schöne Stücke ihres Fuhrparks zeigte.

Doch nicht nur der Vorplatz war gut gefüllt. Dem blauen Himmel und den spätsommerlichen Temperaturen zum Trotz schoben sich im Inneren die – hier vor allem erwachsenen – Besucher von einer Präsentation zur anderen, von einem Büro eines Regierungsmitglieds zum nächsten. Nicht nur Politiker schauen, auch mit ihnen reden war das Ziel von vielen. Und so standen sie Schlange, um ihre Anliegen bei Herrn Landesrat bzw. Frau Landesrätin zu deponieren oder vielleicht vom Landeshauptmann persönlich die ein oder andere Anwort auf drängende Fragen zu erhalten.

Um Flüchtlinge ging es gestern weniger, auch kaum um Landesgagen und Zusatzpensionen, die zuletzt Schlagzeilen geliefert hatten. „Es ändert sich ja eh nichts“, meinte Alice Reiche. Ihre Neugier habe sie hierherkommen lassen, erzählte die Kufsteinerin, die inzwischen im Landtagssaal Platz genommen hatte und den Ausführungen von Landtagsvizepräsident Anton Mattle (ÖVP) lauschte.

Von Politikverdrossenheit war gestern jedenfalls nichts zu spüren bei den mehr als 10.000 Besuchern, manchmal aber ein wenig Ratlosigkeit. „Die Liste Fritz, wer wär jetzt des?“, meinte ein Herr zu zwei Helferinnen, die Folder austeilten. Ein bisschen Erkenntnisgewinn über die Zusammensetzung des Landtags dürfte gestern also auch mit nach Hause genommen worden sein.