Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.08.2016


Bezirk Kufstein

Viele Absagen für Asylwerberheime

In Angerberg und Söll haben Vermieter für Asylwerberquartiere nach Diskussionen ihre Angebote zurückgezogen. Aus Innsbruck kommt aber auch Lob: Im Bezirk gibt es bereits an die 870 Unterkünfte.

© Michael MaderDas kritisierte Asylwerberheim in Kirchbichl ist mit einem Zaun zur B 171 hin abgesichert worden, auch im Inneren wird umgebaut.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Niemand kann sagen, wie viele Menschen auf der Flucht noch nach Europa und damit auch nach Tirol kommen werden. Die Zahl der vor der italienischen Küste aus den wackeligen Booten geretteten Flüchtlinge ist noch immer groß, alleine am Montag sind es 1800 gewesen. 89.000 Menschen auf der Flucht sind seit Anfang 2016 im südlichen Nachbarland Tirols eingetroffen. Zudem wackelt die Vereinbarung mit der Türkei bezüglich der Migranten, damit könnte auch die Ostroute wieder zum Leben erweckt werden.

Kein Wunder, dass sich die Verantwortlichen bei den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) auf einen weiteren allfälligen Ansturm vorbereiten. So ist auch zu erklären, dass die TSD drei Traglufthallen im Lager für allfällige extreme Engpässe vakant hält und andererseits weiterhin auf der Suche nach neuen Unterkünften ist, wie TSD-Geschäftsführer Harald Bachmeier gegenüber der Tiroler Tageszeitung erklärt. „Auch wenn wir noch immer einen Leerstand aufweisen“, spricht er die freistehenden Heimplätze an.

Mit offenen Armen werden die Mitarbeiter der Tiroler Sozialen Dienste und die Asylwerber dann aber kaum in den Gemeinden erwartet. So ist mittlerweile die geplante Unterkunft in Angerberg Geschichte.

Ex-TSD-Chef Bachmeier: Wortloser Abschied aus Tirol.
- Andreas Rottensteiner / TT

Zwölf Asylwerber hätten dort in einer Wohnsiedlung unterkommen sollen. Bei einem Informationsabend gab es dicke Luft. Die Anrainer hatten massive Sicherheitsbefürchtungen, sollten nicht nur Familien in ihre Nachbarschaft kommen. An die 120 Unterschriften von Gegnern hatte man gesammelt, letztlich hat auch Bürgermeister Walter Osl eine Asylwerberunterkunft nur gutgeheißen, falls seitens der TSD zugesichert wird, dass nur Familien hier untergebracht werden. „Der Anbieter hat sein Angebot zurückgezogen“, erklärt Bachmeier nun kurz und bündig gegenüber der TT. Ähnliches war in Söll passiert, wo Holzhäuser errichtet werden sollten. Letztlich habe der mögliche Vermieter „entnervt das Angebot zurückgezogen“.

Auch in Brandenberg hatte man versucht, bis zu zehn Asylwerber unterzubringen. Das Dorfparlament hat auch letztlich Ja dazu gesagt, im Gemeindebesitz befindliche Räume zu vermieten. Ein „Wünsch-dir-was“-Beschluss, wie Bachmeier ihn bezeichnet, denn der angehängte Forderungskatalog sei alleine aus kaufmännischer Sicht für ihn nicht akzeptabel gewesen. „Wir hätten zum Beispiel vertraglich garantieren müssen, dass wir nur Familien hier unterbringen. Das hätte dazu führen können, dass wir irgendwann leerstehende Räume haben. So etwas wäre kaufmännisch nicht vertretbar gewesen“, erklärt Bachmeier. Keinesfalls hätte der Rückzug etwas mit einer abfälligen Abgeschiedenheit des Tales zu tun gehabt.

Trotz der Schwierigkeiten in den Ortschaften erntet der Bezirk Kufstein viel Lob aus Innsbruck, „über 70 Prozent der Gemeinden haben bereits Asylwerber aufgenommen“, freut sich Bachmeier. In Summe haben hier 870 Asylwerber (tirolweit an die 6300) derzeit eine Bleibe, Zahlen, die sich wöchentlich ändern. Noch keine Menschen auf der Flucht haben Alpbach, Angath, Angerberg, Brandenberg, Mariastein, Niederndorferberg, Rettenschöss und Söll aufgenommen.

Ein bereits bestehendes Heim ist zudem noch immer Gegenstand von Diskussionen. So hat es am ehemaligen Billa-Geschäft an der Bundesstraße in Kirchbichl heftige Kritik seitens der neuen FPÖ-Sozialreferentin Sandra Priewasser gegeben. Sie verlangt überhaupt, dass das Heim für bis zu 50 Personen geschlossen wird, „weil es nicht menschenwürdig“ sei und versprach, Ersatz zu suchen. Diesen hat sie noch nicht gefunden, wie sie gegenüber der TT erklärt, aber im Herbst will sie entsprechende Gespräche führen. BM Herbert Rieder (SPÖ) bezeichnet das Heim (trotz Vorteile wie die zentrale Lage) ebenfalls als nicht optimal. Alternativen zu finden, sei aber schwer, „aber wenn es kleinere Einheiten gibt, ist das sicher besser“.

Bachmeier verweist wiederum auf bereits eingeleitete Umbauarbeiten im Gebäudeinneren.