Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.06.2016


Osttirol

Klingender Impuls für ein tolerantes Miteinander

Am Samstag findet die Segnung der Friedensglocke am Lienzer Hochstein statt. Wünsche in zwölf Sprachen werden in alle Welt geschickt.

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© Ziegler-Duregger



Von Claudia Funder

Lienz – Die letzten Vorbereitungen hoch über Lienz, in über 2000 Metern Seehöhe, laufen auf Hochtouren. Das Werk von vielen engagierten Helfern und Spendern, die sich gemeinsam für das Projekt starkgemacht haben, ist fast vollendet. Die Zeit, an erforderlichen Feinheiten zu feilen, drängt. Am Samstag, 25. Juni, wird der Turm mit der Friedensglocke gesegnet.

Die Idee, einen spirituellen Ort der Begegnung zu schaffen, wurde 2005 bei einem Gedenken 60 Jahre nach der Tragödie an der Drau am Kosakenfriedhof geboren, erzählt Projektinitiatorin Elisabeth Ziegler-Duregger im Gespräch mit der TT. Die frühere Büchereileiterin setzt sich seit Langem für eine Aktion der UNO, die United Religions Initiative, ein, die den interreligiösen Dialog fördert. Bis ihr Herzensprojekt endlich auf Schiene war, sollte es dauern. Aber jetzt ist es in der Zielgeraden.

Die Glocke wurde im Innsbrucker Traditionsunternehmen Grassmayr gegossen, als Sinnbild von Frieden, Freundschaft und religiöser Toleranz. Das Relief zeigt die Kontinente sowie Symbole von zwölf Weltreligionen. Zu sehen war der 70 Kilo schwere Friedensbotschafter in Lienz bereits in einer Bankfiliale und im Wohn- und Pflegeheim.

Wenn am Samstag um 14 Uhr die Segnung durch Dekan Bernhard Kranebitter und Pfarrer Hans Hecht erfolgt, werden Angehörige verschiedener Religionen den Wunsch „Möge Friede und Freundschaft sein auf Erden!“ in zwölf Sprachen in alle Welt schicken. Gleichzeitig läuten die Glocken der Stadtpfarrkirche und der Pfarre Hl. Familie – quasi als Gruß aus dem Tal.

Das Fundament des Glockenturms neben der Hochsteinhütte werden bald Steine aus 93 Staaten schmücken, die weitgereiste Osttiroler und Kulturbotschafter aus anderen Ländern mitbrachten. Einige Exponate kamen auch per Postweg nach Osttirol. „Ich sammle die Steine seit elf Jahren“, erzählt Ziegler-Duregger. „Einige stammen von besonderen heiligen Orten wie dem See Genezareth, Mekka oder Lhasa.“ Sie am Turm zu fixieren, gehe sich bis zur Glockensegnung vermutlich nicht mehr aus, schätzt Ziegler-Duregger. Falls es zeitlich zu knapp wird, werden die mit Metallschildchen signierten Steine auf einem Teppich aufgelegt. Jeder, der möchte, kann die Sammlung gerne aufstocken.

Über den Standort – Grundeigentümer ist die Alpenvereinssektion Lienz – ist die Initiatorin glücklich: „Der Hochstein ist ein wunderschöner, sehr emotionaler Platz.“