Letztes Update am Mo, 31.10.2016 15:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Halloween in Tirol

Boom bei Clown-Kostümen, Polizei in Tirol appelliert an Eltern

Bei der Jagd nach Süßigkeiten bekommen Zombies und Skelette in diesem Jahr vermehrt Gesellschaft von entstellten Rotnasen. Ist der Spuk nach Halloween wieder vorbei oder erreicht er in dieser Nacht seinen Höhepunkt? Nicht jeder fürchtet sich davor.

Viele Tiroler verkleiden sich in diesem Jahr an Halloween als Grusel-Clown.

© StockerViele Tiroler verkleiden sich in diesem Jahr an Halloween als Grusel-Clown.



Von Tamara Stocker

Innsbruck – Sie bedrohen Busfahrer, überfallen Passanten mit Kettensägen und schlagen mit Baseballschlägern um sich: Kein Tag vergeht, ohne eine neue Schlagzeile über furchteinflößende Clowns. All das scheint den zehnjährigen Lukas nicht zu beeindrucken. Der Bub steuert im Kostümgeschäft zielstrebig auf die Clownsmasken zu.

Rund um Halloween ist beim "Möldner" volles Haus. Günter Mayr hat da alle Hände voll zu tun.
Rund um Halloween ist beim "Möldner" volles Haus. Günter Mayr hat da alle Hände voll zu tun.
- Stocker

Beim „Möldner“ am Landhausplatz in Innsbruck reiht sich an diesem Freitagnachmittag nicht nur Kostüm an Kostüm, sondern auch Kunde an Kunde. Für Geschäftsinhaber Günter Mayr ist das „der ganz normale Wahnsinn“. Der Hype um die Killer-, Grusel-, Horror-Clows – oder wie man sie auch immer nennen mag – treibt die Umsätze in diesem Jahr nach oben. „Wir verkaufen heuer etwa vier bis fünf Mal so viele Clown-Kostüme als sonst“, sagt Mayr, der die Geschäfte seit 27 Jahren leitet. Die Nachfrage sei riesig, das habe sich bereits in den Vorjahren abgezeichnet.

Situation in Tirol „nicht bedrohlich“

Ganz neu ist das Phänomen der Horror-Clowns ohnehin nicht. Was in den 80er Jahren mit Stephen Kings Romanfigur Pennywise aus „Es“ begann, erreicht im Jahr 2016 ganz neue Ausmaße. Als „bedrohlich“ würde die Polizei die Situation in Tirol aber „sicher nicht“ beschreiben. Sichtungen, sowohl in der Stadt als auch am Land, gebe es aber freilich, bestätigte Pressesprecherin Sabine Reinthaler gegenüber der Tiroler Tageszeitung Online. Diese Vorfälle seien jedoch nie von strafrechtlicher Relevanz, weshalb den Polizeibeamten auch die Hände gebunden sind. „Maskiert durch die Straßen zu streifen ist nicht strafbar“, sagt Reinthaler. Wohl aber seien die Grenzen zwischen erschrecken und bedrohen oft fließend.

Wer kein Clown sein will, steht vor der Qual der Wahl.
Wer kein Clown sein will, steht vor der Qual der Wahl.
- Stocker

Darum warnt die Tiroler Polizei in einer Aussendung entschieden davor, sich dem Hype anzuschließen. Die vermeintlichen Spaßvögel müssen auch mit strafrechtlichen Konsequenzen aufgrund des Tatbestandes der Nötigung, gefährlicher Drohung bis hin zu fahrlässiger Körperverletzung rechnen. Der bis dato einzig strafrechtlich relevante Vorfall in Tirol ereignete sich vergangene Woche in Schwaz. Dort wurde ein 19-Jähriger von zwei maskierten Clowns attackiert, ehe ihn ein dritter mit einem Baseballschläger angriff und verletzte, die TT berichtete.

Für „Möldner“-Chef Günter Mayr waren all diese Schlagzeilen – ob aus Tirol, England oder Deutschland – kein Grund, die Verkleidungen aus dem Sortiment zu nehmen, wie es in Deutschland in mehreren Kaufhäusern der Fall war. Dann könne er den Laden gleich dicht machen: „Wer jemanden erschrecken will, braucht dazu ja nicht zwingend eine Clown-Maske.“ Die Fratzen würden ausschließlich von männlichen Kunden gekauft. Einer von ihnen ist an diesem Tag der kleine Lukas. Für ihn sehen die Masken eher lustig als gruselig aus. Dieser Meinung ist auch seine Mama, die gegen den Kostüm-Wunsch ihres Sohnes nichts einzuwenden hat. „Ob er sich jetzt als Clown, Dracula oder Zombie verkleidet, macht keinen Unterschied“, schließt sie sich den Worten von Geschäftsinhaber Mayr an. Für sie stehe der Spaß am Verkleiden im Vordergrund.

Nicht jeder Streich ist erlaubt

Wenn sich die Kinder an Halloween in Hexen, Vampire oder Skelette verwandeln und auf Süßigkeiten-Jagd gehen, kann aus einem harmlosen Streich aber schnell eine Straftat werden. Darum rät die Tiroler Polizei Eltern zu klärenden Gesprächen mit ihren Kindern. Das Verunstalten oder Beschmieren von Häusern oder Autos, das Beschädigen oder Zerstören von Gegenständen, aber auch die Bedrohung von Menschen, Lärmbelästigung bis hin zu Diebstählen stellen Straftaten dar. Das dürfe nicht außer Acht gelassen werden, wenn es statt „Süßes“ eben „Saures“ gibt. Denn auch wenn Kinder oder Jugendliche unter 14 Jahren noch nicht strafmündig sind, können die Geschädigten Schadenersatz einklagen.

Lukas‘ Mama glaubt nicht, dass die Grusel-Clown-Hysterie in der Halloween-Nacht ausartet. Die Ereignisse der letzten Wochen seien für sie ohnehin „nur Panikmache“. Tatsächlich hat die Angstmache, die derzeit betrieben wird, nur wenig mit der Realität zu tun. Sie spielt sich weitgehend im Internet ab und beruht bislang vor allem auf einigen wenigen Fällen und dafür auf umso mehr Gerüchten und Falschmeldungen. Angst zu säen war schon immer einfach. Fällt diese aber auf keinen fruchtbaren Boden, ist es mit dem Spuk auch bald wieder vorbei.