Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.01.2017


Exklusiv

Hat der Mohr bald ausgedient?

Immer öfter verzichten Sternsingergruppen darauf, einen der drei Weisen schwarz zu schminken. Eine offizielle Vorschrift oder Empfehlung der Dreikönigsaktion gibt es nicht.

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© Rudy de Moor / TT



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Während die Heiligen Drei Könige aus dem Morgenland – Caspar, Melchior und Balthasar – im Neuen Testament das Jesukind mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenkten, ziehen dieser Tage in Tirol wieder Hunderte Gruppen durch die Dörfer und Städte, um den Leuten die besten Wünsche für das Jahr zu überbringen. Im Vordergrund der Dreikönigsaktion der Katholischen Jung­schar steht die Sammlung für Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika.

In den vergangenen Jahren sind jedoch immer wieder Stimmen laut geworden, welche die Praxis des Schwarz-Schminkens auch bei den Sternsingern als rassistisch kritisieren. Nicht zuletzt deshalb entscheiden sich immer wieder Sternsingergruppen dafür, auf das Schminken komplett zu verzichten. Dabei gehört in vielen Gemeinden der schwarze König seit Jahren fest zum Drei-Königs-Ensemble, in anderen Pfarren werden gleich alle Mitglieder mit verschiedenen Hautfarben geschminkt.

Man sei sich der Sensibilität des Themas bewusst, erklärt Nora Eberharter, die Verantwortliche der Sternsingeraktion in Tirol. In einem Informationsschreiben habe man daher die Gruppen auf das Thema aufmerksam gemacht und Hilfestellung angeboten, sollte man mit Rassismus- Vorwürfen konfrontiert werde. Eine Vorschrift oder eine Empfehlung, wie und ob die Sternsinger geschminkt werden sollen oder nicht, gibt es nicht. „Die Entscheidung liegt alleine bei den Pfarren“, betont Eberharter. Die katholische Jungschar als Verantwortliche der Dreikönigsaktion nehme aber Traditionen, Brauchtum und kritische Stimmen ernst und suche den Dialog in alle Richtungen.

Dass das Schminken beim Sternsingen nichts mit Rassismus, sondern – im Gegenteil – vielmehr mit Solidarität zu tun hat, das betont Christian Herret. Er ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Dreikönigsaktion in Österreich zuständig. „Das Schminken beim Sternsingen wird in vielen Pfarren auch als ein Zeichen der Solidarität gegenüber Menschen mit anderen Hautfarben gesehen: Die alte Symbolik steht dafür, dass alle Menschen, egal welche Hautfarbe, gleiche Rechte und Würde besitzen, und wird als Teil des Brauchtums gesehen und praktiziert.“ In der Bibel ist zunächst die Rede von Weisen aus dem Morgenland, erklärt Herret. „Die Legende, dass es sich dabei um drei Könige aus den drei damals bekannten Erdteilen (Afrika, Asien und Europa) gehandelt hat, ist im Mittelalter entstanden.“ Das Schminken verdeutliche daher die christliche Überzeugung, dass Jesus für Menschen aus der ganzen Welt – mit unterschiedlichen Hautfarben – gekommen ist. Man wolle keinesfalls, dass die Zuschreibung von bestimmten Hautfarben zu bestimmten Kontinenten gängige Klischees verstärke, wie es die Kritiker häufig bemerken. „Wir versuchen darauf hinzuweisen, dass unser Schminken aus einer gänzlich anderen Tradition heraus kommt. Die Sternsinger wollen jedenfalls niemanden in seiner Würde verletzen.“

Manchmal ist die Erklärung, warum sich Sternsinger plötzlich nicht mehr schminken, übrigens eine ganz einfache: Dass etwa in Arzl im Pitztal heuer die drei Weisen aus dem Morgenland als drei Weiße von Türe zu Türe ziehen, hat keine politischen, sondern ganz praktische Gründe, erklärt Pfarrkoordinatorin Edith Kopp. Man verzichte heuer erstmals auf das Schminken, weil die Gruppe mit neuen Kleidern ausgestattet wurden und diese nicht von der Farbe in Mitleidenschaft gezogen werden sollen. Kritische Rückmeldungen von den Menschen seien ihr bisher noch nicht zu Ohren gekommen.