Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 22.07.2016


Reutte

Das große Entgegenkommen

Verhandlungserfolg für die Marktgemeinde Reutte: In Sachen Sprachförderung lenkte der Integrationsfonds jetzt ein und bietet ab 16. August Beratungen im Außerfern an.

VBM Michael Steskal gratuliert Ausschuss-Obfrau Andrea Weirather zur erfolgreichen Verhandlung.

© TscholVBM Michael Steskal gratuliert Ausschuss-Obfrau Andrea Weirather zur erfolgreichen Verhandlung.



Von Simone Tschol

Reutte – Vor genau einem Monat machten Wifi, Wirtschaftskammer, Flüchtlingsbetreuer und Sprachtrainer im Außerfern ihrem Unmut über fehlende Beratungstermine seitens des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) im Bezirk Reutte Luft. Dieser fördert zertifizierte Sprachkurse für Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte. Eine solche Unterstützung könne jedoch nur durch das Meistern großer bürokratischer Hürden und die persönliche Vorsprache im Büro in Innsbruck erreicht werden, wurde kritisiert. „Ein Riesentheater, für Leute ohne Deutschkenntnisse vom Außerfern aus fast unmöglich“, ärgerte sich Susann­e Schiftner vom Wifi (die TT berichtete).

Zeitgleich bemühte sich Andrea Weirather, Obfrau des Ausschusses für Bildung, Jugend und Integration der Marktgemeinde Reutte, ebenfalls um eine Lösung in derselben Thematik. „Wir hatten schon vor eineinhalb Jahren die Idee dazu. Dann kam die große Flüchtlingswelle und die Wahlen und alles hat sich verzögert“, erklärt Weirather im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. Auf die öffentliche Kritik hin holte sie auch Schiftner zu einem bereits anberaumten Gespräch mit Tobias Höllbacher, Leiter des Integrationszentrums Tirol, hinzu. „Da gab es anfangs natürlich einige Dinge, die ausdiskutiert werden mussten“, formuliert Weirather diplomatisch, fügt aber mit einem Lächeln hinzu: „Wir waren erfolgreich. Ab 16. August wird der ÖIF im vierwöchigen Rhythmus von 14 bis 16.30 Uhr Beratungen in Reutte anbieten.“

Von Seiten des Integrationsfonds wurde die Wirtschaftskammer als Beratungsstandort zwar abgelehnt – „man wolle andere Anbieter von Sprachkursen nicht vor den Kopf stoßen“ –, dennoch wurde eine Lösung gefunden, wie Reuttes Vizebürgermeister Michael Steskal erklärt: „Ich habe daraufhin umgehend ein Ansuchen an die Bezirkshauptmannschaft gestellt und dieses wurde sofort genehmigt. Man sieht, wir ziehe­n alle an einem Strang.“

Künftig werden die Beratungen des ÖIF also an der Bezirkshauptmannschaft Reutte stattfinden. Für Weirather ohnehin der ideale Standort: „Die BH ist neutral. Zudem ist dort mit dem Fremdenamt und dem Sozialamt alles unter einem Dach, relevante Details können gleich an Ort und Stelle geklärt werden.“

Auch beim Wifi in Reutte herrscht Erleichterung. „Das ist natürlich sehr positi­v, nicht nur für uns, sondern für alle Betroffenen. Die Leute mussten oft dreimal nach Innsbruck, bis alle Unterlagen gepasst haben. Jetzt können die Anträge im Bezirk gestellt werden. Das erleichtert natürlich vieles und hilft den zugezogenen Menschen auch auf ihrem Weg in die Arbeitswelt. Sie bemühen sich wirklich sehr und sollten deshalb auch ihre Chance bekommen“, zeigt sich Wolfgang Weirather vom Wifi in Reutte erleichtert.

Ausschuss-Obfrau Andre­a Weirather sieht durch die ÖIF-Beratungen im Bezirk nicht nur einen erleichterten Zugang zur Sprachförderung: „Der Österreichische Integrationsfonds bietet ja noch viel mehr an, wie zum Beispiel interkulturelle Workshops. Das blieb uns ja im Bezirk Reutte bislang auch alles vorenthalten, da wir keinen Zugang dazu hatten.“

Was Steskal und Weirather aber weiter stark beschäftigt, ist das Fehlen eines Integrationskoordinators. „Nicht auf Gemeindeebene, sondern bezirksweit“, konkretisiert Weirather und fügt hinzu: „So einen bräuchte es ganz dringend. Die Tiroler Sozialen Dienste wollten einmal einen stellen, dazu kam es aber nicht. Einen von der Gemeinde aus zu beschäftigen ist undenkbar. Den würde man gleich ‚verheizen‘“, meint Weirather im Hinblick auf das umfangreiche Arbeits­pensum. „So ein Integrationskoordinator müsste im Optimalfall vom Land gestellt werden“, schlägt Steskal vor.