Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.05.2017


Gesellschaft

„Wertmarken statt Bargeld für Bettler“

GR Sepp Köll schlägt die Einführung eines Gutscheinsystems in Telfs vor, um Spenden sinnvoll nützen zu können und die „Bettelmafia“ auszubooten.

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© thomas boehm(Symbolfoto)



Telfs – Ein Wertmarkensystem, etwa in Form von Jetons, mit denen Bettler Nahrung und Bekleidung erwerben können? Mit dieser unkonventionellen Idee, im Gemeinderat am Donnerstagabend als Antrag eingebracht, hat GR Sepp Köll (Telfs Neu) erneut eine Diskussion über das Thema Betteln in Telfs angestoßen. Sein Argument: In Telfs habe sich eine „feste Bettlerszene“ etabliert. Stilles Betteln sei zwar rechtlich nicht zu unterbinden, der Gemeinderat müsse aber weiter nach Lösungen suchen. Schließlich würden sich Bürger immer wieder „belästigt oder gar bedroht“ fühlen.

Vor allem aber gebe es Bedenken, was mit dem gespendeten Bargeld geschieht: „Werden damit Alkohol, Zigaretten oder Drogen gekauft? Finanziert man damit gar die Bettelmafia? All das ist nicht auszuschließen“, meint Köll. Ihm schwebt daher eben ein Wertmarkensystem vor, wie es etwa in der deutschen Stadt Lüdenscheid vom Caritasverband praktiziert werde.

„Den Verkauf der Jetons, z. B. im Zehnerblock, könnte die Marktgemeinde übernehmen“, schlägt Köll vor. Die Gutscheine sollten bei der Lebensmittelausgabe sowie im Kleiderladen des Roten Kreuzes einlösbar sein, eventuell auch in einigen Telfer Geschäften – nicht aber für Alkohol und Zigaretten. „So könnte sichergestellt werden, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird.“ Zugleich würde Telfs „für die Bettelmafia unattraktiver“, meint Köll. „Denn dort gilt: Nur Bares ist Wahres.“

„Wenn sich die Situation dadurch verbessert, sind wir gerne bereit, so ein Projekt anzudenken“, sagt BM Christian Härting (Wir für Telfs) zur TT. Die zentrale Frage sei aber: „Ändert das System etwas daran, dass Telfer und Gäste weiterhin Bargeld geben? Das kann man schließlich niemandem verbieten.“ Kölls Antrag werde dem Ausschuss für Familien, SeniorInnen und Soziales zugewiesen, erklärt Härting, dieser soll die Idee „im Detail durchdenken“. (md)