Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.01.2016


Gesellschaft

Das Schaltjahr, ein echter Sonderling

Der Februar geht heuer in die Verlängerung. Schuld ist unser ungenaues Kalendersystem. Den Extra-Tag am 29.2. kann man für vieles nutzen. Fast 6000 Landsleute feiern da Geburtstag.

Der Februar tanzt heuer aus der Reihe: Mit dem 29. Februar kann man sich über einen Schalttag freuen, der so nur alle vier Jahre vorkommt.

© iStockDer Februar tanzt heuer aus der Reihe: Mit dem 29. Februar kann man sich über einen Schalttag freuen, der so nur alle vier Jahre vorkommt.



Von Markus Schramek

Innsbruck — Schon zu Schulzeiten gab das Stichwort „Schaltjahr" Anlass für allerhand Kopfakrobatik. Warum ist jedes vierte und durch vier teilbare Jahr einen Tag länger, hat also 366 statt 365 Tage, weil der Februar von 28 auf 29 Tage aufgestockt wird?

2016 ist wieder ein Schaltjahr. Das bietet die Gelegenheit, längst Vergessenes um dieses Thema wieder auszugraben. Wenn schon nicht in den (Un-)Tiefen des eigenen Gehirns, dann in einem Nachschlagewerk von Format. Dort, etwa in der ziemlich schlauen Encyclopædia Britannica, ist der Begriff schwarz auf weiß erklärt — und, gottlob, noch dazu auch verständlich.

1. Schaltjahr — wozu? Ein zusätzlicher Tag alle vier Jahre in Form des 29. Februar ist nötig, um eine Unschärfe zwischen unserem gregorianischen Kalender (im Normalfall 365 Tage) und dem Sonnenjahr (etwas länger) auszugleichen. Das Sonnenjahr ist jene Zeit, die Mutter Erde für eine komplette Umrundung der Sonne benötigt. Unpraktischerweise ist unser Planet dafür aber keine schön runde Zahl an Tagen unterwegs, sondern er braucht eine Zeit, bei der auch hinter dem Komma etwas steht: Ein Sonnenjahr dauert rund 365,25 Tage.

Fügt man also jedes vierte Kalenderjahr einen ganzen Tag extra ein (entspricht vier mal 0,25 Tagen), dann passt die Rechnung wieder. Zumindest zwischen unserem Kalender und dem Sonnenjahr.

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Aber auch abseits astronomischer Gesetzmäßigkeiten ist so ein Schaltjahr ein echter Sonderling, wie die folgenden Stichworte zeigen.

2. Geboren am 29. Februar. „Happy Birthday!" (oder so etwas in dieser Art) heißt es am 29. Februar für 5803 Österreicherinnen und Österreicher, 484 davon leben in Tirol. Sie alle haben nach den Daten von Statistik Austria just an einem Schalttag das Licht der Welt erblickt. Im Schnitt wächst die Bevölkerung der Alpenrepublik an jedem Schalttag um 200 Babys.

Wer am 29. Februar geboren wird, hat genau genommen nur jedes vierte Jahr „richtig" Geburtstag. Vor dem Älterwerden bewahrt einen diese kalendarische Besonderheit natürlich aber nicht. Da ist es wohl besser, man feiert sein Wiegenfest auch in Normaljahren. Dann halt am 1. März statt am 29. Februar.

3. Hier kommt die (Ex-)Braut. Hochzeiten finden gerne an auffälligen Kalendertagen statt; vielleicht, weil man sich solche gut merken kann. Der kalte Wintermonat Februar ist allerdings nicht gerade ein Klassiker unter den Trauungsterminen. Und doch: Der 29.2. des Jahres 1992 führte in ganz Österreich 223 Paare auf das Standesamt, am Schalttag 2008 wurden 149 Ehen geschlossen, vier Jahre später immerhin noch 76. Mit den absoluten Topterminen kann das freilich nicht mithalten: Am 8.8.2008 gaben sich allein in Innsbruck 17 Paare das Jawort.

Die Zahl der Scheidungen in Österreich steigt. Der 29.2. bildet da keine Ausnahme. 122 Ehen wurden am Schalttag des Jahres 2008 geschieden, 2012 waren es 110 — und damit mehr als Trauungen.

4. Ein Euro 50 Cent für Zusatzstrom. Das Schaltjahr hinterlässt auch im Haushaltsbudget Spuren, schließlich muss ein Tag länger als sonst gewirtschaftet werden. In große Finanznot wird man deswegen aber nicht geraten. Die Tiwag setzt die Stromkosten für einen zusätzlichen Tag mit 1,50 Euro brutto an. Das sollte machbar sein, auch wenn man heuer im Februar einen Tag mehr für dasselbe Gehalt arbeiten muss.

5. Nutze den Bonustag. „Carpe diem!" heißt ein geflügeltes Wort aus dem alten Rom auf gut Lateinisch: „Nutze den Tag!" Das könnte man sich für den Schalttag vornehmen.

Es wäre die Gelegenheit für eine Erledigung, die man schon lange vor sich herschiebt: vom Gesundheitscheck beim Arzt bis hin zum überraschenden kleinen Präsent für Partner oder Partnerin — viel ist möglich. Blöd nur, dass der 29.2. auf einen Montag fällt. Da hält sich die Lust oft in Grenzen.




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