Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.09.2016


Innsbruck

„Wir möchten der Natur einfach etwas zurückgeben“

Neun Freiwillige aus vier Nationen arbeiten auf der Höttinger Alm hoch über Innsbruck eine Woche lang an der Stärkung des Schutzwaldes.

Larissa Mackert, Julia Preißer und Marina Seeger aus Deutschland (v. l.) beweisen bei den Aufforstungs- und Kulturpflegearbeiten im Schutzwald oberhalb von Innsbruck vollen Einsatz.

© DomanigLarissa Mackert, Julia Preißer und Marina Seeger aus Deutschland (v. l.) beweisen bei den Aufforstungs- und Kulturpflegearbeiten im Schutzwald oberhalb von Innsbruck vollen Einsatz.



Von Michael Domanig

Innsbruck – Sie sind zwischen 22 und 67 Jahre alt, kommen aus Deutschland, der Schweiz, der Ukraine und Österreich, sind ansonsten als Musik- und Kunstprofessor, Bankangestellter oder Fahrzeugtechnikerin tätig – und opfern derzeit eine Woche ihres Urlaubs für den Bergwald rund um Innsbruck. Insgesamt neun Freiwillige beteiligen sich am Bergwaldprojekt, das der Österreichische Alpenverein (ÖAV) in Zusammenarbeit mit der Stadt Innsbruck, dem Landesforstdienst und dem Tiroler Forstverein schon zum siebten Mal auf der Höttinger Alm in rund 1500 Metern Seehöhe organisiert.

Unter der Anleitung von Mitarbeitern des städtischen Forstamtes führen die Freiwilligen Aufforstungs-, Räumungs- und Pflegearbeiten zur Stärkung des Schutzwaldes durch: Sie pflanzen etwa junge Fichten, Tannen und Lärchen und schützen sie mittels sandiger Mineralpaste, die dem Wild gar nicht schmeckt, gegen Verbiss. Per Sichel entfernen sie Gras und Farne rund um die Setzlinge.

Auch die Sanierung von Pflegesteigen oder die Entfernung alter Lawinenverbauungen – dort, wo der junge Wald schon so stark ist, dass er nicht mehr durch technische Werke geschützt werden muss – zählen zu den Aufgaben der ehrenamtlichen Schützer des Schutzwaldes.

Die Freiwilligen leben die Woche über gemeinsam in der Jungschützenhütte auf der Höttinger Alm. Eine von ihnen ist Larissa Mackert, die Sport-, Gesundheit- und Freizeitbildung in Karlsruhe studiert: „Neben der Freude an der Bewegung geht es mir vor allem darum, der Natur das zurückzugeben, was man ihr durch den Bergsport vielleicht wegnimmt“, erklärt sie ihre Motivation.

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„Kein anderer derart großer Siedlungsraum in Tirol liegt so nahe am Wald wie Innsbruck“, meint Stadtrat Franz X. Gruber, zuständig für die Forstwirtschaft. Um die Stadt vor Muren, Lawinen und Erosion zu bewahren, sei ein stabiler Schutzwald unverzichtbar. Neben den konkreten Arbeiten gehe es beim Projekt auch darum, die Teilnehmer – und über sie die Öffentlichkeit – für die Bedeutung des Bergwaldes zu sensibilisieren, sind sich Peter Kapelari (ÖAV) und Kurt Ziegner, Präsident des Tiroler Forstvereins und Leiter des Bergwaldprojektes, einig. „Es gilt, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Schutzwald aktiver und stetiger Pflege und Bewirtschaftung bedarf, sich nicht einfach selbst erhält“, so Ziegner. Zudem wolle man bei den Bergsportlern, „die ja auf fremdem Grund unterwegs sind“, Verständnis für die Waldbesitzer und Grundeigentümer wecken, ergänzt Kapelari.

Österreichweit wurden laut ÖAV seit 2001 insgesamt 270 Bergwald-Projektwochen mit knapp über 4000 Teilnehmern abgewickelt – das entspreche einer Arbeitsleistung von rund 57 Mannjahren.