Letztes Update am Di, 08.12.2015 15:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heiliges Jahr beginnt

„Öffnet die Tore“: Papst trotzt Terrorangst

Manch ein Gläubiger blieb aus Angst vor Anschlägen lieber zu Hause, auch den Sicherheitsbehörden bereitete der Dienstag in Rom Kopfzerbrechen. Doch einer zeigte ich unbeeindruckt: Papst Franziskus eröffnete trotz aller Drohungen sein Heiliges Jahr.

Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte, die das Tor zum Paradies symbolisiert.

© AFP/Vincenzo PintoPapst Franziskus öffnet die Heilige Pforte, die das Tor zum Paradies symbolisiert.



Rom – Papst Franziskus musste mehrfach drücken, bevor sich die schweren Flügel des Nordportals des Petersdoms nach innen öffneten. Langsamen Schrittes ging der Pontifex dann in seine Basilika hinein, hin zum Hauptaltar, der sich über dem Grab des Apostels Petrus erhebt. Ihm folgte sein Vorgänger Benedikt XVI., der im Februar 2013 von seinem Amt zurückgetreten war. Vom Alter gebeugt, den Gehstock in der Rechten und gestützt von seinem Privatsekretär Georg Gänswein, durchschritt auch der 88-Jährige die Heilige Pforte.

Nach der Öffnung der Heiligen Pforte in der rechten Vorhalle des Petersdoms schritt er zum Altar.
Nach der Öffnung der Heiligen Pforte in der rechten Vorhalle des Petersdoms schritt er zum Altar.
- AFP/Alberto Pizzoli

Mit den Worten „Öffnet mir die Tore der Gerechtigkeit“ war Franziskus zuvor an die seit fast 15 Jahren verschlossene Bronzepforte herangetreten. Der Vers 19 aus Psalm 118 ist die übliche Formel zur Öffnung der Heiligen Tür. Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. hatte sie zuletzt im Heiligen Jahr 2000 aufgemacht und Anfang 2001 wieder zugeschlossen. Manches hat sich seit damals verändert in der Ewigen Stadt - nicht nur, dass viele Gläubige, die am Dienstag den Päpsten, Kardinälen und Spitzenpolitikern durch die Heilige Pforte folgten, für Selfies mit dem Smartphone stehen blieben.

Umfangreiche Sicherheitschecks nach Terrordrohungen

Die rund 50.000 Menschen, die am Dienstag zur Messe auf den Petersplatz strömten, mussten sich angesichts von Terrordrohungen auch umfangreiche Sicherheitschecks gefallen lassen. Die Polizei war mit tragbaren Metalldetektoren im Einsatz, Taschen, Beutel und auch Kinderwagen wurden kontrolliert. Über Rom galt ein Flugverbot. Am Ende wurde es bei erst regnerischem und dann aufhellendem Dezemberhimmel eine friedliche Feier. In seiner Predigt stellte Franziskus (78) den verzeihenden über den strafenden Gott.

Papst ließ sich von „Jubiläum der Barmherzigkeit“ nicht abbringen

Der Islamische Staat (IS) hatte in seiner Propaganda schon seit dem vorigen Jahr Rom als Zentrum der Christenheit zu einem Angriffsziel erklärt. Nach den Anschlägen von Paris am 13. November waren in und um Rom Stimmen laut geworden, das „Jubiläum der Barmherzigkeit“ doch abzusagen oder zu verschieben. Der Papst ließ sich nicht beirren. Er ließ sich auch nicht davon abbringen, Ende November die von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen zerrissene Zentralafrikanische Republik zu besuchen. Neun Tage vor jener in Rom öffnete er eine Heilige Tür zur Kathedrale von Bangui.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Polizei und Carabinieri, vatikanische Gendarmerie und Schweizer Garde sicherten am Dienstag einen ungestörten Ablauf der Feier. Der Papst segnete ein für das Jubeljahr gedrucktes wertvolles Evangeliar mit prächtigen Abbildungen. Es wurde aufgeschlagen auf einem kleinen Thron platziert, zu sehen war eine Darstellung, wie der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die Geburt Jesu‘ ankündigt. Denn der 8. Dezember ist im katholischen Kalender auch das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis.

Lichtschau mit Motiven weltbekannter Fotografen

Am Abend war am Petersdom noch eine spektakuläre Lichtschau geplant. Unter dem Motto „Fiat Lux“ (Es werde Licht) sollten Motive weltbekannter Fotografen zu Themen wie Klimawandel, Natur und Menschheit auf Fassade und Kuppel projiziert werden.

Der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung, der das Jubeljahr organisiert, verspricht allen Pilgern, die sich auf den Weg nach Rom machen, eine Urkunde. Wie viele tatsächlich kommen werden, darüber will niemand mehr Schätzungen abgeben. Die römischen Hoteliers kamen jedenfalls bisher nicht auf ihre Kosten. Obwohl der 8. Dezember im katholischen Italien ein beliebter Feiertag ist, standen nach Verbandsangaben zu Wochenbeginn 30 Prozent der Betten leer - weit mehr als vor einem Jahr um diese Zeit. (dpa)

Nach Franziskus durchschritt auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. die Schwelle der Heiligen Pforte.
Nach Franziskus durchschritt auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. die Schwelle der Heiligen Pforte.
- AFP/Vincenzo Pinto