Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.01.2017


Bezirk Reutte

Sterile OP-Atmosphäre statt ausgelassener Hüttengaudi

Hochbetrieb schon vormittags an der Unfallchirurgie am Krankenhaus Reutte. Eine neue Therapieform beschleunigt den Heilungsprozess.

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© Foto Müller



Von Simone Tschol

Ehenbichl – Die jüngsten Schneefälle sorgen nicht nur für eine traumhafte Kulisse, auch die begeisterten Wintersportler sind jetzt voll in ihrem Element. Für viele von ihnen endet der Schneespaß jedoch allzu früh. Auch am Bezirkskrankenhaus Reutte hat das Team der Unfallambulanz gerade alle Hände voll zu tun. Die diagnostizierten Verletzungen reichen von Gehirnerschütterungen über Bänderrisse und Knochenbrüche bis hin zu Gelenksverletzungen.

Sport- oder Unfallverletzungen können nicht nur sehr schmerzhaft sein, sie sind mitunter auch langwierig im Heilungsprozess. Sowohl für Hobby- als auch für Profisportler ziehen derartige Verletzungen zumeist eine lange Pause und eine Reihe von Behandlungen nach sich. „Nicht zuletzt deshalb erfreut sich die aus den USA stammende Therapie mit körpereigenen Wachstumsfaktoren steigender Beliebtheit“, erklärt der Schmerzexperte und ärztliche Leiter am BKH Reutte, Primar Eugen Ladner und fügt hinzu: „ACP, Autologes Conditioniertes Plasma, auch als Eigenbluttherapie bekannt, hilft dem Körper quasi, sich selbst zu heilen.“ Die Therapie mit körpereigenen Blutplättchenkonzentraten basiere auf der Beobachtung, dass sich die Wundheilung im Erwachsenenalter deutlich verlangsame. Ladner: „Aus dieser Erkenntnis entwickelte sich vor einigen Jahren die Eigenbluttherapie, die inzwischen auf dem Gebiet der Sportmedizin und der Orthopädie stark an Bedeutung gewonnen hat.“

Bei der Behandlung werden dem Patienten etwa 15 Milliliter Blut abgenommen. In einer Zentrifuge wird das Blutplasma mit den Blutblättchen von den weißen und roten Blutkörperchen getrennt. „Dieses Plättchenkonzentrat enthält so in etwa das Fünffache der für den Heilungsprozess wichtigen Wachstumsfunktionen. Es wird in die verletzte Stelle injiziert, wird dort aktiv und regt die Heilung an“, so Ladner.

Für die Betroffenen selbst entstehen bis auf die Blutabnahme keine Schmerzen. Ladner: „Im Gegensatz zu Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten, die Nebenwirkungen und auch Unverträglichkeiten auslösen können, sind bei ACP keine Risiken oder Beschwerden zu befürchten.“