Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.04.2016


Reutte

Bacher wollen Fresken retten

Zwei Werke von Anton Christian könnten dem Abbruch des Gemeindehauses zum Opfer fallen. Nun wird nach alternativen Standorten gesucht, bevor die Abrissbirne zuschlägt.

Für Fresken von Anton Christian am Gemeindeamt Bach soll ein neuer Platz gefunden werden, bevor das Haus dem neuen Gemeindezentrum weicht.

© Friedle PeterFür Fresken von Anton Christian am Gemeindeamt Bach soll ein neuer Platz gefunden werden, bevor das Haus dem neuen Gemeindezentrum weicht.



Von Peter Friedle

Bach – In der Lechtal­gemeinde Bach soll noch heue­r mit dem Bau eines neuen Gemeindemehrzweckhauses begonnen werden. Das alte Gemeindeamt, auf dem sich zwei Fresken befinden, muss dafür weichen. In der Gemeinderatssitzung am Montagabend wurde das Schicksal dieser Kunstwerke, die durch den Abbruch verloren gehen könnten, thematisiert. Dazu Bürgermeister Egon Brandhofer: „Mir war die Bedeutung der Fresken bisher nicht bewusst, aber ich habe mich überzeugen lassen. Nun sollte im nahen Umfeld eine Stelle dafür gefunden werden. Mir würde die Fassad­e des Lebensmittelgeschäfts Heel vorschweben. Damit könnte das Gesamtensemble erhalten bleiben.“ Brandhofer beauftragte Stefan Hanni vom Verein LechtalSpuren, nach Lösungen zu suchen. Sollte nämlich keine gefunden werden, würde das den Abbruch nicht aufhalten.

Bach bietet Kunstkennern ein einzigartiges Dorfensemble. Freskenmalereien am Gasthof „Grüner Baum“, das Medaillon mit der Gottesmutter und den Schulkindern über dem Eingang der Volksschule sowie die Darstellung des hl. Christophorus an der Fassade der Pfarrkirche fallen auf. Alle drei stammen vom 1965 verstorbenen Tiroler Maler und Restaurator Anton Kirchmayr. Kulturhistorisch wertvoller eingestuft werden die beiden Fresken auf der Fassade des Gemeinde­hauses seines 1940 geborenen Sohnes Anton Christian.

Ernst Hornstein, Mitglied des Tiroler Kulturbeirates: „Professor Anton Christian gilt als einer der profiliertesten zeitgenössischen Künstler Tirols.“ In seiner Frühzeit im Jahre 1963 schuf er zwei für die ländliche Umgebung untypische moderne Werk­e. Das Fresko im Eingangsbereich des noch bestehenden alten Gemeindehauses thematisiert das Leben und Schaffen am Land. Daneben findet man die Darstellung des heiligen Florians mit der Pfarrkirche von Bach. Beide Werke sind schon in die Jahr­e gekommen und hätten eine Auffrischung notwendig. Es sind die einzigen Werke Anton Christians im Außerfern und gemeinsam mit den drei Werken seines Vaters eine einzigartige Komposition auf dem Dorfplatz von Bach.

Viele wünschen sich, dass die Fresken vor dem Abriss des Gemeindehauses professionell abgetragen und auch im Zusammenhang mit dem Neubau des Dorfzentrums entsprechend ihrer Bedeutung positioniert werden. Der Künstler Anton Christian: „Für mich ist die Erhaltung dieser Werke besonders wichtig, zumal insgesamt nur drei Fresken bestehen, eines in Reith bei Kitzbühel und zwei in Bach.“

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Bürgermeister Egon Brandhofer sprach von einer sachlichen Diskussion dieses Themas im Dorfparlament. Gemeinderätin Verena Amann wird bis zur kommenden Sitzung die Kosten für die Abnahme der beiden Fresken vorlegen. Gemeinsam wird sie mit dem Verein LechtalSpure­n Ideen für die Neupositionierung der Fresken suchen: „Einer­seits muss wertvolles Kulturgut erhalten werden, aber auch die Ensemblewirkung soll nicht verloren gehen.“ Offen ist allerdings die Finanzierung.

Das neue Gemeindezentrum (Visualisierung)
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- Architekturb¸ro Scharfetter-Rier