Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 04.05.2016


Landeck

Mit Kakao und Vanille entlohnt

Eine 700-Seiten-Monografie über Jakob Prandtauer steht vor Vollendung. Autorin

Huberta Weigl hat kaum bekannte Episoden über den großen Barockbaumeister entdeckt.

© WenzelDas Geburtshaus von Jakob Prandtauer (1660–1726) ist 600 Jahre alt, früher war es ein Wirtshaus.



Von Helmut Wenzel

Stanz bei Landeck — „Stift Melk — das ist das berühmte Bauwerk von Jakob Prandtauer aus Stanz." Diese Basisinformation erfahren Kinder im Bezirk Landeck in der Volksschule. Die Stanzer kennen das 600 Jahre alte Geburtshaus und wissen, dass „ihr" großer Sohn eine Maurerlehre bei Georg Asam in Schnann (Stanzertal) absolvierte.

Aber dass es noch vieles mehr über den Barockbaumeister zu erzählen gibt, beweist die Wiener Kunsthistorikerin Huberta Weigl. Nach jahrelanger Recherche und Archivarbeit steht sie kurz vor Vollendung einer 700-Seiten-Monografie über Jakob Prandtauer (1660—1726).

„In etwa zwei Monaten gehen meine Manuskripte in Druck", verriet sie erfreut im TT-Gespräch. Die Idee zum Buchprojekt mit dem großen Barockbaumeister geht auf das Jahr 1997 zurück, als sie eine Dissertation über den Klosterbaumeister aus dem Tiroler Oberland schrieb.

„Das Benediktinerstift Melk gilt mit Recht als Haupt- und Lebenswerk Prandtauers", so die Autorin. „Man könnte sagen, Melk hat ihn nahezu sein ganzes Baumeisterleben lang beschäftigt." Nach zwölf Wanderjahren in St. Pölten angekommen, ist Abt Berthold Dietmayr auf den Baumeister aus Stanz aufmerksam geworden. Er beauftragte ihn mit dem Projekt Stift Melk.

„Für Prandtauer war Dietmayr kein einfacher Auftraggeber", so Weigl. „Wiederholt änderte der Abt seine Wünsche. Zudem machte er regelmäßig Vorgaben, wusste aber die Leistung des Baumeisters durchaus auch zu schätzen."

Nach Abschluss größerer Teilprojekte gewährte der Abt Sonderzahlungen — zusätzlich zum Jahreshonorar in Höhe von 300 Gulden. Als der Rohbau der Stiftskirche in Melk fertig war, bekam Prandtauer sogar 1500 Gulden. Bezahlt wurde mit Geld.

„Nur ein einziges Mal wich der Abt von dieser Vorgangsweise ab", hat Weigl herausgefunden. Es ging um ein Modell für das Portal der Melker Stiftskirche. Für dieses Modell habe Prandtauer am 2. Februar 1714 insgesamt 24,5 kg Kakao und 75 Stangen Vanille im Wert von 75 Gulden bekommen, was 25 Prozent seines Jahreshonorars entsprach. Kakao und Vanille waren damals Luxusgüter.

Warum Dietmayr mit Naturalien bezahlte, ist unklar. „Möglicherweise war der Abt, als er Prandtauer zu entlohnen hatte, in den Besitz einer größeren Menge dieser Luxusgüter gekommen", meint die Autorin. „Vielleicht hat er gewusst, womit er seinem Baumeister, dessen Frau Elisabeth und den Kindern eine Freude machen konnte."

Bürgermeister Martin Auer und Edelbrenner Christoph Kössler, der im Prandtauer-Geburtshaus wohnt, sind gespannt auf das Werk. „Die Autorin ist zweimal zu mir gekommen und hat sich das Haus sehr genau angeschaut", so Kössler. Internet: www.jakob-prandtauer.at.

Der Barockbaumeister mit Gehstock, Gemälde auf Schloss Landeck.
- Geiger