Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.12.2016


Bezirk Reutte

399 Euro für „Nicht“-Einsatz der Feuerwehr

Ein Autofahrer spricht von „freiwilligen Raubrittern“, weil die Ehenbichler Wehr, die gerufen worden war, ihr Ausrücken auch in Rechnung stellte.

Weil die Ehenbichler Feuerwehr nach einer Pkw-Panne unverrichteter Dinge wieder fahren konnte, glaubte der Autobesitzer, dass er den Einsatz nicht bezahlen müsste.

© iStock; Collage:TTWeil die Ehenbichler Feuerwehr nach einer Pkw-Panne unverrichteter Dinge wieder fahren konnte, glaubte der Autobesitzer, dass er den Einsatz nicht bezahlen müsste.



Von Helmut Mittermayr

Ehenbichl – Ein Absamer, der auf der Ehenbichler Landesstraße bei Rieden unterwegs war, hatte eine Autopanne und wurde vom ÖAMTC abgeschleppt. „Das ausgetretene Öl bzw. der Diesel wurden vor Ort von dem sehr freundlichen Mitarbeiter gebunden“, erklärt Lois Pfister. Etwas Diesel war auch auf der Straße ausgelaufen, die Freiwillige Feuerwehr Ehenbichl wurde verständigt. Da es sich schlussendlich nur um ein paar Tropfen handelte, konnte von einem Bindemitteleinsatz abgesehen werden.

„Eine Woche später bekam ich die Mitteilung der Feuerwehr, dass sie mit zwölf Mann und Feuerwehrautos samt Anhänger ausgerückt sei.“ Die Kosten betrugen 399 Euro. „Auf Nachfrage erklärte mir der Kommandant der Ehenbichler Wehr, ich solle froh sein, wären mehr Feuerwehrmänner da gewesen, wären die Kosten noch höher ausgefallen. Da bin ich ja froh, dass gerade kein Feuerwehrfest war“, ätzt Pfister. Die „freiwilligen Raubritter von Ehenbichl“ bittet er, ihr Geld künftig auf „ehrliche und humane Weise“ zu verdienen.

Kommandant Marc Kleiner kann die Vorwürfe nicht im Mindesten nachvollziehen. „Wir hatten ja einen Einsatz. Wir mussten erst die Stelle suchen, uns besprechen und ob am Ende Bindemittel ausgebracht wurde oder nicht, spielt doch keine Rolle. Wir wurden von der Polizei verständigt und sind mit zwölf Mann samt zwei Fahrzeugen und Hänger ausgerückt.“ Der Ehenbichler Feuerwehrchef führt weiter aus, dass die genannte Summe auch nicht von einer Ehenbichler Spezialrechnung herrühre, sondern die Feuerwehren Tirols auf der Plattform FDIS eine Maske vorfinden, auf der Personenzahl, Fahrzeuge und mehr eines Einsatzes eingegeben und die Kosten errechnet werden. „Zudem war der Herr im Gespräch sehr patzig und wurde erst einsichtig, als ich ihm erklärte, dass die Kosten durch die Haftpflicht sowieso gedeckt seien“, erklärt Kleiner weiter.

Auch Täuschungsalarme würden monatlich vorkommen. „Ein Duftspray am Klo genügt – und schon sind wir Richtung Bezirkskrankenhaus unterwegs“, nennt Kleiner ein weiteres Beispiel. Die Pauschale dafür würde 242 Euro betragen und selbstverständlich in Rechnung gestellt werden. Denn: „Wir müssen ja immer in Einsatz gehen.“