Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 23.08.2016


Osttirol

Wenn Barrieren den Alltag erschweren

Der Beirat für ein barrierefreies Tirol hat die Situation in 80 Gemeinden erhoben. Aus Osttirol kamen nur zwei Antworten, aus ganz Tirol 16.

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© Rene Fürhapter



Von Catharina Oblasser

Sillian, Tristach – Lifte statt Treppen, Rampen statt Stufen, Markierungen für Sehbehinderte oder ebenerdige Einstiege in Bussen: All das gehört zu Maßnahmen, mit denen Menschen mit Behinderung das Leben erleichtert wird. In Tirol beschäftigt sich der Fachbeirat für ein barrierefreies Tirol mit diesem Thema. Darin vertreten sind der Blinden- und Sehbehindertenverband, der Verband der Gehörlosenvereine, der Österreichische Zivilinvalidenverband (ÖZIV) und die Aktion „Selbstbestimmt Leben“.

Wie halten es die Gemeinden nun mit der Barrierefreiheit? Das wollte der Fachbeirat von den zehn jeweils größten Kommunen jedes Bezirks wissen. Ein Fragebogen ging an alle in den Gemeinderäten vertretenen Fraktionen. Die Rückmeldungen fielen spärlich aus: Aus Osttirol meldeten sich nur die Bürgermeisterfraktion aus Tristach und die Freie Liste Sillian zurück – mit positiven Beispielen, aber auch mit Themen, bei denen Handlungsbedarf besteht.

So hat die Tristacher Volksschule einen Lift, auch der Kindergarten ist barrierefrei. Das Gemeindeamt im ersten Stock verfügt über eine Gegensprechanlage mit Kamera, sodass etwa Rollstuhlfahrer auf diese Weise mit den Mitarbeitern sprechen können. Was in Tristach noch fehlt, ist eine Lösung für den Seniorenraum, der nur über eine Stiege erreichbar ist.

In Sillian nennt die Freie Liste die Einrichtung der Lebenshilfe als positives Beispiel, in öffentlichen Gebäuden gibt es Eingänge auf Bodenniveau. Was die Liste um Dominik Schett stört: die Erreichbarkeit von Bank, Spar-Markt und Apotheke. Die Sillianer Raika verfügt zwar sehr wohl über einen barrierefreien Zugang. Doch für Schett ist der zu umständlich. „Man muss über drei Zebrastreifen und über die Bundesstraße, wenn man vom Marktle kommt“, sagt er.

Hannes Lichtner, Geschäftsleiter des Beirates für ein barrierefreies Tirol, ist schon ein bisschen enttäuscht über die wenigen Rückmeldungen. Aus ganz Tirol waren es insgesamt nur 16, bei 219 befragten Listen. Die Antworten sind unter www.oeziv-tirol.at nachzulesen. „Wir hätten uns mehr Feedback erwartet“, sagt er. Dies sei aber gleichzeitig der Auftrag, nicht aufzugeben. Der Beirat bietet allen Gemeinden den Dialog zum Thema Barrierefreiheit an. Experten des Beirates stehen für einen Barriere-Check bei Gebäuden zur Verfügung. „Wir haben auch schon mit dem Präsidenten des Gemeindeverbandes, Ernst Schöpf, gesprochen“, meint Lichtner. Er soll helfen, die Barrierefreiheit zu einem breit diskutierten Thema zu machen.