Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.12.2015


Bezirk Kitzbühel

Christophorus-Jubiläum: Zwischen Tragödie und Hochgefühl

Der Christophorus-4-Rettungshubschrauber feiert seinen 30. Geburtstag. Die einsatzreiche Geschichte ist vor allem von der Wanderschaft zwischen Kitzbühel und St. Johann und Visionären geprägt.

Seit 30 Jahren ist der C4 im Einsatz. Grundgedanke war es, den Notarzt so schnell wie möglich zum Patienten zu bringen, auch auf der Piste.

© Harald AngererSeit 30 Jahren ist der C4 im Einsatz. Grundgedanke war es, den Notarzt so schnell wie möglich zum Patienten zu bringen, auch auf der Piste.



Von Harald Angerer

Reith b. K. – Dass schon kurz nach einem schweren Unfall ein Rettungshubschrauber beim Patienten landet, ist heute selbstverständlich – vor 30 Jahren hingegen völlig neu. Und so waren es auch Visionäre wie Richard Profanter, die den Christophorus 4 zum Abheben brachten. Heute Abend feiert die Mannschaft der ÖAMTC-Flugrettung das runde Jubiläum des Notarzthubschraubers im Bezirk Kitzbühel.

„Vor 30 Jahren war der Notarztgedanke einfach noch nicht vorhanden. Weder bei der Bevölkerung noch bei den Rettungskräften“, schilder­t Profante­r. Es habe zwar eine Versorgung aus der Luft durch das Innenministerium gegeben, diese war aber alles andere als ausreichend. Deshalb hat man bereits im Jahr 1981 mit Franz Schider die „Air Austria Rettungsflugwacht“ in Waidring gegründet. Im Jahr 1983 folgte dann der erste ÖAMTC Christophorus C1 in Innsbruck. „Der ÖAMTC hat aber für Mitglieder die Bergung gratis übernommen, damit war unsere Idee, Mitglieder für die Rettungsflugwacht zu gewinnen, gescheitert“, berichtet Profanter.

Als Mitarbeiter der Bergbahn Kitzbühel war Profanter aber klar, dass eine Rettung aus der Luft für die Skigebiete in der Region dringend gebraucht würde. „Ich habe dann beim ÖAMTC angebracht, dass wir auch einen solchen Christophorus im Bezirk brauchen. Denn wenn wir im Winter jedes Mal den C1 anfordern, wird der Hubschrauber nur mehr bei uns unterwegs sein“, sagt Profanter. Aber erst als alle Bürgermeister des Bezirks gemeinsam einen solchen Hubschrauber gefordert hatten, landete der Rettungshubschrauber im Bezirk. Am 10. Dezember 1995 hob der damals noch C1a genannte Heli das erste Mal in St. Johann ab.

Eigentlich war der C1a nur für den Winter gedacht, „es war uns aber sofort klar, dass wir den Hubschrauber nicht mehr hergeben“, sagt Profanter und der Heli blieb auch gleich nach dem Winter fix im Bezirk, als C4. Die folgenden Jahre waren dann von der Wanderschaft zwischen Kitzbühel und St. Johann geprägt. „Der C4 hatte ja in Kitzbühel stationiert werden sollen, doch der Bau des Hangars wurde kurzfristig abgeblasen“, schildert Hannes Rathgeb, der Stützpunktleiter des C4. Die St. Johanner haben dafür vorerst den Christophorus gerne aufgenommen, doch schon bald wollte man den Heli nur noch im Sommer dort stationiert wissen. So wanderte der gesamte Stützpunkt alle sechs Monate von St. Johann nach Kitzbühel und wieder retour. Erst im Jahr 2007 mit dem Ausbau des Bezirkskrankenhauses St. Johann endete diese „Lastenteilung“, wie sie bezeichnet wurde.

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Damit war die Reise aber noch nicht zu Ende für den C4, denn auch in Kitzbühel musste der Hangar mit dem Bau des Reha-Zentrums wieder geräumt werden und so übersiedelte die C4-Mannschaft zum bislang letzten Mal am 23. 12. 2011 nach Reith zu ihrem jetzigen Zuhause. Neben der Technik hat sich auch die Einstellung der Bevölkerung und der Rettungskräfte geändert. „Der C4 ist in der Region zu einer beliebten Marke geworden“, ist Rathgeb überzeugt und Profanter unterstreicht: „Wir sammeln Fans durch Einsätze.“ Es gebe im Bezirk kaum noch Menschen, die nicht schon selbst oder zumindest indirekt mit dem C4 zu tun hatten, das schaffe Vertrauen, sind beide überzeugt. Insgesamt verbuchte der C4 vom 10. Dezember 1995 bis zum 30. November 2015 24.868 Einsätze. Dabei reichte das Gebiet teilweise bis Bayern und zum Großglockner.

Der schwärzeste Tag in der Geschichte des C4 ist der 5. Juni 1999. Bei einem Einsatz ist der C4 in Ellmau abgestürzt, der Notarzt kam dabei ums Leben, Pilot und Flugretter wurden schwer verletzt – ein schwerer Schlag für die Mannschaft. Doch die positiven Erinnerungen in den vergangenen 30 Jahren überwiegen. „Wie zum Beispiel, als wir ein 1,5 Jahre altes Kind aus einem Fischteich retten und wiederbeleben konnten. Nach sechs Monaten stand der Junge dann mit seinen Eltern bei uns am Stützpunkt, das sind schon ganz besondere Momente“, schildert Rathgeb. Aber auch die Segnung des C4 im Jahr 1988 vom damaligen Papst Johannes Paul II., die erfolgreiche Bergung von Hannes Grugger beim Hahnenkammrennen 2011 oder auch die letzte Geburt eines Kitzbühelers auf Kitzbüheler Boden, aber bereits im Hubschrauber im Jahre 2011.