Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.05.2017


Bezirk Innsbruck-Land

Wenn Volksschüler im Großen planen dürfen

Beim neuen Holzermuseum in der Scharnitzer Länd soll auch ein Naturspielplatz entstehen. Die Scharnitzer Volksschüler arbeiten mit.

Vom Baumhaus bis zum Klettergerüst, von einer Seilrutsche über ein ?Baummikado? bis zur Wasserleitung zum Aufstauen reichten die Vorschläge der Scharnitzer Volksschüler für den Spielplatz.

© DomanigVom Baumhaus bis zum Klettergerüst, von einer Seilrutsche über ein ?Baummikado? bis zur Wasserleitung zum Aufstauen reichten die Vorschläge der Scharnitzer Volksschüler für den Spielplatz.



Von Michael Domanig

Scharnitz – Der große Besucherparkplatz in der Scharnitzer Länd erhält ab dem heurigen Sommer ein völlig neues Gesicht: Im Rahmen des tirolerisch-bayerischen Interreg-Projektes „Wege des Holzes“ wird dort, wie berichtet, eine alte Holzerhütte aus dem Gleirschtal wiederaufgebaut und in ein Museum verwandelt. Dieses erzählt vom Leben der Holzer ebenso wie von der – für die Region so bedeutsamen – Geschichte der Holznutzung und ihrem ökologischen Kontext im Bergwald. Am Areal entsteht zudem ein neues Informationszentrum des Naturparks Karwendel, auch das Tourismusbüro wird dorthin verlegt. Regelmäßige Führungen, etwa zur Karwendelschlucht, werden hier starten.

 Projektleiter Franz Straubinger notierte die kreativen Ideen bis ins Detail.
Projektleiter Franz Straubinger notierte die kreativen Ideen bis ins Detail.
- Domanig

Doch damit nicht genug: Im Außenbereich rund um die Holzerhütte soll eine Art naturnaher Themenspielplatz entstehen – „weniger mit technischen Fertigspielsachen, sondern etwa mit aufgeschütteten Hügeln, naturnaher Bepflanzung, Spielgeräten aus unbearbeitetem Holz und mehr“, wie Franz Straubinger, Projektleiter Wissen & Forschung beim Naturpark Karwendel, erklärt. „So lässt sich am Tor zum Karwendel das Thema Natur gleich spielerisch präsentieren.“ Das Besondere daran: Der neue Spielplatz in der Länd wird unter wesentlicher Mitwirkung der Scharnitzer Volksschüler entwickelt und gebaut. Schüler aller vier Klassen haben ihre Ideen bildlich umgesetzt und dann mit Begleitung ihrer Lehrer eindrucksvolle Spielplatz-Modelle aus Naturmaterialien gefertigt. Diese stellten sie dem Projektleiter kürzlich im Detail vor – und Straubinger notierte ganz genau, welche Wünsche und Ideen dabei am häufigsten genannt wurden. Ein Baumhaus, Seilrutschen („Flying Fox“), Kletterbäume und -gerüste, eine Höhle, Rutschen und Schaukeln, Blumen- und Spielwiesen kommen in fast allen Modellen vor, ebenso eine kleine Wasserfläche samt Floß – was auch gut zur historischen Holztrift in der Länd passen würde. Aber auch eine Wasserleitung zum Stauen, Hüpfsteine, ein Barfußweg, ein Balancierseil und vieles mehr fiel den Kindern ein. Nur der „Schokobrunnen mit Gummibärchen“, der unter Gelächter genannt wurde, hat wohl eher wenig Chancen auf Umsetzung.

Straubinger hat sämtliche Ideen aufgenommen, er geht dann gemeinsam mit einem Architekten in die konkrete Planung. Die Holzerhütte soll im Sommer aufgebaut werden, ab Herbst soll die Errichtung des Spielplatzes starten. Wobei die Schüler gemeinsam mit ihren Eltern auch beim – professionell begleiteten – Bau mithelfen sollen. „Das ganze Projekt ist auch im Sinn­e des sozialen Lernens sehr gehaltvoll“, freut sich Volksschuldirektor Marku­s Ude, „die Schüler sind mit Begeisterung dabei. Und sie werden mit ihren Ideen wirklich ernst genommen.“

Das Gesamtprojekt mit Holzermuseum und Informationszentrum soll im Sommer 2018 eröffnet werden.

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