Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.09.2016


Landeck

Waale hielten den Landecker Siedlungsraum am Leben

Die Tiroler Waalgruppe hat 15 Bewässerungsanlagen mit 47,2 Kilometern Gesamtlänge dokumentiert. Das Denkmalamt unterstützt die Forschungen.

Die Tiroler Waalgruppe auf Exkursion in Stanz.

© WenzelDie Tiroler Waalgruppe auf Exkursion in Stanz.



Von Helmut Wenzel

Landeck – „Heute über die traditionelle Flurbewässerung mit Waalen in Nordtirol zu sprechen, ist eine schwierige Sache“, räumt der Sprecher der Tiroler Waalgruppe, Werner Holzner, ein. „Wasser ist ein Geschenk, es ist die Lebensader einer Kulturlandschaft“, zeigen die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Waalgruppe anhand von Fallbeispielen im Oberland auf. Die Gruppe hat dort in den vergangenen Jahren geforscht und dokumentiert.

Die Ergebnisse, die Holzner in der jüngsten Ausgabe der Tiroler Heimatblätter zusammengefasst hat, sind erstaunlich: Allein im Talkessel von Landeck gibt es 15 bis zu 800 Jahre alte Waale mit einer Gesamtlänge von 47,2 Kilometern. Sie alle waren nötig, damit sich der Siedlungsraum in der Bezirksstadt samt Nachbardörfern entwickeln konnte. Die meisten davon werden heute nicht mehr genutzt und sind dem Verfall preisgegeben. „Der wichtigste Grund liegt wohl in der aufwändigen Handhabung, die unwirtschaftlich geworden ist“, resümiert der Experte.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Obstkulturen in Stanz könnten ohne Waalwasser aus Grins nicht existieren. Oder: Die 31 bäuerlichen Mitglieder der Waalgenossenschaft Landeck-Perjen nutzen bis heute das Wasser der Sanna zur „Berieselung“ ihrer Felder. Der untere Perjen-Waal wird Jahr für Jahr händisch geräumt und gewartet.

Der kühne Rummlwaal südlich von Landeck – heute noch sichtbare Teile sind in Fels geschlagen – hat die Waalgruppe ebenfalls neugierig gemacht. Die sieben Kilometer lange Anlage diente über Jahrhunderte der Bewässerung von Feldern im heutigen Stadtteil Angedair bzw. Öd. Laut Stadtchronist Georg Zobl ist ein Hinweis dokumentiert, wonach der Waal 1642 zum Betrieb übergeben worden ist. Ein Schweizer Historiker meint, das Bauwerk stammt aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, kann aber keine schriftliche Quelle nennen.

Das Denkmalamt mit Landeskonservator Walter Hauser unterstützt die Arbeit der Waalgruppe. Die sichtbaren Relikte des Rummlwaals könnten unter Denkmalschutz gestellt werden, sagte Hauser bei einer Landeck-Exkursion heuer im Mai. Denkmal-Archäologe Johannes Pöll war bei der GPS-Vermessung der Bewässerungsanlagen im Obergricht behilflich.

Über weitere Details berichtet die Tiroler Waalgruppe bei einem offenen Info-Abend morgen Donnerstag, 22. September, ab 18 Uhr im Gasthof Straudi.

 Der Perjener Waal wird heute noch genutzt.
Der Perjener Waal wird heute noch genutzt.
- Wenzel