Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.08.2016


Exklusiv

Mathe: „Da wird es eine Revolution geben müssen“

Hunderte Schüler büffeln derzeit für die Wiederholungsprüfung. Am meisten Nachhilfe wurde in Mathematik investiert.

Symbolfoto.

© Symbolfoto.



Von Sabine Strobl

Innsbruck – Nicht alle der 93.118 Tiroler Schülerinnen und Schüler genießen derzeit die Sommerferien in vollen Zügen. 5,1 Prozent von ihnen bereiten sich auf eine Wiederholungsprüfung vor, um noch in die nächste Schulstufe versetzt zu werden. Wie der Landesschulrat informiert, werden von ihnen 80 % zu den Prüfungen zwischen dem 5. und 13. September antreten. Auch kurz vor den Terminen fragen Eltern bei den Tiroler Nachhilfe-Einrichtungen noch um Unterstützung an.

Mathematik ist auch im Sommer das Fach mit dem höchsten Bedarf, sagt Konrad Zimmermann von der österreichweit tätigen Einrichtung Lernquadrat. Über die Hälfte der Nachhilfe wird in Mathematik erteilt. „Die schlechte Nachricht ist, dass sich daran nichts ändert. In keiner Firma kann man einen Fehler dreißig Jahre lang machen. Aber im Bereich der Bildung tut man nichts“, ärgert sich der Techniker und ehemalige HTL-Lehrer. „Viele Lehrer und Eltern versuchen, etwas zu erreichen und scheitern. Da wird es bald eine Revolution geben müssen.“ Beim Innsbrucker Nachhilfe-Institut entfallen auf das Fach Mathematik sogar zwei Drittel der Stunden. Und der Bedarf wächst weiter, sagt Leiter Christian Köll. 15 Einzelstunden für den Jahresstoff in der Oberstufe sind hier das Maß, mit dem gerechnet wird. Zimmermann nennt als gängigen Aufwand vier Lernwochen zu drei Stunden täglich am Institut und einer Stunde Lernen zu Hause.

Ihm fallen in Tirol zwei Besonderheiten auf. Zum einen sei der „Schwarzmarkt“ bezüglich Nachhilfe in Tirol stark. Man suche also häufig „Privatnachhilfe beim Sohn des Cousins“. Im Ballungsraum Innsbruck kommen dagegen zu den vielen Studenten, die Nachhilfe geben, auch zahlreiche professionelle Institute.

Geraten Schüler zum Ferienende in Zeitnot, rät Zimmermann dazu, in den letzten Tagen keinen neuen Stoff mehr durchzunehmen, sondern das Gelernte zu wiederholen. „Mein Tipp an die Eltern: Keinen Stress erzeugen und signalisieren, dass das Kind auch geliebt wird, wenn es durchfällt. Trotzdem muss man den Kindern auch die Verantwortung am Lernen überlassen.“

Strategien für das finale Lernen

Eltern sollten bei der Lernplanung behilflich sein. Lampenfieber lässt sich durch simulierte Prüfungen eindämmen. Zu diesen Hilfen rät der Innsbrucker Psychologe Johannes Achammer.

Wie können Eltern ihre Kinder jetzt motivieren? Das Wichtigste ist, eine zuversichtliche Einstellung zu vermitteln. Außerdem braucht es regelmäßige Pausen zwischen den Arbeitsphasen. Idealerweise bestehen diese Pausen aus Bewegung und nicht aus passivem Konsum verschiedener Medien.

Ein Last-Minute-Tipp? Es ist besser, rechtzeitig das Gelernte zu wiederholen und zu festigen, anstatt bis zur letzten Minute neue Inhalte unterbringen zu wollen.

Sollten Eltern das Gelernte abfragen? Ja, wenn Eltern und Kinder ein gutes Team sind. Sonst könnte ein Freund des Prüflings das Abfragen übernehmen.